Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Internetwelt des Vertrauens

04.11.2008
An der Hochschule Esslingen haben sich Computerfans zu einem Keysigning-Event getroffen - sie haben sich ihre E-Mail-Verschlüsselungscodes gegenseitig bestätigt. Ganz real.

Es ist schon dunkel in der Stadt. In den Vorlesungsräumen der Hochschule Esslingen ist an diesem Abend nicht mehr viel los. In einem Hörsaal brennt noch Licht: Gut zwei Duzend Computerfreaks sitzen hier. Einige lesen ein Buch, ein paar blättern in einer Zeitschrift. Andere vergleichen die langen Zahlen an der Tafel mit denen, die auf ihrem Blatt vor sich stehen.

Die Teilnehmer des Keysigning-Events an der Hochschule Esslingen warten geduldig auf den Startschuss. "Nur noch ein paar Minuten", sagt Fabian Fingerle in die Runde - es fehlen noch einige Teilnehmer, die einen etwas weiteren Weg über die Autobahn nach Esslingen haben. Der Informationstechnik-Student hat diese "Party" organisiert, die eigentlich keine ist. Denn im Raum haben alle etwas gemeinsam: Sie wollen das "Web of Trust", das Internet des Vertrauens mitgestalten. Dazu haben sie sich und ihre E-Mail-Adressen auf einem öffentlichen Server registriert und einen persönlichen Schlüssel erhalten - und genau diesen, vereinfacht erklärt, wollen sie nun an diesem Abend bestätigen.

Man mag es kaum glauben, aber es ist nicht der anschließende Fachvortrag, auch nicht unbedingt die Party in der Studentenkneipe danach, warum die Teilnehmer nach Esslingen an die Hochschule gekommen sind. Sie wollen sich kennen lernen - obwohl das eigentlich schon zu viel ist. Vielleicht holt man sich den einen oder anderen Tipp für die Computerwelt bei den Gleichgesinnten. Aber das wichtigste ist: Den "Key", den Schlüssel des anderen, zu verifizieren. Nach einer Weile geht es los. "Wir haben den Beginn des Events in den Abend verschoben", sagt Prof. Reinhard Schmid, Prodekan der Fakultät Informationstechnik. Denn viele haben ja einen weiten Weg, wir erinnern uns.

Das, für das sie auch mehr als eine Stunde unterwegs waren dauert dann nur einige Minuten. Die Teilnehmer zeigen sich gegenseitig den Schlüssel ihrer E-Mail-Signatur und den Personalausweis oder Reisepass. Die Dokumente werden genau angeschaut. Ist er noch gültig? Ist es der junge Mann mit den langen Haaren, der auf dem Bild noch eine Brille trägt? Er ist es. Es gibt ihn wirklich, den Mann, den wir bislang nur per E-Mail-Adresse kannten. Später, zu Hause, wird dann der Schlüssel wieder online bestätigt. Dem Mann mit den langen Haaren können wir vertrauen. Dann ist der offizielle Teil des "Keysigning"-Events vorbei. Die Teilnehmer gehen auseinander. Das war's, die Schlüssel sind verifiziert. Das Internet ein Stück gerechter geworden. Denn auch wenn die meisten Teilnehmer sicher nicht so streng vertrauliche Daten über das Internet per E-Mail verschicken: Es geht ums Prinzip.

"Es ist leider immer noch zu wenig bekannt, wie unsicher die Daten übertragen werden", berichtet Prof. Reinhard Schmidt. Wären alle Nachrichten in dieser Form verschlüsselt, sagt der Kryptologie-Experte, dann hätten die Geheimdienste in der Welt schlechte Karten. Denn sonst müssten die Agenten bei jeder Keysigning-Party in der Welt Schlüssel sammeln - und das bedeutet ganz schönen Aufwand. Student Fabian Fingerle indes reist bereits seit einigen Jahren umher und besucht Keysigning-Partys. Diese finden oft an Hochschulen oder am Rande von Computer-Messen statt. Dort wo die Gleichgesinnten eben sind: Im Kampf für eine Internetwelt des Vertrauens.

Cornelia Mack | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-esslingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie