Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chip-Revolution: Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten

18.08.2010
Prozessorarchitektur verspricht 1.000 mal mehr Performance als x86

Das Start-up Lyric Semiconductor hat heute, Dienstag, eine Computer-Revolution in Aussicht gestellt. Denn bei seiner Technologie des "Probability Processing" rechnen Chips nicht mehr nur mit den Bit-Werten 0 und 1, sondern mit Wahrscheinlichkeiten. Damit sind gegenüber x86-Prozessoren von AMD oder Intel Performance-Steigerungen um einen Faktor 1.000 möglich, so das Unternehmen.

Als erste Umsetzung kommt die "Lyric Error Correction" (LEC) für Flash-Speicher auf den Markt. Damit sind dem Spin-out des Massachusetts Institute of Technology zufolge nötige Fehlerkorrekturen deutlich energieeffizienter möglich. Ab 2013 soll mit "GP5" (General-Purpose Programmable Probability Processing Platform) eine Allzweck-Prozessorplattform folgen. Diese verspricht einen Leistungssprung bei Anwendungen von der Websuche bis hin zu Gensequenzierung.

Nur nicht binär

Ein Grundprinzip moderner Computer ist, dass Daten binär in einer Abfolge von Nullen und Einsen gespeichert und von booleschen Logikgattern verarbeitet werden. Lyric hat nun nach eigenen Angaben einen neuartigen Logikschaltkreis entwickelt, in dem Transistoren eher wie Dimmer als wie Ein-Aus-Schalter fungieren. Dadurch wird es möglich, nicht einfach nur die Bitwerte 0 und 1 zu verarbeiten. Vielmehr rechnet der Schaltkreis mit dazwischen liegenden Werten, also Wahrscheinlichkeiten. Die Lyric-Prozessoren sind zudem darauf ausgelegt, viele derartige Rechnungen parallel auszuführen.

Damit verspricht das Unternehmen eine deutlich gesteigerte Prozessor-Performance gerade bei Anwendungen, bei denen es um Wahrscheinlichkeiten geht. Denn in solchen Fällen sind derzeitige Chips relativ ineffizient, da sie für solche Berechnungen unglaublich viele Einzelschritte benötigen. Das Spektrum potenzieller Einsatzgebiete für die neue Architektur ist groß und reicht von Suchanfragen über Spam-Filter bis hin zu finanzmathematischen Modellen.

Heute Flash, morgen die Computer-Welt

Zunächst will Lyric seine Technologie bei Flash-Speicher zum Einsatz bringen. Denn zirka jedes tausendste Bit wird dort falsch ausgelesen, was aufwendige Fehlerkorrekturen nötig macht. Mit zunehmender Speicherdichte dürfte sich dieses Problem noch verschärfen. Die LEC setzt nun auf das Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten, um die erforderlichen Prozessormodule 30 mal kleiner und zwölf mal energieeffizienter zu machen. Diese Technologie kann laut Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten in Produkte umgesetzt werden.

Es wird noch etwas länger dauern, ehe GP5 verfügbar wird. Erste Produktproben der Plattform mit eigener Programmiersprache sollen ab 2013 ausgeliefert werden. Mit seinen Chips und Programmiermethoden will Lyric dann für Rechenaufgaben wie eben Websuche und Gensequenzierung bis zu 1.000 mal mehr Leistung bieten als x86-Prozessoren.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.lyricsemiconductor.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte
23.10.2017 | Universität Bielefeld

nachricht IT-Sicherheitslücken – Gefahr für die Produktionstechnik
23.10.2017 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie