Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Häuten der Zwiebel

13.07.2007
Sicherheit im Internet? Ohne Schutz liegen persönliche Daten und das eigene Surfverhalten offen wie das berühmte sprichwörtliche Buch. Schutz bieten Anonymisierungsverfahren wie "The Onion Router", der ein sicheres Surfen gewährleistet. Karsten Loesing vom Lehrstuhl Praktische Informatik der Universität Bamberg arbeitet an diesem Projekt erfolgreich mit.

Viren, hölzerne Pferdchen und sonstige Spione. Dass man ohne Spuren zu hinterlassen durch das Internet surfen kann, gehört längst in das Reich der Märchen. Doch auch ohne solche Schädlinge ist beinahe jeder Schritt im Netz nachzuvollziehen, etwa durch die IP-Adresse, die jeden Computer identifizierbar macht. Jeden? Nein. Ein Anonymisierungsnetzwerk mit dem Namen "The Onion Router" (Tor) verhindert den Nachvollzug, verspricht dem "User", er könne wie ein Geist durch das Netz schweben. Und das ist beinahe todsicher. So weit, so schön für den User. Aber welche Konsequenzen hat das? Und wie funktioniert es genau?

Positive und negative Szenarien

Karsten Loesing, Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Praktische Informatik der Universität Bamberg, zeichnet gute und schlechte Szenarien, was mit Tor alles anzustellen ist. Die guten Szenarien: ein kritischer Journalist in Iran kann mithilfe von Tor internationale Seiten besuchen und sich informieren, er kann sogar selbst ein Forum erstellen und Beiträge posten. Ein Menschenrechtler in China kann auf Missstände hinweisen, ohne verfolgt werden zu können. Menschen in Deutschland mit - so die zynische Bezeichnung - "nicht gesellschaftsfähigen Krankheiten" wie AIDS können sich sicher und anonym austauschen, ohne eine weitere Stigmatisierung fürchten zu müssen. Das gilt auch für Vergewaltigungsopfer. "Aber das ist nur die eine Seite der Medaille", sagt Loesing. Die Kehrseite ist, dass sich natürlich auch Kriminelle, die im Internet ihren illegalen Aktivitäten nachgehen, über Anonymität im Netz freuen. Auch hier sind viele Fälle denkbar, etwa Wirtschaftsspionage oder einfach das Auskundschaften privater Daten von unbedarften Internetnutzern. Das gilt jedoch übrigens kaum für das File-Sharing, denn der Einsatz des "Zwiebel-Routers" verlangsamt das Surfen doch merklich.

... mehr zu:
»Häuten »Knotenpunkt »Server »Zwiebel

Aber was ist Tor denn nun? Ein Freifahrtsschein für böse Menschen, oder eine echte Chance für bedrohte Gutmenschen?

Die Funktionsweise des kostenfreien Open-Source-Projekts ist auch Laien verständlich, zumindest das grobe Prinzip, das genial einfach wirkt. Wenn ein Internetnutzer eine Seite, etwa google.de ansteuert, wird er normalerweise direkt mit dem anderen Server verbunden, der alle wichtigen Daten aufzeichnet. Benutzt der User Tor, wird er über drei weitere Server, die zum Teil im Ausland liegen können, umgeleitet. Der Clou: bereits der zweite Knotenpunkt weiß nicht mehr, woher das ursprüngliche Signal kam, er kennt nur die IP-Adresse des letzten Servers. Gleichermaßen erfährt erst der letzte Knotenpunkt in der Reihe, an wen die Anfrage gerichtet ist. Ein Nachvollzug wird so unmöglich gemacht, insgesamt arbeitet Tor mit nahezu 1000 Knotenpunkten: Es gibt kein Häuten der Zwiebel mehr.

Ähnlich funktioniert auch das Erstellen eigener Dienste und Blogs im Internet mithilfe von Tor. Karsten Loesing arbeitet im Rahmen seiner Doktorarbeit an diesen anonymen Diensten (hidden services), welche die Sicherheit für Nutzer erheblich erhöhen können. An Rendezvous-Punkten treffen sich die Benutzer, ohne eine direkte Verbindung einzugehen. Für bestimmte Berufsgruppen kann es, wie gesehen, lebenswichtig sein, dass Aktivitäten in Foren und sonstigen Diensten nicht nachzuvollziehen sind.

Dr. Martin Beyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/kein-haeut/

Weitere Berichte zu: Häuten Knotenpunkt Server Zwiebel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie