Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Trend: Virtuelle Streifzüge durch 3D-Städte im Internet

08.03.2007
Das Beispiel Berlins als erster Stadt, die sich im Internet dreidimensional und über weite Strecken fotorealistisch präsentiert, wird schnell Schule machen.

Darauf hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) an der Universität Potsdam hingewiesen. Schon in naher Zukunft würden immer mehr Kommunen ihren virtuellen Nachbau derart nutzen lassen, erklärte Prof. Jürgen Döllner, Leiter des Fachgebiets "Computergrafische Systeme". Ganze Stadtgebiete könnten neuerdings dreidimensional und realitätsnah auf dem virtuellen Globus GoogleEarth präsentiert werden, berichtete Döllner. Er hat maßgeblich die Basistechnologie für solche 3D-Visualisierung entwickelt.

Vom Berliner Senat war am Donnerstag, 8. März, das 3D-Modell der Bundeshauptstadt auf Google Earth frei geschaltet worden. Berlin kam damit Hamburg zuvor, das am 17. Januar einen ähnlichen Auftritt angekündigt hat, damit aber noch nicht online ist und zunächst wohl nur einzelne Strassen zeigen wird. Beim virtuellen Streifzug durch Berlin bekommen Internetnutzer einen originalgetreuen Eindruck. Auf der Internetseite http://www.3d-stadtmodell-berlin.de kann man nun am Computerbildschirm zum Beispiel durchs Brandenburger Tor schreiten oder wie mit einem Hubschrauber dicht an anderen Sehenswürdigkeiten vorbei fliegen. Für die Software hinter den 3D-Modellen und den fotorealistischen Eindruck sorgte das Potsdamer Unternehmen 3D Geo GmbH, eine Ausgründung (Spin-off) des HPI.

"Google Earth stellte bislang lediglich einzelne ausgewählte Gebäude in New York, Kapstadt, Hongkong oder London realitätsnah dar, die Stadtsilhouetten selbst jedoch nur als Klötzchen mit neutraler Oberfläche", erläutert Entwicklungsleiter Dr. Konstantin Baumann. In spektakulärem Kontrast dazu steht die originalgetreue Optik des Berliner Stadtbilds in Google Earth. Sie kommt durch die in Potsdam entwickelte 3D-Software "LandXplorer" zustande. "Vereinfacht gesagt nehmen wir zweidimensionale Kartendaten, kombinieren die Daten mit Höhendaten und 'kleben' mit einem neuartigen Verfahren darauf die Fassaden, die aus speziell aufgenommenem Bildmaterial herausgeschnitten wurden", beschreibt Marc Hildebrandt, Geschäftsführer von 3D Geo, den Entstehungsprozess.

... mehr zu:
»3D-Modell »Earth »Gebäudekomplex »Google

Nach seinen Angaben gibt es im gesamten Internet momentan kein vergleichbares Stadtmodell, das einen derartigen Informationsraum für Besucher, Bürger, Wirtschaft und Verwaltung bietet. Die 3D-Geo-Software macht es sogar Laien möglich, in die Luftbilder von Google Earth dreidimensionale Häuser, Gebäudekomplexe oder komplette Stadtland-schaften einzubauen. "Ohne Computergrafiker sein zu müssen, kann so künftig jeder seine eigenen 3D-Daten realitätsnah ins Internet bringen und weltweit nutzbar machen", beschreibt Hildebrandt den Vorteil des neuen Zusatzwerkzeugs zu Google Earth. Es wandelt die 3D-Inhalte automatisch in das von Google Earth benötigte Format KMZ um.

Weil die eingestellten Geodaten vor dem Zugriff Dritter geschützt werden, können auch Städte und Gemeinden ihre amtlichen Geodaten stets aktuell und situationsbezogen auf Publikumsplattformen wie Google Earth präsentieren. "Die Daten bleiben bei unserer Softwarelösung auf dem eigenen Rechner und gehen nicht in den Hoheitsbereich von Google Earth über", betont HPI-Professor Döllner einen Unterschied zur Vorgehensweise in Hamburg. Für jeden, der seine Daten zwar einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, aber weder verschenken noch aus der Hand geben möchte, sei diese Lösung die nahe liegende.

Besonderes Interesse an der neuen Art von Visualisierung haben vor allem der Immobiliensektor, der Handel, die Gastronomie und Hotellerie sowie Anbieter aus den Bereichen Kultur, Medien, Werbung, Freizeit und Tourismus. Dem virtuellen Touristen kann zum Beispiel künftig ein höchst realistischer Vorgeschmack auf das echte Erlebnis vor Ort vermittelt werden - sei es bei einem Bummel durch die Stadt oder einer Radtour auf dem Lande. Ferner ist es möglich, gebäudebezogene Zusatzinformationen anzubieten. Architekten können per Google Earth ihre eigenen Entwürfe präsentieren, Städtebauer die Bürger in Planungsprozesse einbeziehen, Weltkonzerne ihre globale Firmen-infrastruktur visualisieren. Die in Google Earth eingespielten Objekte sind zudem einfach optisch zu markieren - wichtig z. B. für Makler, die zum Verkauf stehende Objekte eines Gebäudekomplexes hervorheben möchten.

"Virtuelle Stadtmodelle bieten heutzutage eine hervorragende Infrastruktur, die von ganz unterschiedlichen Interessengruppen genutzt werden kann, um alle Arten von raumbezogenen Sachverhalten direkt und anschaulich zu kommunizieren", so Prof. Döllner. Die Faszination liege dabei nicht nur in der grafischen Darstellung, sondern auch im 1:1-Bezug zur Realität. Eine sei eine wichtige Aufgabe der Kommunen, diese Infrastrukturen jetzt aufzubauen.

Hans-Joachim Allgaier | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-web.de
http://www.3dgeo.de
http://www.3d-stadtmodell-berlin.de

Weitere Berichte zu: 3D-Modell Earth Gebäudekomplex Google

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie