Verlängert der Klimawandel die Pilzsaison?

Der Steinpilz (Boletus edulis) ist einer der weltweit verbreitetsten und beliebtesten Speisepilze (Foto: Simon Egli/WSL)<br>

Einer internationalen Forschergruppe unter der Leitung der Universität Oslo, an der auch drei Wissenschaftler der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der Universität Wien beteiligt waren, gelang es erstmals, das Wachstumsverhalten von Pilzen seit den 1970er Jahren zu beschreiben. Sie taten dies anhand phänologischer Auswertungen von 750‘000 Pilzdaten aus der Schweiz, Grossbritannien, Norwegen und Österreich. Die Daten zeigen, dass sich die Pilzsaison in allen vier Ländern nicht nur kontinuierlich verlängert, sondern auch chronologisch nach hinten verschoben hat. Diesen Trend konnte das Team mit wärmeren Temperaturen und generell längeren Vegetationsphasen erklären.

Pilze interessieren nicht nur wegen ihres kulinarischen Wertes, sie übernehmen als Streuabbauer (sogenannte Saprophyten, siehe Glossar) und Symbionten von Waldbäumen (Mykorrhizapilze) in unseren Wäldern wichtige Funktionen. Die Pilzforscher legen dar, dass sich langfristige Änderungen im Pilzwachstum und deren Phänologie nachhaltig auf ganze Waldökosysteme und damit auf den globalen Kohlenstoffhaushalt auswirken können.

Dass man Pilze heute in allen Regionen bis später im Jahr sammeln kann, erklären die Forscher mit dem allgemein feststellbaren Trend eines späteren Eintreffens von Schnee und Frostereignissen. In Grossbritannien dauert die Pilzsaison nicht nur länger, sie beginnt auch früher, was mit dem ozeanischen Klima und milderen Wintern erklärt werden kann. Auch wenn sich einzelne Pilzarten unterschiedlich verhalten, die Trends sind innerhalb von Pilzgattungen über alle Regionen sehr ähnlich, das gilt sowohl für die Mykorrhizapilze wie für die Saprophyten.
Studie bestätigt Daten des WSL-Pilzreservats

Die aktuelle Studie stimmt in ihren Kernaussagen mit den Auswertungen einer 32-jährigen Beobachtungsreihe aus dem Pilzreservat La Chanéaz in der Westschweiz überein (Büntgen et al. 2012; Frontiers in Ecology and the Environment). Weiterhin ergänzen die neuen, europaweiten Ergebnisse jüngste Beobachtungen von vermehrtem Trüffelwachstum in Süddeutschland durch Forscher der Universität Freiburg und der WSL (Stobbe et al 2012; Fungal Ecology).

Von der Eidg. Forschungsanstalt WSL haben Ulf Büntgen, Simon Egli und Beatrice Senn-Irlet an der Studie mitgearbeitet. Seitens der Universität Wien war Irmgard Greilhuber-Krisai an der Studie beteiligt.

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Reinhard Lässig idw

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