Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

LMU-Informatiker beteiligen sich an Galileo-Forschung: Projekt zur Navigation in Gebäuden gestartet

12.12.2008
Navigationsgeräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neben der privaten Anwendung im Straßenverkehr spielen sie eine wesentliche Rolle in der Luft- und Schifffahrt, aber auch im Schienenverkehr, um Züge zu leiten und zu überwachen.

Mit dem Navigationssystem Galileo will sich die Europäische Union unabhängig machen vom US-amerikanischen GPS (Global Positioning System). Der Lehrstuhl für Mobile und Verteilte Systeme der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ist ab sofort an der Entwicklung von Galileo-Diensten beteiligt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat aktuell das Projekt "Indoor" für zwei Jahre bis Ende 2010 bewilligt. Die LMU-Informatiker um Professor Claudia Linnhoff-Popien wollen in dem Projekt Positionierungs- und Navigations-Technologien entwickeln für Anwendungen im Bereich Verkehrslogistik sowie für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Dabei geht es vor allem um Positionierung und Navigation innerhalb von Gebäuden ("Indoor").

Das Projekt zielt auf eine grundlegend neue Entwicklung: Bisherige Lösungen basieren darauf, dass die Endgeräte periodisch Positionsdaten an einen Server senden, auch wenn sich der Nutzer und damit das Endgerät gar nicht bewegt. Die LMU-Informatiker ordnen dagegen den Nutzern Kreise zu, entsprechend vorgegebenen Anfragen und dem Bewegungsverhalten der zu überwachenden Personen oder Objekte.

Das Endgerät meldet sich erst dann beim Server, wenn der Nutzer seinen Kreis verlässt. Diese Methode ist effektiver und kostengünstiger, weil nur im Falle einer Bewegung die Standortdaten an den Server gesendet werden und auch dann erst Kosten entstehen. Am besten funktioniert diese Technik mit GPS-gestützten Endgeräten - und spannend wird es vor den neuen Herausforderungen eines Galileo-Moduls und der Hinzunahme von Orten innerhalb von Gebäuden. Denn in großen Bauwerken kommt es besonders auf die architektonischen und ausstattungstechnischen Gegebenheiten an, die zu unterschiedlichsten Abschattungen und Reflektionen führen. Die Technik geht auf Forschungsarbeiten des Lehrstuhls für Mobile und Verteilte Systeme zurück, die in den vergangenen fünf Jahren international in hochkarätigen Journals veröffentlicht wurden und zu zahlreichen Dissertationen, einer Habilitation und Patentanmeldungen geführt haben.

Ziel des "Indoor"-Projekts ist es, Algorithmen zu verbessern, um zur Steigerung der Energie- und Kosteneffizienz von Anwendungen der sogenannten Location Based Services beizutragen. Es sollen Lokalisierungsalgorithmen für Indoor-Anwendungen weiter entwickelt und existierende Plattformen und Konzepte technisch evaluiert und eine Nutzerstudie durchgeführt werden.

Bei der Umsetzung des Projekts stehen die Wissenschaftler vor besonderen Herausforderungen, denn innerhalb eines großen Gebäudes ist eine genaue Positionierung um einiges schwieriger zu gewährleisten als unter freiem Himmel. Neben der aufwendigen technischen Umsetzung ergibt sich vor allem ein weiteres Problem: Die sogenannte Semantik von Gebäuden. So kann man beispielsweise dem Grundriss eines großen öffentlichen Gebäudes, auf dem eine Tür eingezeichnet ist, nicht entnehmen, ob diese Tür für jeden offen nutzbar oder beispielsweise nur für Personal oder bestimmte Personengruppen zugänglich ist.

Zusammen mit einer Ausgründung aus dem Lehrstuhl für Mobile und Verteilte Systeme, der Aloqa GmbH, München, sowie einem Hardwareentwickler für Satellitennavigationssysteme, der Ifen GmbH, Poing, soll im Laufe des Projekts ein Prototyp entwickelt werden, der die am Lehrstuhl entwickelten Methoden in einem Hardware-Modul umsetzt. In der Testphase kommt mit der Walt Disney Company, Germany, ein weiterer Partner dazu. Für Disney ist das zu entwickelnde Produkt von Interesse, da es sich möglicherweise für den Einsatz in Freizeitparks eignet.

Mit Galileo soll die Unabhängigkeit der Europäischen Union vom US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) und dem Globalen Navigations-Satelliten-System der Russischen Föderation, GLONASS, erreicht werden. Als gemeinsames Projekt der EU und der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist Galileo zwar mit GPS kompatibel, garantiert aber eine eigenständige und zuverlässige Nutzbarkeit.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Claudia Linnhoff-Popien
Lehrstuhl für Mobile und Verteilte Systeme
Institut für Informatik
Tel.: 089 / 2180-9149
E-Mail: linnhoff@ifi.lmu.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Roboter-Navigation über die Cloud
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Neuer Kaba Zylinder mit Service-Funktion: Zeitlich begrenzter Zutritt für Servicepersonal
07.12.2017 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit