Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saarbrücker Forscher entwickeln Suchmaschine für Argumentationen

09.01.2013
Saarbrücker Wissenschaftler der Rechtswissenschaft, Informatik und Philosophie gehen neue Wege, im Internet vorhandene Informationen aufzufinden und auszuwerten:

Gemeinsam arbeiten sie an einer Suchmaschine, die mit Hilfe von Methoden der künstlichen Intelligenz Argumente und Argumentationsstrukturen inhaltlich erfasst. Der Software-Prototyp wird anhand des Textkorpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts entwickelt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt ARGUMENTUM mit 1,4 Millionen Euro. Beteiligt sind die Universität des Saarlandes, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Europäische EDV-Akademie des Rechts (EEAR).

Juristen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in Bibliotheken und suchen. Von Hand wälzen Anwälte, Richter, Staatsanwälte und Unternehmensjuristen ebenso wie Studenten und Wissenschaftler Kommentare, Bücher, juristische Zeitschriften. Sie suchen nach Begründungen, die eine bestimmte These unterstützen oder widerlegen.

Oder sie versuchen, ein Argument mit konkreten Fällen und Argumentationen aus bereits gefällten Gerichtsurteilen zu untermauern. Das Internet mit seinen juristischen Fachdatenbanken ist hierbei bereits eine große Arbeitserleichterung. Aber die Volltextsuche nach Suchbegriffen und Schlagworten bringt Antworten nach dem Gießkannenprinzip – ohne Rücksicht darauf, ob die eingegebenen Suchbegriffe in den gefundenen Dokumenten überhaupt im Zusammenhang mit der gesuchten Rechtsfrage behandelt werden oder ob die jeweiligen Gerichtsentscheidungen Argumente für oder gegen die eigene Sache liefern. In der schieren Menge der Treffer die passenden Stellen zu finden, kann einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen.

An einer neuartigen Suchmaschine, die auf Mausklick passende Argumentationen zu bestimmten Rechtsfragen präzise online serviert, arbeiten jetzt Saarbrücker Forscher im BMBF-Projekt ARGUMENTUM. Ihr Ziel ist es, dass Nutzer eine rechtliche Frage eingeben können und daraufhin Dokumente erhalten, die sich mit der Frage argumentativ auseinandersetzen.

„Eine solche Suchmaschine würde die rechtswissenschaftliche und rechtspraktische Arbeit erheblich vereinfachen und beschleunigen“, erklärt Professor Maximilian Herberger, der das am Projekt federführend beteiligte Institut für Rechtsinformatik der Saar-Uni leitet.

Das Institut für Rechtsinformatik betreut bereits seit Jahren den Internetauftritt des Bundesverfassungsgerichts. Für den Prototyp legen die Wissenschaftler die Texte aller online veröffentlichten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zugrunde. Diese Texte eignen sich besonders, da sie immer einem logischen Aufbau und einer logischen Argumentationsstruktur folgen.

Bis 2015 soll der Software-Prototyp erstellt werden. Zugleich soll untersucht werden, ob und inwieweit die hier gefundenen Erkenntnisse sich übertragen lassen: In allen Wissenschaften wird argumentiert; die Argumentation ist eine zentrale Aufgabe und Methode der Forschung generell. Die beteiligten Wissenschaftler wollen daher die Suchmaschine über die juristischen Inhalte hinaus weiterentwickeln für eine Suche nach Argumentationen aller Art.

Im Projekt arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen Hand in Hand:
Die Rechtsinformatiker der Saar-Uni sind verantwortlich für die juristische Seite und entwickeln gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI um Professor Peter Loos die neuartige Software. Am DFKI werden außerdem unabhängig von den juristischen Inhalten die Satzkonstruktionen und Schlüsselwörter in den Argumentationsstrukturen analysiert. Hinzu kommen Saarbrücker Philosophen um Prof. Ulrich Nortmann, die das Projekt aus argumentationstheoretischer Sicht bearbeiten. Die Europäische EDV-Akademie des Rechts, eine vom Saarland und dem EDV-Gerichtstag gegründete gemeinnützige GmbH, testet und evaluiert die Entwicklungen während der gesamten Projektzeit.

Das BMBF fördert das Projekt ARGUMENTUM im Rahmen der so genannten „eHumanities Förderrichtlinie“ mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Millionen Euro.

http://argumentum.eear.eu
Kontakt:
Iris Speiser (Institut für Rechtsinformatik),
Tel. +49 681 302-2839
E-Mail: i.speiser@mx.uni-saarland.de
Tim Philippi (Theoretische Philosophie)
Tel: +49 681 302-3324
E-Mail: TimPhilippi@gmx.de
Alfred Gass (EEAR)
Tel: +49 6861 793711
E-Mail: info@eear.eu
PD Dr. Peter Fettke (Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI)
Tel: +49 681 85775-5142
E-Mail: peter.fettke@iwi.dfki.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601) richten.

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://argumentum.eear.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau