Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steckdose als Zugang zum Internet

17.09.2010
Neues Verfahren der Datenübertragung über die Stromleitung

Multimedia-Anwendungen wie hochauflösendes Fernsehen (HDTV) oder Video-Streaming und die zunehmende Vernetzung digitaler Geräte innerhalb des Hauses erfordern schnelle, zuverlässige und kosteneffiziente Heimnetze. Die Möglichkeit der Datenübertragung über die Stromleitung – auch als Powerline Communications (PLC) bekannt – macht aus jeder Steckdose einen möglichen Netzzugang, ohne dass neue Kabel verlegt werden müssen.

Heute verfügbare Powerline-Modems nutzen zwei Leiter für die Datenübertragung. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Instituts für Nachrichtenübertragung mit der Forschungsabteilung der Sony Deutschland GmbH in Stuttgart werden neue „Multiple-Input-Multiple-Output-Verfahren“ (MIMO), eine Übertragungstechnik mit mehreren Sende- und Empfangskanälen, unter zusätzlicher Verwendung eines dritten Leiters untersucht und erprobt. Damit können die Datenrate nahezu verdoppelt und die Übertragungsqualität, die Zuverlässigkeit sowie die Verfügbarkeit deutlich erhöht werden.

Drahtlose Netzwerke wie das weit verbreitete Wireless Local Area Network (WLAN) eigenen sich gut, um mobile Geräte zu vernetzen. Allerdings muss man bereit sein, gelegentliche Einbrüche in der Übertragungsqualität und der Datenrate zu tolerieren. Dies ist bei vielen PC-Anwendungen hinnehmbar. Beim Fernsehen, besonders mit der hohen Auflösung HDTV, benötigt man jedoch eine hohe Datenrate, die über mehrere Stunden konstant und mit guter Qualität verfügbar sein sollte. Auch nehmen im WLAN die Signalstärke und damit die Datenrate durch die Dämpfung von Wänden in Gebäuden ab.

Mit entsprechender Übertragungstechnik kann auch das vorhandene Stromnetz eingesetzt werden, um Datenendgeräte und WLAN-Netzinseln miteinander zu verbinden. Allerdings sind die Stromkabel bekanntlich nicht für die Nachrichtenübertragung ausgelegt. Deshalb ergeben sich große Herausforderungen: Da die Leitungen nicht abgeschirmt sind, können die Daten durch äußere Störungen wie elektrische Geräte und Rundfunksender stark verfälscht werden. Dieser Effekt ist umso größer, je höher die Datenrate gewählt wird. Trotz dieser Beeinträchtigungen erreichen heute käufliche PLC-Modems bereits Datenraten bis zu etwa 200 Megabit pro Sekunde zwischen zwei Steckdosen. Dieser Wert kann jedoch nicht für alle Haushalte und nicht für alle Verbindungen innerhalb eines Haushaltes garantiert werden. Die nutzbare Datenrate ist meist erheblich geringer.

Derzeitige Powerline-Modems nutzen die beiden mittleren Kontakte der Steckdose. In Europa, den USA und in vielen anderen Ländern gibt es zusätzlich den Schutzleiter. Dadurch wird ein weiterer „Übertragungskanal” geschaffen. Die drei Leiter ermöglichen nachrichtentechnisch eine MIMO-Übertragung. Das heißt, es stehen mehrere Sender und mehrere Empfänger zur Verfügung, zwischen denen jeweils ein Übertragungskanal besteht. Falls einer der Übertragungskanäle sehr schlecht wird, übernehmen die anderen Übertragungskanäle die Datenübertragung. Mit diesem Verfahren kann die Datenrate verdoppelt werden. Auch die Übertragungsqualität, die Zuverlässigkeit und die Verfügbarkeit erhöhen sich deutlich wie sich durch Simulationen zeigte. Inzwischen haben die Forscher Prototypen im Labor verwirklicht. Die Weiterentwicklung zu einem Produkt durch die Firma Sony ist für die nächsten Jahre geplant.

Ansprechpartner:
Daniel Schneider,
Institut für Nachrichtenübertragung,
Tel. 685-69208,
e-mail: daniel.schneider@inue.uni-stuttgart.de;
Prof. Joachim Speidel,
Institut für Nachrichtenübertragung

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE