Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CIMPLEX – Mit dem Smartphone gegen Epidemien

03.09.2015

EU-Projekt entwickelt neuartige Werkzeuge zur Kommunikation und Entscheidungsunterstützung in Krisenfällen

Ebola, Schweinegrippe, MERS. Seuchen und Epidemien sind - heute wahrscheinlich mehr denn je - ein internationales Problem. Ihr Verlauf ist komplex und nur schwer vorhersehbar. Nicht nur die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, wie bedeutend eine schnelle Reaktion für die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen ist.

Neue Kommunikationstechnologien, die auf sozialen Netzwerken und Smartphones basieren, können helfen die dafür notwendigen Informationen zu liefern und zu verknüpfen. Im europäischen Forschungsprojekt CIMPLEX (Bringing Citizens, Models and Data together in Participatory, Interactive Social Exploratories) wird ein solches neuartiges System entwickelt.

Ein Ziel des Projektes ist es, die Kommunikation mit den Betroffenen zu verbessern und gleichzeitig Endscheidungshilfen für ein effektives und zielgerichtetes Katastrophenmanagement zu liefern. Dabei ist es elementar, von Anfang an ein umfassendes und aktuelles Bild von der Krisensituation vor Ort zu gewinnen, die Lage zu analysieren und die notwendigen Maßnahmen schnell und zielgerichtet zu kommunizieren.

CIMPLEX kombiniert dazu Informationen aus verschiedensten Quellen, wie beispielsweise sozialen Netzwerken, Sensordaten von Mobiltelefonen, dem sozialen und wirtschaftlichen Umfeld oder die Erfahrungen und Meinungen von Augenzeugen. Die zu entwickelnden Werkzeuge und Computermodelle sollen Entscheidungsträger und Bürger in Echtzeit informieren und sie bei der Bekämpfung unterstützen. Ergänzt wird das System durch neue Entwicklungen zur Simulation und Visualisierung der Informationen.

„Die Informationsplattform von CIMPLEX ist ein partizipatives System, das neue Wege geht, um im Krisenfall Augenzeugenberichte und Einschätzungen von betroffenen Bürgern, Daten und Computermodelle miteinander zu vernetzen und die benötigten Informationen in Echtzeit zu sammeln und analysieren“, so Prof. Paul Lukowicz, Leiter des Forschungsbereichs Eingebettete Intelligenz am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, der das Projekt leitet.

„Dazu ist es wichtig, besonders die Bürger als Anwender der neuen Technologien zu gewinnen. Neben der notwendigen Überzeugungsarbeit müssen die Entwicklungen von CIMPLEX deshalb einfach zu bedienen und auch für Laien verständlich sein“, beschreibt Lukowicz weitere Anforderungen an das System, das sich auch auf andere Katastrophenszenarien als das einer Epidemie oder Pandemie adaptieren lässt.

Die Wissenschaftler entwickeln effektive datengestützte Werkzeuge zur Datenmodellierung sowie die neue Plattform für den interaktiven Austausch aller Beteiligten. Anwenderstudien sollen zudem die einfache Bedienung, Verständlichkeit und Effektivität der neuen Interaktionsmodelle sicherstellen.

Um die sozialen und strategischen Ziele des Projekts zu erreichen, werden fundamental neue Methoden entwickelt, die Bürger zur Teilnahme bei der Gewinnung wichtiger Daten und Informationen motivieren. Die langjährige Erfahrung des DFKI im Bereich des Crowd Sourcing für die Krisen- und Notfallplanung ist neben der Kompetenz bei der Analyse von großen Datenmengen - Big Data - hierfür eine wichtige Grundlage.

CIMPLEX wird bis Ende Dezember 2017 von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Horizon 2020 mit insgesamt über fünf Millionen Euro gefördert. Neben dem DFKI als Konsortialführer sind die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich/Schweiz, die Universität Stuttgart/Deutschland, das University College London/England, die Central European University/Ungarn sowie die italienischen Partner Fondazione Istituto per L’Interscambio Scientifico, Consiglio Nazionale delle Ricerche und Fondazione Bruno Kessler an dem Projekt beteiligt.

Weitere Informationen:

http://www.dfki.de/web/aktuelles Link zur Pressemitteilung auf www.dfki.de 
http://www.cimplex-project.eu Projekt-Homepage CIMPLEX
http://www.dfki.de/ei DFKI Forschungsbereich Eingebettete Intelligenz

Christian Heyer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie