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Dem Stau voraus

01.06.2007
Automassen wälzen sich durch die Straßen, Staus gehören zum Alltag. Gängige Systeme, die Stauwarnungen an die Navigationsgeräte senden, sind bereits ausgelastet. Die neue Plattform mobile.info ist auch steigendem Verkehrsaufkommen gewachsen.

Am Wochenende mal schnell in die Berge – die Aussicht auf eine Wanderung in der Natur ist verlockend. Bevor man die blühenden Almwiesen, den Sonnenschein und ein Bierchen auf der Hütte genießen kann, heißt es jedoch oft Baustellen, Staus und Unfälle geschickt zu umfahren. Dabei helfen gesprochene Verkehrsmeldungen aus dem Radio, Warnungen per SMS oder digitale Traffic-Message-Channel-Nachrichten TMC, die über den UKW-Kanal an das Navigationssystem gesendet werden. Die Handy-Variante ist recht teuer, insbesondere wenn um-fangreiche Infos bei vielen Teilnehmern landen sollen. Die Übertragung von TMC-Informationen ist auf 100 bis 300 Bit pro Sekunde be-schränkt und zunehmend ausgelastet. Während der Stoßzeiten können daher nur die wichtigsten Meldungen übertragen werden.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS haben mit Industrie-Partnern die Plattform mobile.info entwickelt, die auf digitalem Rundfunk basiert. Mit ihr sollen künftig Verkehrsinformationen, die wie bisher bei einer Zentrale eingehen, mit einer Rate von mehreren Tausend Bit pro Sekunde an die Navigationssysteme und Radioempfänger übertragen werden. So können bis zu 200 mal mehr Nachrichten verschickt werden als beim TMC. »Der eigentliche Verkehrswarnfunk, zum Beispiel bei Geisterfahrern, ist unverschlüsselt. Premium- und Mehrwert-Dienste sind verschlüsselt, man muss die Berechtigung dafür haben«, sagt Birgit Bartel-Kurz, die die Entwicklung der Verschlüsselung am IIS geleitet hat. So kann man etwa für die Zeit des Italienurlaubs die Infos für diese Region freischalten lassen. Oder ein Autohersteller leitet Informationen über freie Parkplätze exklusiv an seine Kunden weiter. Mit jeder Verkehrsnachricht werden Verwaltungsinformationen gesendet, etwa wie lange ein Dienst abonniert ist. »Diese Verwaltungsinfos mussten wir stark komprimieren«, sagt Bartel-Kurz. Um Hacker fernzuhalten, wechseln die Forscher permanent die Schlüssel, die wiederum in codierter Form gesendet werden. Es entsteht eine ganze Schlüssel-Hierarchie.

Ein weiterer Vorteil: Auf den digitalen Karten, die dem System zugrunde liegen, kann jeder Punkt angegeben werden – also auch kleine Straßen in der Innenstadt. Herkömmliche TMC-Systeme sind dagegen auf eine gewisse Liste von Referenzpunkten beschränkt, die sich vor allem auf Autobahnen befinden und in der Stadt wenig nützen. Im Mai ging die mobile.info Plattform in den Testbetrieb – BMW, Audi und VW stellen dafür mehrere Fahrzeuge samt Fahrer zur Verfügung. Ab 2008 kann das System regulär eingesetzt werden.

Birgit Bartel-Kurz | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iis.fraunhofer.de

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