Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheitslücke trotz Trusted Computing

03.12.2009
Schwachstelle ermöglicht Skimming-Angriff auf die Windows-BitLocker-Festplattenverschlüsselung

Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts SIT haben eine Sicherheitslücke in der Windows-Festplattenverschlüsselung "BitLocker" gefunden: Hat ein Angreifer die Möglichkeit, unbemerkt den Computerstart zu manipulieren, kann er an die geheime PIN der Festplattenverschlüsselung gelangen und die verschlüsselten Daten stehlen.

Der Angriff verdeutlicht, dass die Verwendung von Trusted Computing nicht in allen Situationen vor Manipulationen schützt. Wie der Angriff konkret funktioniert, zeigt ein Video der Fraunhofer-Wissenschaftler im Internet unter http://testlab.sit.fraunhofer.de/bitlocker-skimming/ .

Vor kurzem erst ist ein Angriff auf den Boot-Vorgang des Festplattenverschlüsselungsprogramm TrueCrypt bekannt geworden. Die windowseigene BitLocker-Verschlüsselung galt jedoch noch als sicher, weil die Software zur Überprüfung des Boot-Vorgangs einen Hardware-Chip, das Trusted Computing Module (TPM) nutzt. Das Angriffsszenario des Fraunhofer SIT zeigt jedoch: Auch bei TPM-basierter Festplattenverschlüsselung können Angreifer die Passwörter ausspähen. Das Testlabor des Fraunhofer SIT hat den Angriff gegen die BitLocker-Festplattenverschlüsselung in Windows 7, 2008 Server und Vista praktisch durchgeführt. Der von den Forschern entwickelte Angriff umgeht die Sicherheitsfunktionen von BitLocker vollständig.

"Das Vorgehen ist vergleichbar mit Skimming-Angriffen an Geldautomaten", sagt Fraunhofer-Mitarbeiter Jan Steffan. "Erhält ein Angreifer kurz Zugang zum geschützten Computer, kann er die Startroutine von BitLocker durch ein eigenes Programm ersetzen, welches eine PIN-Abfrage vortäuscht. Wenn der Besitzer seinen Computer daraufhin startet, scheint dieser wie gewohnt nach der BitLocker-PIN zu fragen." Nun ist jedoch das Programm des Angreifers aktiv, das die geheime PIN im Klartext auf der Festplatte hinterlegt. Nach der PIN-Eingabe entfernt sich das Programm automatisch, stellt die BitLocker-Startroutine wieder her und startet den Rechner neu. BitLocker funktioniert jetzt wieder wie gewohnt - der Benutzer kann den Angriff, abgesehen vom Neustart des Computers, kaum erkennen. Der Angreifer verschafft sich jetzt ein zweites Mal Zugang zum Computer, liest die PIN von der Festplatte und entschlüsselt damit die geschützten Daten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Festplattenverschlüsselungen nutzt BitLocker ein auf der Hauptplatine des Computers vorhandenes Trusted Platform Module (TPM). Damit prüft er die Unversehrtheit der zum Windows-Start notwendigen Software. "Wir haben einfach die Tatsache ausgenutzt, dass sich BitLocker dabei selbst mit Hilfe des TPM überprüft", sagt Jan Trukenmüller. "Ersetzt man BitLocker durch ein eigenes Programm, überprüft niemand mehr, ob die PIN-Eingabeaufforderung tatsächlich echt ist." Im Gegensatz zu den kürzlich auf der Blackhat-Konferenz veröffentlichen Angriff gegen die TrueCrypt-Festplattenverschlüsselung, benötigt der Angreifer jedoch zweimal Zugang zum verschlüsselten Computer.

Industriespione könnten mit dem Angriffsszenario in Unternehmen gezielt auf Datenfang gehen. "Trotz der Sicherheitslücke ist BitLocker eine gute Lösung zur Festplattenverschlüsselung", so Trukenmüller, "denn vor der häufigsten Bedrohung für sensible Daten auf Festplatten -- dem Verlust oder Diebstahl von Computern -- schützt BitLocker gut."

Oliver Küch | idw
Weitere Informationen:
http://testlab.sit.fraunhofer.de/bitlocker-skimming/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie