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Lübecker Informatiker erforschen sichere und flexible Vernetzung in Operationssaal und Klinik

22.08.2012
Großprojekt „OR.Net - Sichere und dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ startet mit 15 Millionen Euro Bundesforschungsgeldern

Gemeinsam mit insgesamt fast 50 Partnern aus ganz Deutschland wird die Universität zu Lübeck neue Konzepte zur Integration unterschiedlichster medizintechnischer Geräte in Operationssälen und Kliniken erforschen.


Prototypischer Aufbau vernetzter Geräte. Im Vordergrund ist ein Monitoring-Gerät zu sehen, im Hintergrund ein Operationsmikroskop. Ein Videoprojektor wurde als Ersatz für eine OP-Leuchte eingesetzt (siehe Lichtkegel hinter dem Mikroskop)

Das Bundesforschungsministerium hat die entsprechenden Zuwendungsbescheide für das Großprojekt „OR.Net - Sichere und dynamische Vernetzung in Operationssaal und Klinik“ jetzt verschickt. Von den insgesamt etwa 15 Millionen Euro Fördersumme entfallen allein auf die Universität zu Lübeck knapp 1,4 Millionen.

Beteiligt sind die drei Institute für Medizinische Informatik, für Softwaretechnik und Programmiersprachen und für Telematik der Universität. Koordiniert werden die Lübecker Aktivitäten von der UniTransferKlinik GmbH. Für die ausgesprochen interdisziplinären Fragestellungen sind in dem Lübecker bzw. norddeutschen „Cluster“ außerdem noch die Universitätsklinik für Chirurgie Lübeck, die IT-Abteilung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein sowie die Unternehmen Drägerwerk (als assoziierter Partner), Möller-Wedel und Söring beteiligt.

In modernen Operationssälen entsteht bei den Ärzten zunehmend der Wunsch nach der Vernetzung und Integration medizinischer Geräte, um die notwendigen Operationen effizienter und präziser ausführen zu können. Dabei soll gleichzeitig die technische Komplexität sinken, so dass sich das Ärzteteam besser auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann. Von einigen Firmen werden hier bereits Komplettlösungen angeboten, die jedoch meist unter mangelnder Modularität, Flexibilität und Austauschbarkeit leiden.

Im Sinne einer technisch optimalen und gleichzeitig kostengünstigen Ausstattung eines OPs wäre es sinnvoll, wenn Krankenhäuser sich ihre Operationssäle aus unterschiedlichen Angeboten selbst zusammenstellen und trotzdem die Vorteile eines integrierten Gesamtsystems in Anspruch nehmen könnten. Dafür müssen jedoch nicht nur gemeinsame technische Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen und standardisiert, sondern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen des Medizinproduktegesetzes eingehalten werden.

Mit dem jetzt geförderten Projekt OR.Net verfolgt der Bund das Ziel, die anfallenden Probleme zu lösen und dabei möglichst viele Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Krankenhäuser miteinander zu vernetzen, um einen möglichst breiten Konsens zu ermöglichen. Das Projekt beginnt am 1. September 2012 und läuft über drei Jahre.

Das Institut für Medizinische Informatik der Universität Lübeck entwickelt neue Methoden zur semantischen Interoperabilität bislang proprietärer medizinischer Geräte im Operationssaal und zur Weiterverarbeitbarkeit der Gerätedaten in angrenzenden klinischen Informationssystemen. Das Gesamtsystem vernetzter Geräte und Informationssysteme muss über technische Kommunikationsformen wie Nachrichtenaustauschformate oder Web-Services hinaus garantieren, dass verwendete Datenstrukturen einschließlich Kodierungen und Einheiten für alle beteiligten Systeme zuverlässig interpretiert werden können. Dazu ist eine Zusammenarbeit mit relevanten Standardorganisationen sowie Partnern aus Wirtschaft und Forschung erforderlich.

Das Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen erarbeitet Software-Engineering-Methoden zur Entwicklung von sicheren und zuverlässigen Hard- und Softwaresystemen. Einen wesentlichen Schwerpunkt stellt die Entwicklung von Verfahren dar, die zur Laufzeit die Korrektheit von sicherheitskritischen Systemen überprüfen. Im Rahmen von OR.Net werden diese Techniken so adaptiert, dass die Vernetzung medizinischer Geräte hinsichtlich verwendeter Kodierungen und Datenstrukturen, Timing-Eigenschaften etc. überprüft werden kann. Entsprechende Runtime-Verification-Techniken sind essentiell zur Erkennung von Fehlern und werden daher in enger Kooperation mit der Industrie und den relevanten Standardisierungsgremien entworfen und in den Hard- und Software-Entwicklungsprozess eingebettet.

Das Institut für Telematik entwickelt neue technische Lösungen für die Herausforderungen einer zunehmend hybrid vernetzten Welt aus realen und virtuellen Komponenten in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Die Zielsetzungen und Methoden orientieren sich am Leitgedanken, dass Technik grundsätzlich der Unterstützung des menschlichen Lebens in seiner Umwelt dienen sollte. Dazu gestalten die Mitarbeiter innovative Komponenten, Systeme, Prozesse und Anwendungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern aus Wirtschaft und Forschung. Neue technische Entwicklungen in den Bereichen Sensorik, Aktorik, Netzwerktechnik sowie mobilen, ubiquitären, und pervasiven Systemen werden zur Realisierung von innovativen Diensten in intelligenten Umgebungen verwendet.

Die UniTransferKlinik Lübeck, bietet gemeinsam mit der Universität zu Lübeck ein abgerundetes Konzept zum Thema Projekt- und Qualitätsmanagement für Kliniken und Institute auf dem Medizinprodukte- und Life-Sciences-Markt an. Die UniTransferKlinik unterstützt vor allem Kliniken und Unternehmen bei der Entwicklung und Einführung neuer Produkte im Hinblick auf die Erfüllung gesetzlicher und normativer Anforderungen. Der Fokus liegt in der Bündelung und Stärkung der Kompetenzen der Universität zu Lübeck für den Forschungsbereich der Life Sciences.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de

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