Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Länger selbstständig leben

03.02.2014
Alleinstehende Senioren leben riskant: Nach einem Sturz liegen sie oft mehrere Stunden am Boden, bevor ihre missliche Lage entdeckt wird. Ein Sensorsystem erkennt solche Notsituationen automatisch und alarmiert Angehörige, Nachbarn oder Pfleger.

Herr S. ist sehbeeinträchtigt und seit einem Schlaganfall auf einen Gehstock angewiesen. Dennoch möchte der alleinlebende Siebzigjährige nicht in ein Heim umziehen.



In Sekundenschnelle registriert die Sensorbox die Notsituation und informiert die Alarmeinheit in der Wohnung.
© Fraunhofer IPA

Diesen Wunsch hegen die meisten älteren Menschen. So lange wie möglich wollen sie in den gewohnten vier Wänden bleiben und selbstbestimmt leben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts trifft dies auf 70 Prozent der Senioren zu. Wider besseres Wissen setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel. Denn mit dem Alter nehmen nicht nur Herz- und Kreislaufprobleme zu, auch das Sturzrisiko steigt. Schätzungen zufolge stürzen von den zu Hause lebenden über 65-Jährigen etwa 30 Prozent mindestens einmal jährlich. Bei den über 80-Jährigen sind es mehr als 40 Prozent.

Viele der Unfälle passieren bei der täglichen Hausarbeit. Aber auch nachts verunglücken ältere Menschen, die wackelig auf den Beinen sind, häufig. Oft dauert es Stunden, bis den Betroffenen geholfen wird. Einen Hausnotruf, auch Funkfinger genannt, können sie nicht immer auslösen – weil sie das Gerät nicht bei sich tragen, bewusstlos oder verletzt sind. Ein solcher Alarm hilft also nur bedingt, ebenso wie am Körper getragene Sensoren. Diese reagieren mitunter schon auf schnelle Handbewegungen und sind daher besonders anfällig für Fehlalarme. Im Boden eingebaute Sensoren erkennen zwar Notfälle, sie lassen sich jedoch nur mit einem hohen baulichen und finanziellen Aufwand installieren.

Wartungsfreies und preiswertes Notfallsystem

Wirklich hilfreich wäre ein wartungsfreies System, das Notlagen automatisch erkennt und sich preiswert in jede Wohnung integrieren ließe, ohne den Bewohner in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken. Eine solche Lösung, die für Sicherheit in jedem Zimmer sorgt, entwickeln derzeit Forscher am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA mit safe@home. Projektpartner sind die BruderhausDiakonie in Reutlingen sowie die Vitracom GmbH und die Sikom GmbH. Sensorboxen, die ähnlich wie Rauchmelder an der Decke installiert werden, registrieren, wenn eine Person stürzt oder Hilfe benötigt. Erkennt eine Box eine Notsituation, so informiert sie die Alarmeinheit in der Wohnung, die CareBox. Diese ruft unverzüglich Helfer herbei – per Telefon, Handy oder Internet.

Das System arbeitet mit optischen und akustischen Hochleistungssensoren, die Position und Lage einer Person sowie ihre Bewegungen innerhalb eines Raums ermitteln. Anhand dieser Werte erkennt die Technologie binnen Sekunden Stürze und identifiziert Reglosigkeit, wenn es über einen bestimmten Zeitraum keine Bewegungen mehr feststellt. Auch auf Hilferufe reagiert das System.

»Um einen Fehlalarm auszuschließen, wird der Bewohner zunächst von der CareBox angerufen. Eine Computer-Stimme fragt ihn nach seinem Befinden. Indem er antwortet, löscht er den Alarm. Nimmt er den Anruf nicht entgegen, identifiziert safe@home den Notruf als solchen«, erläutert Marius Pflüger, Wissenschaftler am IPA in Stuttgart. In diesem Fall werden Angehörige, Nachbarn oder Pflegekräfte informiert.

»Die Sensorboxen von der Größe einer Pralinenschachtel arbeiten unauffällig und automatisch. Akkuwechsel, Aktivieren von Hardware – all dies ist nicht erforderlich. Auch die Privatsphäre wird gewahrt, da die Daten direkt im Sensor ausgewertet und somit weder gespeichert noch übertragen werden müssen«, sagt Pflüger.

Seit Mitte 2012 werden Prototypen der Notfallerkennung in sechs Wohnungen in betreuten Anlagen im 24-Stundenbetrieb auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Um statistisch signifikante Detektionsraten ermitteln zu können, wurden zusätzlich zum Normalbetrieb Notfallsituationen simuliert. Bislang nehmen die Probanden das System positiv an, sie empfinden die Sensorboxen nicht als störend. Vielmehr erfüllen sie ihr Kernbedürfnis nach Sicherheit. Als nützlich bewerten die Senioren die automatische Alarmüberprüfung. »Ein Grund für die hohe Akzeptanz sind die umfangreichen Interviews, die wir im Vorfeld mit potenziellen Nutzern durchgeführt haben, um herauszufinden, worauf sie bei der Installation eines Sturzerkennungssystems Wert legen«, sagt Pflüger. Am wichtigsten war den Befragten, dass dieses in jedem Raum und jeder Alltagssituation zuverlässig funktioniert und in jede Art von Wohnraum integriert werden kann. Auch wünschen die Befragten möglichst wenig Kontakt mit der Technik.

Safe@home soll Ende 2014 marktreif sein. Pflüger und sein Team gehen von einer hohen Nachfrage aus. Bereits heute leben mehr als 5,4 Millionen Menschen in Deutschland im Alter über 60 in Singlehaushalten. Bis 2030 werden 33 Prozent der Bevölkerung hierzulande über 65 Jahre alt sein.

Marius Pflüger | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/Februar/laenger-selbststaendig-leben.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive