Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sich der Mensch im Raum zurechtfindet

01.10.2013
Informatiker der TU Chemnitz entwickeln mit Forschern aus England, Frankreich und den Niederlanden Modelle der menschlichen Wahrnehmung und Kognition – Förderung durch die Europäische Union

Ein Mensch, der sich in einem Raum orientiert, nimmt mehr wahr, als seine Augen sehen, seine Ohren hören, seine Hände spüren. Denn das menschliche Gehirn verarbeitet all diese Informationen und bezieht dabei auch Bewegungen mit ein – die der Augen, des Kopfes, des Körpers.

Wie schafft es ein Mensch, der vor einem Bücherregal stand, dann zur Tür und anschließend zum Fenster gegangen ist, den Ausgangspunkt am Bücherregal wiederzufinden? Mit der Frage, wie sich der Mensch in einem Raum zurechtfindet, beschäftigen sich Wissenschaftler der Professur Künstliche Intelligenz der Technischen Universität Chemnitz in einem interdisziplinären Team gemeinsam mit Forschern aus England, Frankreich und den Niederlanden im Projekt „Spatial Cognition“.

Die Orientierung im Raum erfordert immer auch Information über die aktuelle und geplante Körperposition. Die Professur Künstliche Intelligenz untersucht hauptsächlich den Einfluss von Augenbewegungen, die Partnerteams fokussieren unter anderem auf die Kopf- oder Körperbewegungen und die Rolle des Gedächtnisses. An der TU Chemnitz, wo das Gesamtprojekt koordiniert wird, entsteht dann ein umfassendes Computermodell der Raumkognition, in das die Teilergebnisse der Partner integriert werden. Am Ende soll ein Avatar stehen – ein simulierter Mensch, der sich in einer virtuellen Realität im Raum orientieren kann. „Wir wollen den Avatar sozusagen mit einem künstlichen Gehirn ausstatten und ihm beibringen, seine Umwelt nicht nur zu sehen, sondern zu interpretieren“, sagt Prof. Dr. Fred Hamker, Inhaber der Professur Künstliche Intelligenz.

Gestartet ist das Projekt im März 2013. In der bisherigen Laufzeit haben die Chemnitzer Forscher eine Software entwickelt, die die Simulation von Neuronen auf Parallelrechnern erlaubt. Langfristiges Ziel der Forschung ist die Anwendung in der Steuerung von Robotern. „Es gibt in der Robotersteuerung Ansätze, die versuchen, die Umwelt an die Maschine anzupassen, damit sich diese zurechtfindet. Wir zielen umgekehrt darauf, die Maschine weiterzuentwickeln, damit sie sich in die bestehende Umwelt integrieren kann“, so Hamker.

Beteiligt sind neben den Informatikern der TU Chemnitz Neurowissenschaftler des University College London, der Radboud University Nijmegen und des Centre national de la recherche scientifique in Toulouse sowie Psychologen der Université Paris Descartes. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Programm Future and Emerging Technologies (FET) für drei Jahre mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro gefördert; etwa 600.000 Euro entfallen auf die TU Chemnitz.

Das Projekt im Internet: http://www.spacecog.eu

Weitere Informationen erteilt Projektkoordinator Prof. Dr. Fred Hamker, Telefon 0371 531-37875, E-Mail fred.hamker@informatik.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.spacecog.eu
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verlässliche Quantencomputer entwickeln
22.02.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Drohnen die Unterwelt erkunden
21.02.2018 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics