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Die ganzheitliche Architektur bringt’s

11.05.2007
Nachbericht zum Business Integration Forum, Ende April in Mainz

Nach der Aufbruchstimmung und Euphorie rund um Service-orientierte Architekturen (SOA) sind IT-Abteilungen nun dabei, ihre Integrationskonzepte umzusetzen. Dabei gewinnt der ganzheitliche Ansatz zunehmend an Bedeutung, wie auf dem Business Integration Forum, Ende April 2007 in Mainz, deutlich wurde.

SOA – Software for Change

„In Großunternehmen sind SOA mittlerweile fester Teil des Tagesgeschäfts“, so die Beobachtung von Analyst und Kongressvorsitzendem Dr. Wolfgang Martin. Dabei regelten die lose gekoppelten Dienste längst nicht mehr nur Unternehmensanwendungen oder die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen. Auch allgemeine Architekturen für Kollaborationen liefen verstärkt über SOA. „Immer mehr Großunternehmen setzen das Konzept hinter einer SOA ganzheitlich um“, so Martin. Ganz anders der Mittelstand: „Hier gibt es noch einiges zu tun.“ Zwar hätten die mittelständischen Unternehmen die Bedeutung von Prozessintegration verstanden, die Idee einer SOA sei aber noch nicht angekommen. „Dabei bieten SOA Unternehmen jeder Größenordnung einen hohen Nutzen: Sie erlauben eine Infrastruktur, die sich rasch an neue Unternehmensbedingungen und Marktveränderungen anpassen kann. SOA ist damit Software for Change.“

Deutsche Bahn: Enterprise Architecture Management für IT-Lebenszyklus

Wie die Deutsche Bahn ihre IT mithilfe von Enterprise Architecture Management (EAM) an die Geschäftsprozesse anpasst, berichtete Dr. Eberhard Kurz, als CIO verantwortlich für die IT-Architektur im Bereich Personenverkehr. Das Unternehmen beziehe, so Kurz, sein EAM auf den gesamten IT-Lebenszyklus, um die Prozesse allianzfähig zu machen und für Dritte zu öffnen. Im Bereich der Planung sei EAM am stärksten etabliert. Hier finde eine fachliche und zeitliche enge Verzahnung mit dem strategischen Planungsprozess statt, würden alle Projektmaßnahmen anhand strategischer Ziele bewertet und der IT-Architekturplan mit Fach- und Entscheidungsbereichen festgelegt. „Wir leben einen toolunterstützten, standardisierten und durchgängigen IT-Planungsprozess“, so Eberhard Kurz. Zunehmend setze die Deutsche Bahn ihr EAM auch bei einzelnen Projekten sowie für den laufenden Betrieb ein. Auf Projektebene könne EAM das Anforderungsmanagement unterstützen, Planungsdaten für Leitung und Grobkonzeption liefern sowie das Releasemanagement steuern. Im Betrieb könne EAM das Management der Service Level Agreements (SLA) unterstützen und für Business Continuity sorgen.

Für den Erfolg eines EAM müsse ein Unternehmen laufend Überzeugungsarbeit unter den Mitarbeitern leisten. „Lassen Sie methodische Diskussionen in Maßen zu, versachlichen Sie Konflikte und entwickeln Sie gemeinsam pragmatische Lösungen“, empfahl Kurz dem Publikum. Ein weiterer Erfolgsfaktor seien bestimmte Eigenschaften des Konzeptes. Dazu gehörten eine einfache Anwendung, Sicherheit in der Datenpflege und eine Schnittstelle zu MS Office.

Eberhard Kurz und sein Team denken bereits weiter: Im nächsten Schritt sollen weitere Geschäftsfelder integriert werden. Auch Dienstleister sollen in die Prozesse mit einbezogen werden. Außerdem planen sie, die Wertschöpfungstiefe in einzelnen Teilprozessen zu erhöhen und die Projekt- und Architektursteuerung weiter auszubauen.

Ganzheitlicher Ansatz auch bei Knorr Bremse

„Der ganzheitliche Ansatz bringt’s“, betonte auch Werner Zengler, Director Corporate IT bei Knorr-Bremse. In seinem Vortrag beschrieb er das unternehmensweite IT-Architektur-Management des Fahrzeugzulieferers. Wichtig sei es, so Zengler, die IT-Architektur klar aufzubauen und dabei eine größtmögliche Nähe zum operativen Geschäft zu schaffen. Knorr-Bremse geht nach dem Top-Down-Ansatz vor: Die Prozess-Architektur bestimmt die IT-Architektur, denn hier müssten, so Zengler, der Aufbau, der Charakter und die Philosophie eines Unternehmens einfließen. Diese bestimme dann den Handlungsrahmen, unter anderem für den IT Support. Aber auch hier müssten Prozesse und deren Verantwortung festgelegt sein.

Weitere Programmpunkte des Forums

Über 40 weitere Referenten gaben in Vorträgen und Diskussionen Hinweise, wie Unternehmen ihre Geschäftsprozesse dynamisch und ereignisorientiert gestalten können. Zu ihnen gehörten Jesse James Garrett, Präsident des Web-Beratungsunternehmens Adaptive Path und Mitbegründer von Ajax, der in seinem Vortrag den Hype um das Web 2.0 beleuchtete, sowie Dion Hinchcliffe, Präsident und CTO von Hinchcliffe & Company und Autor des „Web 2.0 Blog“, der seine Vision einer Global SOA vorstellte.

Auch Prof. Dr. Frank Leymann von der Universität Stuttgart, Detlef Straeten von IBM Deutschland und Dr. Georg Rau von SAP Deutschland diskutierten Entwicklungen im Integrationsmarkt.

Parallele Vortragsreihen widmeten sich den folgenden Themen: Integration von Daten, Informationen, Applikationen und Geschäftsprozessen, Geschäftsprozessmanagement und event-orientierte Architekturen, SOA sowie Integrationsmanagement und -projekte. Die Referenten dieser Reihen vertraten Unternehmen wie: Bayerische Hypo- und Vereinsbank, BMW Bank, Coca-Cola Erfrischungsgetränke, Deutsche BKK, E.ON IS, Hamburger Sparkasse, Lufthansa Systems Infratec, Magna Steyr Fahrzeugtechnik, PostFinance, Procter & Gamble, T-Mobile, Unilever R&D und Volvo Cars.

In der angeschlossenen Business Integration Fachmesse konnten sich Besucher über neue Lösungen einzelner Anbieter informieren.

Business Integration Award

Im Rahmen des Forums verlieh der Veranstalter IIR Deutschland zum vierten Mal den Business Integration Award. Der diesjährige Gewinner ist die KTR Kupplungstechnik GmbH und ihr IT-Dienstleister, die itelligence AG. Ausgezeichnet wurden beide für ein gemeinsames Integrationsprojekt auf Basis von SAP XI.

Mit dem Business Integration Award zeichnet IIR einmal jährlich ein Unternehmen aus, das ein Business-Integration-Projekt erfolgreich umgesetzt oder ein Teilprojekt einer Business-Integration-Strategie abgeschlossen hat. Im Vordergrund der Bewertung durch eine Experten-Jury stehen jedes Jahr die Umsetzung der Geschäftsanforderungen und die technische Lösung. Zudem werden die Bewerbungen auf folgende Kriterien geprüft: Nutzen und Ziele des Projekts, Inhalt, Architektur, Integration der Geschäftsprozesse und Return on Investment. Zu den Juroren gehören der Analyst Dr. Wolfgang Martin, Richard Nußdorfer (CSA Consulting) und Prof. Dr. Robert Winter (Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Universität St. Gallen).

Bisherige Gewinner des Award sind unter anderem die Generali VIS Informatik, Lufthansa Cargo und DaimlerChrysler.

Über das Business Integration Forum

Das Business Integration Forum (bis 2005 „EAI-Forum“, EAI = Enterprise Application Integration) fand bereits zum neunten Mal statt. Die Veranstaltung gilt als Informationsplattforum für die Integration von Daten, Informationen, Applikationen und Prozessen. In Vorträgen und Diskussionen berichten sowohl Experten aus der Wissenschaft als auch Anwender von neuen Trends und ihren Erfahrungen. Zu den Teilnehmern zählen IT-Leiter, IT-Architekten sowie Integrationsmanager.

Romy König | IIR Deutschland GmbH
Weitere Informationen:
http://www.iir.de
http://www.business-integration-forum.de

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