Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein-Dollar-Handschuh ermöglicht Gestensteuerung

25.05.2010
MIT-Informatiker setzen auf buntes Elastan und herkömmliche Webcam

Informatiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben ein System entwickelt, das eine besonders kostengünstige Gestensteuerung für Computer verspricht. Denn neben einer einfachen Webcam, wie sie heute oft schon zur Standardausstattung von Systemen gehört, ist als Hardware lediglich einen bunter Elastan-Handschuh erforderlich. Dieser kann um etwa einen Dollar gefertigt werden.


Buntes Elastan: Der billige Weg zu Gestensteuerung (Foto: Jason Dorfman/CSAIL)

Beachtlich ist die Genauigkeit des Systems. "Es erfasst die dreidiemnsionale Konfiguration von Hand und Fingern", sagt Robert Wang, Doktorand am MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory. Er nennt Games als ein offensichtliches Anwendungsgebiet. Allerdings git es dabei einige Hürden zu überwinden.

Eine Frage der Bequemlichkeit

Grundsätzlich sei die MIT-Entwicklung interessant, meint Anton Nijholt, Leiter des Fachbereichs Human Media Interaction an der University of Twente. "Die Frage ist, ob Spielefans solche Handschuhe auch tragen würden. Sie mehr als 30 Minuten anzuhaben, wäre wohl irritierend", so der Informatiker gegenüber pressetext. Allerdings habe man das auch bei Headsets gedacht. Diese gehören heute für viele Online-Gamer, die per TeamSpeak mit Spielpartnern kommunizieren, zur Standardausrüstung.

Allerdings bleibt die Frage, wie groß der potenzielle Markt ist. Diesbezüglich gibt sich Hans Solar, Lehrgangsleiter am Wiener Games College http://www.games-college.at , gegenüber pressetext skeptisch. "Aktuell steht Project Natal von Microsoft in den Startlöchern, das ganz ohne technische Hilfsmittel am Körper auskommt", erklärt er. Ferner sei Gestensteuerung für Genres wie Rennspiele oder Ego-Shooter nicht optimal. Freilich ist das System für andere Anwendungsbereiche interessant. Dem MIT-Team schweben beispielsweise Ingenieure und Designer vor, die leicht mit virtuellen 3D-Modellen hantieren könten.

Viele kleine Bilder

Technisch setzt die MIT-Entwicklung darauf, aus dem Webcam-Bild einen Ausschnitt mit den Handschuhen zu extrahieren und mittels Spezial-Software auf 40 mal 40 Pixel zu komprimieren. Der Ausschnitt wird dann mit einer Bilddatenbank diverser Handpositionen verglichen. Eine eindeutige Zuordnung wird möglich, da die Handschuhe 20 unregelmäßige Flächen in insgesamt zehn Farben haben, und erfolgt in Sekundenbruchteilen. Dass eine Vergleichs-Bilddatenbank von mehreren hundert Megabyte nötig ist, sei aufgrund immer größer werdender Arbeitsspeicher kein Problem, so Wang.

Dem stimmen Solar und Nijholt grundsätzlich zu. Für den Informatiker ist eher die Frage, ob die Extraktion des richtigen Bildbereichs auch außerhalb eines Labors zuverlässig funktioniert. "Das ist bei komplexen, dynamischen Hintergründen nicht leicht", betont er. Nijholt glaubt durchaus, dass die MIT-Entwicklung mit dem richtigen Zugang auch für Games interessant ist. "Man darf aber nicht nur überlegen, wie existierende Spiele so ein Tool nutzen könnten. Besser wäre, neuartige Games zu entwickeln, bei denen es auch Spaß macht, so einen Handschuh zu tragen", meint er abschließend.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.csail.mit.edu
http://www.teamspeak.com
http://hmi.ewi.utwente.nl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Europäisches Konsortium baut effizientestes Rechenzentrum der Welt
22.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Geheime Datensammler auf dem Smartphone enttarnen
21.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Autonomes Fahren – und dann?

22.11.2017 | Verkehr Logistik

Material mit vielversprechenden Eigenschaften

22.11.2017 | Materialwissenschaften

Forscherteam am IST Austria definiert Funktion eines rätselhaften Synapsen-Proteins

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie