Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elfter Satellit ins Weltall gestartet

23.06.2016

BEESAT-4 als Nutzlast an Bord des DLR-Satelliten BIROS

Der an der Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme der TU Berlin unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Klaus Brieß entwickelte und gebaute Picosatellit BEESAT-4 (Berlin Experimental and Educational Satellite) ist am 22. Juni 2016 um 5:56 Uhr MESZ erfolgreich vom indischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan Space Centre auf der Insel Sriharikota gestartet. Eine Trägerrakete vom Typ PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) brachte den Satelliten innerhalb von 17 Minuten in einen sonnensynchronen Orbit in 516 Kilometern Höhe. Es ist bereits der elfte Satellit, den die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin in den Orbit bringen.


Picosatellit BEESAT-4

© Institut für Luft- und Raumfahrttechnik

BEESAT-4 ist in einem speziellen Container in den Satelliten BIROS (Bispectral InfraRed Optical System) des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) integriert. BIROS wurde 18 Minuten nach dem Start von der Trägerrakete separiert und konnte über die Bodenstation O`Higgins in der Antarktis um zirka 6:20 Uhr MESZ kontaktiert werden.

Der Auswurf von BEESAT-4 ist in den kommenden sechs bis acht Wochen geplant. Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin werden dann vom fachgebietseigenen Raumflugkontrollzentrum in Berlin-Charlottenburg Kontakt mit dem Picosatelliten aufnehmen. Der gesamte Satellitenbetrieb erfolgt ebenfalls von dort.

Projektleiter Dipl.-Ing. Sascha Weiß erklärt, was nach dem Auswurf passieren wird: „Sobald BEESAT-4 im Orbit kreist, wird er uns seine Telemetrie-Daten wie beispielsweise Ströme, Spannungen, Temperaturen, Drehraten sowie Ein- und Aus-Zustände senden. Insgesamt erhebt der Satellit etwa 1500 Parameter. Wir werden ungefähr eine Woche benötigen, um alle Systeme zu überprüfen und die Funktionstests abzuschließen.“

Anschließend wird das Team die sogenannten Nutzlastdaten aus dem Speicher des Satelliten zur Bodenstation übertragen. Dazu zählen auch die Daten des integrierten GPS-Empfängers Phoenix. Das primäre Missionsziel ist dabei die präzise Positions- und Orbitbestimmung mithilfe des Empfängers. „Die möglichst konkrete Kenntnis der Position eines Satelliten mit einer Genauigkeit von bis zu zehn Metern ist Voraussetzung für Formationsflüge mehrerer Satelliten“, so Weiß. „Die bisherigen zur Verfügung gestellten Bahnelemente erlauben aber nur eine Genauigkeit im Bereich zwischen einem Kilometer und drei Kilometern.“

Formationsflüge bieten vor allem in der Klasse der Picosatelliten den Vorteil, dass Funktionen auf verschiedene Satelliten aufgeteilt werden können. Mehrere Satelliten ermöglichen außerdem längere Überflugzeiten über die Bodenstationen zur Kommandierung und Übertragung von Telemetrie- und Nutzlastdaten. Gebiete von großem Interesse können zudem mehrfach überflogen werden. BEESAT-4 wird außerdem über eine Satellitenfunkverbindung mit dem DLR-Satelliten BIROS kommunizieren, sodass sich
zusätzliche Möglichkeiten des Datenaustauschs und der Kommandierung des Satelliten ergeben.

Über BEESAT-4

Der Picosatellit BEESAT-4 entspricht der 1999 entwickelten CubeSat-Spezifikation mit einer Gesamtmasse von einem Kilogramm und einer Kantenlänge von zehn Zentimetern. Er ist mit fehlertoleranten Subsystemen ausgestattet: Der Bordcomputer, die Batterien, das Kommunikationssystem sowie alle zur Lagebestimmung benötigten Sensoren sind redundant ausgeführt, um bei einem Ausfall eines Subsystems den Satelliten ohne Einschränkungen weiter betreiben zu können. Als weitere Nutzlast ist eine Kamera an Bord, die Fotoserien oder Einzelbilder aufnehmen soll. Die Entwicklung des Satelliten wurde Anfang 2013 begonnen, wobei auf das Wissen und die Arbeiten zu den bisherigen BEESAT-Missionen zurückgegriffen werden konnte und so der Großteil der Arbeit in die komplexe Software floss. Mit der Entwicklung und dem Betrieb von BEESAT konnte das Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin die Praxisnähe seiner studentischen Ausbildung weiter ausbauen. Zahlreiche Studierende waren an der Konstruktion beteiligt und haben im Rahmen der Mission ihre Abschlussarbeiten geschrieben.

Weitere Satellitenprojekte

Der Start von BEESAT-4 als elftes Produkt der Flotte setzt die lange Tradition von Satelliten der TU Berlin fort. Bereits im Jahr 1991 wurde mit TUBSAT-A der erste mit Studierenden gebaute Satellit erfolgreich gestartet. Im kommenden Jahr sind weitere Satellitenstarts geplant. So soll Technosat, ein Satellit mit einer Masse von 20 Kilogramm, in den Orbit gebracht werden und dort Technologien erproben sowie für den Weltraum qualifizieren. Außerdem wird in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit S-Net eine Konstellation von vier Satelliten gestartet, die ein Datennetzwerk im Orbit testen sollen. Mit den Satellitenprojekten werden einerseits neueste Technologien in der Raumfahrt erprobt und ingenieurwissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen und andererseits Studierende modern und praxisnah für den Beruf des Luft- und Raumfahrtingenieurs ausgebildet.

Fotomaterial zum Download
www.tu-berlin.de/?173385

Projektwebseite
www.tu-berlin.de/?134506

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
Prof. Dr.-Ing. Klaus Brieß
TU Berlin
Institut für Luft- und Raumfahrt
Tel.: 030 314-21339
E-Mail: klaus.briess@tu-berlin.de

Dipl.-Ing. Sascha Weiß
TU Berlin
Institut für Luft- und Raumfahrt
Tel.: 030 314-79464
E-Mail: sascha.weiss@ilr.tu-berlin.de

Weitere Informationen:

http://www.tu-berlin.de/?173385
http://www.tu-berlin.de/?134506

Stefanie Terp | Technische Universität Berlin
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt MESZ Orbit Picosatellit Raumfahrt Satellit Trägerrakete Weltall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie