Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Sehender" Touchscreen reagiert auf Handzeichen

22.10.2007
Forscher integrieren zusätzliche Elektronikschicht mit Infrarotsensoren

US-Forscher haben einen Bildschirm entwickelt, der einerseits Touchscreenfunktionen besitzt, andererseits jedoch auch Handgesten erkennen kann, die der User vor dem Bildschirm ausführt. Dazu verfügt das Gerät über Infrarotsensoren, die Bewegungen von Händen und Fingern registrieren und in Steuerbefehle umsetzen, berichtet der NewScientist. "Der Monitor registriert mehr als die bloße Berührung mit dem Finger und ist eigentlich sowohl Scanner als auch Kamera mit niedriger Auflösung", erläutert Shahram Izadi, der Leiter der Forschergruppe am Microsoft Lab im Cambridge.

Der übliche Aufbau des LCD-Monitors wurde bei dem entwickelten Produkt mit dem Namen "ThinSight" von den Forschern um eine zusätzliche Elektronikschicht erweitert. In dieser sind Infrarotsensoren integriert, die unabhängig von der Anzeigeschicht des Displays arbeiten. ThinSight sieht quasi, was sich vor dem Schirm tut, indem von Objekten reflektiertes Infrarotlicht von Detektoren aufgefangen wird. Finger werden im Abstand von einigen wenigen Zentimetern vor dem Monitor ebenso erkannt wie Gegenstände. Die entsprechende Software wertet die Infrarotdaten aus und setzt sie in Steuerbefehle um.

Die Software des Touchscreen erlaubt es zudem beide Hände bei der Steuerung des Rechners zu verwenden. Ein Foto kann vergrößert werden, indem der User seine Finger auseinanderzieht. Die umgekehrte Geste bewirkt eine Verkleinerung. Drehen und Wenden des Angezeigten ist ebenfalls mit zwei Fingern möglich. Ein Demonstrationsvideo findet sich bei YouTube. Mit der ThinSight-Technologie könnten User in Zukunft vor ihrem Bildschirm stehen und den Rechner wie im Science-Fiction-Film "Minority Report" mit bloßen Handbewegungen und Gesten steuern.

Als großen Vorteil ihrer Entwicklung betrachten die Forscher, dass die Technologie einfach in einen Monitor integriert werden kann. Bislang entwickelte Modelle zur Steuerung mit Gesten erfordern zusätzliche Kameras, die die Bewegungen aufnehmen. Mit der ThinSight-Technologie nimmt lediglich die Stärke des Monitors durch die zusätzliche Infrarotsensorschicht etwas zu. Andere Unternehmen forschen ebenfalls an "sehenden" Displays. So hat Apple einen Bildschirm patentiert, der wie eine Webcam arbeitet. Zwischen den einzelnen Pixeln befinden sich Kamerasensoren. Sharp wiederum präsentierte ein Display, mit dem der User Visitenkarten einscannen kann.

Die Forschung an Touchscreen-Technologie, die nicht zuletzt seit dem Start von Apples iPhone besonders ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, wird in den kommenden Jahren noch einige Innovationen zu bieten haben. Laut Analysten wird sich dieser Branchensektor zu einer wahren Goldgrube entwickeln und in fünf Jahren 4,4 Mrd. Dollar Umsatz abwerfen (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070621014 ). Multifunktionale Touchscreens, die mit zusätzlicher Sensorik erweiterte Funktionen ermöglichen, stecken jedoch noch in den Kinderschuhen. "Es ist noch sehr früh für diesen Ansatz. Die aktuellen Prototypen sind zumeist sehr klein und arbeiten noch langsam", meint Izadis Kollege Steve Hodges. "In zehn Jahren werden wir jedoch viele Multi-Touch-Displays in unserer Umgebung finden", ist der Forscher überzeugt.

Durch die Einbindung von Infrarotsensoren eröffnet sich noch eine weitere Möglichkeit. ThinSight kann sowohl Infrarotsignale empfangen als auch senden. Der Monitor funktioniert damit auch mit einer herkömmlichen Fernbedienung, mit der der Rechner gesteuert werden kann. Daten wiederum könnten beispielsweise von einem Mobiltelefon empfangen aber auch an ein entsprechendes Gerät gesendet werden, führt Izadi seine Zukunftsvisionen aus.

Andreas List | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://research.microsoft.com/cambridge
http://www.youtube.com/watch?v=v_MAtjOlRqE

Weitere Berichte zu: Display Infrarotsensoren Monitor Rechner Touchscreen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie