Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Roboterexperten bauen Einwegroboter für Erkundungsfahrten in brenzligen Situationen

15.12.2011
Der Einwegroboter kann große und oft teure andere Robotertypen unterstützen und vor Verlust schützen.

Gesteuert werden er und seine Kameraden intuitiv über Werkzeuge aus dem Elektronikbaukasten. Die Entwickler kommen aus St. Augustin und Bottrop, beide arbeiten in Gelsenkirchen. Auf die Idee kamen die Informatiker durch ihre Arbeit an großen, teuren Rettungsrobotern im Rahmen des EU-Projekts NIFTi: Einen solchen Roboter verliert man ungern, warum ihn also nicht mit Einwegrobotern unterstützen, fragten sich die Tüftler.


Sieht aus wie verspieltes Studium, hat aber einen ernsthaften Nutzungshintergrund: Prof. Dr. Hartmut Surmann (r.) und Masterstudent Christopher Eulering (l.) haben an der Fachhochschule Gelsenkirchen einen Einwegroboter (v.) für den Einsatz im Katastrophenfall entwickelt.
Foto: FHG/BL, Abdruck honorarfrei

Gelsenkirchen. Was keiner will und doch passiert: ein Brand im Straßentunnel, eine Explosion in der Chemiefabrik, ein Unglück im Stahlwerk. „Dann steht man vor einer Situation, in die man Menschen nicht hineinschicken will, die Helfer haben aber noch gar keinen Überblick, was wie wo und wann möglichst rasch zu tun ist“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Surmann (48) aus St. Augustin die Ausgangssituation für eine Roboterentwicklung, die er gemeinsam mit Masterstudent Christopher Eulering (25) aus Bottrop in den letzten Wochen und Monaten an der Fachhochschule Gelsenkirchen im Fachbereich Informatik ausgetüftelt und gebaut hat.

Ihr „Einwegroboter“ ersetzt dem Menschen die Augen und bildet gleichzeitig mit ähnlichen weiteren Robotern ein eigenes Fernmeldesystem. „Im Katastrophenfall sind nämlich die bestehenden Kommunikationsnetze, über die viele andere Roboter ihre Daten sonst weitergeben, nicht mehr verfügbar. Das hat man bei dem Atomkraftwerksunglück in Fukushima gesehen“, beschreibt Surmann ihren Lösungsansatz.

Als erstes benötigten die beiden einen preiswerten, mobilen Untersatz. Den fanden sie in den beliebten und weltweit verbreiteten Modellautos, die sonst im wesentlichen zum Spaß ferngelenkt durch Gärten und über am Wochenende verwaiste Groß-Parkplätze fegen. Statt der Joystick-Steuerung haben sie jedoch ein großes Lenkrad mit zwei Pedalen für vorwärts und rückwärts an das System gehängt. Das Chassis brauchten sie auch nicht, sondern haben das Modellauto technisch entkernt und stattdessen eine selbst programmierte Mikrocontroller-Platine eingebaut. Eine Kamera ist das Auge des Roboters und überträgt Bilder auf einen Laptop-Bildschirm.

Außerdem bekam das Auto noch eine leistungsstarke Router-Antenne, die Anmeldepunkt, Sende- und Empfangsstation ist. Wenn mehrere solcher Einwegroboter mit Router-Antenne losrollen, bilden sie technisch gesehen gemeinsam ein so genanntes „Mesh-Netz“, ein Netz, das sich aus dem Augenblick heraus selbst vermascht. Auf diese Weise werden Informationen netzgestützt weitergegeben. Und wenn ein Knoten ausfällt, wird er von anderen ersetzt. Je mehr Einwegroboter unterwegs sind, umso sicherer arbeitet das Netz. Die von Surmann und Eulering programmierte Platine steuert auch weitere Standard-Modellautos mit eingebauter billiger PWM-Steuerung (Pulsweitenmodulation), sodass diese preiswert das Netz verdichten können.

Zudem können sie die Geländegängigkeit verbessern. Surmann: „Die Modellautos gibt es im Technik-Spielzeugladen nämlich auch als Monster-Buggy oder als Kettenfahrzeug und sogar als kleine Panzer, die mit geringen Änderungen rauen Umweltbedingungen eine Zeit lang trotzen.“ Kommen wir zur Kasse: das Modellauto, die Kamera, eine Platine, die Antenne, macht zusammen etwa 500 Euro. „Das ist absolut aus dem Niedrigpreissektor für Roboter“, so Surmann.

Damit hat der kleine Einwegroboter alles, was er für die Erkundung eines Katastrophenfalls braucht. Nur eines hat er nicht und bekommt er auch nicht: einen Namen. „Mit einem Namen würde ihn der steuernde Mensch zu schnell als eigenes Wesen empfinden“, gibt Christopher Eulering zu bedenken, „und wer schickt ihn dann ins Feuer?“

Ihr Medienansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Hartmut Surmann, Fachbereich Informatik der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (0209) 9596-777 oder 9596-483 (Dekanat), E-Mail hartmut.surmann@fh-gelsenkirchen.de

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-gelsenkirchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie