Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Eins mit 18 Nullen – Projekt zur Langzeitarchivierung medizinischer Forschungsdaten gestartet

15.06.2011
Das Speichervolumen medizinischer Forschungsdaten ist gigantisch. Wie man sie langfristig sinnvoll archivieren kann, untersucht ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt.

Daten sind der wichtigste „Rohstoff“ der biomedizinischen Forschung: ihre Auswertung und Analyse ermöglicht beispielsweise die Entwicklung besserer Arzneimittel und Therapien und trägt somit maßgeblich besseren Behandlungsmöglichkeiten und größeren Heilungschancen bei. Die Daten sollten deshalb für eine langfristige Nutzung und unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen zur Verfügung stehen.

Zielrichtung des am 1. Juni 2011 unter Federführung von Prof. Dr. Otto Rienhoff, Abteilung Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen, gestarteten Projekts LABIMI/F, an dem auch die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) mitarbeiten, ist die Entwicklung effektiver Lösungen für die Nachnutzung archivierter Forschungsdaten.

„Bislang liegen für viele Bereiche der Datenarchivierung in der medizinischen Forschung weder einheitliche Archivierungserfordernisse noch bereits implementierte Daten- und Objektformate vor“, so Frank Dickmann von der Universitätsmedizin Göttingen beim Kickoff-Workshop des Projekts, der am 9. Juni 2011 bei der TMF in Berlin stattfand. Da man es jedoch Dickmann zufolge bei der Langzeitarchivierung medizinischer Forschungsdaten mit Volumina in der Größenordnung von Exabytes* (ein Exabyte entspricht einer 1 mit 18 Nullen) zu tun hat, sind neben gigantischen physischen Datenspeichern, die eine sichere Verwahrung und einen schnellen Zugriff auf die Daten ermöglichen, auch sehr gute Datenbeschreibungen, Regelungen zum datenschutzgerechten Zugriff und zur bestehende Rechte wahrenden Datennutzung sowie effektive Zugangswege nötig.

Anhand von zwei besonders datenintensiven Nutzungsfällen, den Bilddaten des Universitätsklinikums Magdeburg und den Genomdaten des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, sollen in dem Projekt speziell die Aspekte Metadaten und Formatstandard für die biomedizinische Forschung adressiert werden. Denn die Interpretation von archivierten Forschungsdaten kann später schwierig oder gar unmöglich werden, wenn Forscher keine einheitlichen Datenformate und eindeutige Datenbeschreibungen verwenden.

Auch der physische Zugriff auf die Daten soll vereinfacht werden. Da Wissenschaftler häufig in Forschungsverbünden, interdisziplinär und an verteilten Standorten arbeiten, wird im Projekt eine Laborlösung mit vorhandener Grid-Technologie implementiert, die einen sinnvoll organisierten, offenen und nutzerfreundlichen Zugang zu archivierten Forschungsdaten schaffen soll. Darüber hinaus befasst sich das Projekt mit der Entwicklung von organisatorischen und finanziellen Betriebskonzepten, die die langfristige Finanzierung von elektronischen Langzeitarchiven sichern sollen.

* Der US-amerikanische Medizininformatiker Barry Robson prognostizierte 2009 nur für die medizinische Bildgebung weltweit ein Aufkommen von 150 Petabyte pro Jahr (Barry Robson, „The engines of Hippocrates, John Wiley & Sons Inc., 2009, S.17). Archiviert man solche Datenmengen über mehrere Jahre, gelangt man sehr bald in Größenordnungen von Exabytes an zu archivierenden Daten.

Weitere Informationen:

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10466-11.pdf
Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu Informationsinfrastrukturen
(Januar 2011).
http://www.mckinsey.com/mgi/publications/big_data/index.asp Studie zum Thema "Big Data" (Mai 2011).

Beate Achilles | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10466-11.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Analyse komplexer Biosysteme mittels High-Performance-Computing
13.12.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Roboter-Navigation über die Cloud
11.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften