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Preiswertes Scanverfahren: Dreidimensionale Welten für jedermann

13.07.2016

Wer hochwertige 3D-Scans haben wollte, musste bislang tief in die Tasche greifen. Ein neues Verfahren von drei Kaiserslauterer Informatikern schafft hier nun Abhilfe. Die Technik kommt mit handelsüblichen Kameras und einem Beamer aus. Eine Software rechnet dabei die Pixel der Kamerabilder in ein dreidimensionales Modell um. Die Informatiker haben die Methode im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der TU Kaiserslautern und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt. In ihrem Start-Up „3Digify“ vermarkten sie die Technologie seit Anfang des Jahres. Eine erste kostenfreie Version der Software ist seit Kurzem auf den Webseiten des Unternehmens erhältlich.

Wenn Superhelden in Hollywood-Blockbustern gegen das Böse kämpfen oder in Computerspielen durch wilde Landschaften von Abenteuer zu Abenteuer wandeln, werden diese Szenen dank neuer 3D-Technik für Zuschauer und Nutzer immer realer. Die Technologien, die dahinter stecken, sind meist teuer.


Die Technik, die bei diesem Verfahren zum Einsatz kommt, ist einfach: Es reichen ein Beamer und eine handelsübliche Kamera.

3Digify

Das gilt auch für 3D-Scanner: Dafür mussten Nutzer bislang viel bezahlen, wie Bernd Krolla weiß: „Die Qualität überzeugte bislang nur bei Verfahren, deren Anschaffungskosten bei circa 15.000 Euro losgehen.“ Eine preisgünstige Alternative dazu bietet nun Krolla mit seinen Kollegen Tobias Nöll und Johannes Köhler in ihrem Start-Up „3Digify“ an. Die Informatiker aus Kaiserslautern nutzen dabei recht preiswerte Technik. „Zwei Kameras und ein Beamer sind notwendig“, erklärt Krolla. Diese erfassen das gewünschte Objekt. Die Software der Informatiker errechnet anhand der Daten ein 3D-Modell.

„Dabei rekonstruiert das System 3D-Punkte für jeden einzelnen Kamerapixel“, so der Jungunternehmer. „Der Nutzer kann dabei selber entscheiden, welche Geräte er benutzen will.“ Er kann also handelsübliche Ware nutzen, die er beim Elektrohändler seines Vertrauens erstehen kann. Somit ist ein hochwertiger 3D-Scan schon mit Kameras ab rund 150 Euro zu realisieren.

Tobias Nöll und Johannes Köhler haben die Software im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der TU Kaiserslautern und am DFKI bei Professor Dr. Didier Stricker entwickelt. Seit Januar dieses Jahres vermarkten sie ihre Technik zusammen mit Krolla in der eigenen Firma 3D-Digify.

„Wir möchten die Technik weiterentwickeln und sie in verschiedenen Versionen Kunden auf unserer Webseite zum Kauf anbieten“, sagt der Informatiker. Die Chancen, sich mit ihrer Technik auf dem Markt zu etablieren, stehen für die Kaiserslauterer nicht schlecht: Denn einer Studie des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens „Research and Market“ aus dem Jahr 2013 zufolge wächst der Markt für 3D-Scanner bis 2018 auf rund vier Milliarden Dollar an.

In den vergangenen Monaten waren die drei Unternehmer viel unterwegs, um ihre Technologie einem großen Publikum vorzustellen und bekannter zu machen. Sie haben unter anderem auf der Computermesse Cebit und der Hannover Messe die Werbetrommel für sich gerührt.

„Die Resonanzen waren gut“, weiß Krolla. Aus den unterschiedlichsten Bereichen haben sie Interessenten angesprochen. Die Anwendungsfelder sind vielfältig. „Mit unsere Technik könnten Orthopäden zum Beispiel Prothesen leichter und passgenauer anfertigen“, nennt er als Beispiel. Darüber hinaus bietet sich das Verfahren auch für Online-Händler an, die ihre Produkte damit besser auf ihren Webseiten präsentieren können. Und auch Hobbyfotografen können mit der Technik leichter neue Welten erschaffen.

Unterstützt werden die Informatiker bei ihrem Vorhaben vom Gründungsbüro der TU. Es stellt ihnen auf dem Campus Räumlichkeiten und eine passende Infrastruktur zur Verfügung. Außerdem erhalten sie im Rahmen des Exist-Gründungsprogrammes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine finanzielle Förderung für zwölf Monate.

Die Jungunternehmer bieten nun eine erste Version ihrer Software auf ihren Webseiten an. Diese Testversion ist kostenfrei. Wer Interesse daran hat, muss sich lediglich registrieren.

Weitere Informationen unter www.3digify.com

Fragen beantwortet:
Bernd Krolla, 3Digify
E-Mail: Bernd.Krolla@3digify.com
Tel.: 0631 20575

Katrin Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: 3D-Scan 3D-Scanner DFKI Informatiker Prothesen

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