Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flughafen, Krankenhaus, Wohnanlage: Universität Hohenheim startet Praxistest Cloud Computing

06.03.2012
Stuttgart als Testregion: Forschungsprojekt MIGRATE! will Stromrechnung durch vernetzte Computer drücken / 1,2 Millionen Euro Fördersumme

Sie sind überall: Computer an Arbeitsplätzen, in Wohnungen und unterwegs. Und dank schierer Anzahl mausern sie sich zunehmend zu Stromfressern. Doch Wirtschaftsinformatiker der Universität Hohenheim sehen auch enorme Einsparmöglichkeiten.

Wenn Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und private Nutzer Teile der Computer-Leistung zentralisieren, verbraucht der Einzelne weniger Strom. Wie das geht, untersucht das Forschungsprojekt MIGRATE! in drei großangelegten Feldversuchen. Mit 1,2 Millionen Euro Fördersumme vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gehört das Projekt zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Computer durchdringen immer weiter die Arbeits- und Lebenswelt. Die Zahl der IT-Geräte in Unternehmen und Privathaushalten steigt rasant an. „Oft merken wir es gar nicht“, gibt Prof. Dr. Stefan Kirn zu bedenken, „aber IT steckt heute auch in Geräten, von denen wir es überhaupt nicht erwarten, zum Beispiel in der Waschmaschine oder in der Heizung.“
In den nächsten 10 Jahren wird der gesamte IT-Stromverbrauch in Unternehmen und Privathaushalten noch einmal jeweils um 16% zunehmen, trotz aller Verbesserungen durch energiesparende Chips und Elektronik. „Bei weiter steigenden Strompreisen wird der IT-Stromverbrauch zunehmend zu einem Kostenthema für Unternehmen, aber auch für Privathaushalte. Hinzu kommen die durch IT verursachten CO2-Emissionen“, so Prof. Dr. Kirn.

Riesige Datenmengen zentralisieren
Stromsparen heißt Zentralisieren – so lässt sich der zentrale Gedanke des Forschungsprojekts MIGRATE! auf den Punkt bringen. „Wenn wir einen Computer nutzen, dann wird Strom für drei Aufgaben verbraucht: das Speichern von Daten, das Rechnen mit Daten und die Übertragung von Daten an andere Geräte“, erklärt Projektleiter Dr. Jörg Leukel.
Hier setzt das Konzept der Wirtschaftsinformatiker an. Denn die ersten beiden Aufgaben könnte der Zentralrechner einer Cloud übernehmen. Der Vorteil solcher Zentralrechner ist, dass sie wesentlich energieeffizienter als Minicomputer arbeiten. Dies gelingt ihnen, in dem sie viele Einzelaufgaben zusammenführen und so ihre IT-Ressourcen besser auslasten. Minicomputer arbeiten oft in einem unteren Lastbereich, der mehr Energie pro Rechenleistung verbraucht.

Praxistest am Flughafen, im Krankenhaus und im Hochhaus
Diese Idee ist auch für den Stuttgarter Flughafen interessant. Denn der ist im Prinzip ein Gewerbegebiet, auf dem sich etwa 150 Unternehmen niedergelassen haben. „Alle diese Unternehmen beziehen Wasser, Strom und Sicherheitstechnik vom Flughafen – und sie haben alle ihre eigene Datenverarbeitung mit vielen lokalen Computern“, sagt Prof. Dr. Kirn. Der Flughafen will deshalb in Zukunft mit einer Cloud Energie sparen.
Eine Unmenge an IT-Systemen gibt es auch im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus. Denn auch im Gesundheitswesen wird immer mehr digitalisiert – von der Notaufnahme über das Bettenmanagement bis zur Medikamentenausgabe. „Die IT in Krankenhäusern wächst ständig, und damit auch der Energieverbrauch. Dies ist bereits ein Thema für die Geschäftsführung geworden“, sagt Dr. Leukel.
In einer Großwohnsiedlung in Fellbach bei Stuttgart führt Dr. Leukel ein weiteres Experiment durch: „Wir untersuchen, wie durch konsequente Nutzung sehr kleiner, aber über die Cloud vernetzter Computer der einzelne Wohnungsnutzer seinen Energieverbrauch senken kann“, erklärt er. Im privaten spielen Datenschutz und –sicherheit, wie auch in Unternehmen, eine große Rolle. Daher arbeiten die Wirtschaftsinformatiker eng mit IT-Rechtsexperten und Konsumforschern zusammen.

Dr. Leukel will mit MIGRATE! nicht nur die Einsparmöglichkeiten durch sogenannte Clouds ergründen. Zum Projekt gehört es auch, Verfahren und Software-Werkzeuge für die Umstellung auf Cloud-basierte Lösungen zu entwickeln.
Dazu gehören zum Beispiel eine generelle Blaupause, wie sich Cloud-Projekte umsetzen lassen. Ein Ergebnis sollen auch konkrete Geschäftsmodelle sein. Und ein Leitfaden, mit dem zum Beispiel IT-Abteilungen in Unternehmen berechnen können, ob sich eine Cloud rechnet.

Hintergrund: Forschungsprojekt MIGRATE!
Mit 3,17 Millionen Euro fördert das Bundeswirtschaftsministerium das „Forschungsprojekt Modelle, Verfahren und Werkzeuge für die Migration in Cloud-basierte energieoptimierte Anwenderinfrastrukturen und deren Management“, kurz: MIGRATE!. Davon fließen 1,2 Millionen Euro an die Universität Hohenheim. Der Rest geht an die Projektpartner. Dazu gehören in der Region neben der Universität Stuttgart und dem IBM-Forschungslabor in Böblingen vor allem auch die Anwendungspartner Robert-Bosch-Krankenhaus, der Flughafen Stuttgart und die Wohnungsbaugesellschaft Fellbach.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Fast 31 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2010 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens einer viertel Million Euro bzw. 125.000 Euro in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Text: Weik / Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Echtzeit-Daten für die intelligente Elektromobilität
26.08.2015 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Neue App hilft beim Benzinsparen
26.08.2015 | Universität Augsburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke, aber zeitlich begrenzte Temperaturabkühlungen unter der Lupe

Grosse Vulkanausbrüche schleudern beträchtliche Mengen an Schwefeldioxid in die Atmosphäre, die sich in Aerosole umwandeln, in der Stratosphäre verteilen, dort einen Teil der Sonneneinstrahlung blockieren und so die Erdoberfläche für einige Jahre abkühlen.

Ein internationales Forscherteam mit Berner Beteiligung hat nun dank der Kombination von Jahrringuntersuchungen an Bäumen und Klimamodellen einen Ansatz...

Im Focus: Elektrofahrzeuge kabellos laden und entladen

Über ein kabelloses Ladesystem können Elektroautos künftig nicht nur tanken, sondern die Energie ins Stromnetz zurückspeisen. Auf diese Weise helfen sie das Netz zu stabilisieren. Das kostengünstige Ladesystem erreicht hohe Wirkungsgrade – über den vollen Leistungsbereich von 400 Watt bis 3,6 Kilowatt. Die Abstände zwischen Auto und Ladespule können bis zu 20 Zentimeter be- tragen. Auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt stellen Fraunhofer-Forscher den Prototyp vom 15. bis 18. September 2015 vor (Halle 4, Stand D33).

Es regnet in Strömen. Wer jetzt ein dickes unhandliches Kabel zwischen Elektrofahrzeug und Ladesäule einstecken muss, wird patschnass. Doch es nützt nichts,...

Im Focus: Increasingly severe disturbances weaken world's temperate forests

Longer, more severe, and hotter droughts and a myriad of other threats, including diseases and more extensive and severe wildfires, are threatening to transform some of the world's temperate forests, a new study published in Science has found. Without informed management, some forests could convert to shrublands or grasslands within the coming decades.

"While we have been trying to manage for resilience of 20th century conditions, we realize now that we must prepare for transformations and attempt to ease...

Im Focus: Meeresinseln als Heimat einmaliger Pflanzenarten

Warum leben in manchen Ökosystemen auffallend viele, in anderen Ökosystemen nur wenige Pflanzenarten? Wie kommt es, dass einige Arten jeweils nur in einer bestimmten, klar abgrenzbaren Region der Erde zuhause sind? Mit diesen Fragen hat sich Dr. Manuel Steinbauer in einer Reihe wissenschaftlicher Studien an der Universität Bayreuth befasst. Für seine Forschungsarbeiten wird der Bayreuther Ökologe, der zurzeit als Postdoc an der dänischen Universität Aarhus forscht, mit dem diesjährigen Wilhelm Pfeffer-Preis der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) ausgezeichnet. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Wenn es darum geht, den Gründen für die Verbreitung pflanzlicher Arten auf die Spur zu kommen und theoretische Erklärungsansätze zu überprüfen, sind...

Im Focus: OU astrophysicist and collaborators find supermassive black holes in quasar nearest Earth

A University of Oklahoma astrophysicist and his Chinese collaborator have found two supermassive black holes in Markarian 231, the nearest quasar to Earth, using observations from NASA's Hubble Space Telescope.

The discovery of two supermassive black holes--one larger one and a second, smaller one--are evidence of a binary black hole and suggests that supermassive...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Ökologenkonferenz zeigt Wege in eine nachhaltige Zukunft auf

01.09.2015 | Veranstaltungen

Frankfurter Hochhausfassadentage 2015: Frankfurt UAS veranstaltet Symposium und Hochhausführung

31.08.2015 | Veranstaltungen

Erreger unter Superlupen – Aufbruch in unsichtbare Welten

31.08.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Forschungsschwerpunkt zum Upgrade des Large Hadron Colliders

01.09.2015 | Förderungen Preise

„Dreh Dein Bild der Informatik“: Videopreis 2015 ausgeschrieben

01.09.2015 | Förderungen Preise

Fraunhofer IWM präsentiert Lösungen für Leichtbau auf der Composites Europe

01.09.2015 | Messenachrichten