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Es muss nicht immer Glasfaser sein

30.01.2002


Per Videokonferenz kann Physik auch für Kinder im Krankenhaus anschaulich werden - mit dem Übertragungsstandard SDSL und ohne teure Glasfaserleitung.
© Siemens Pressebild


Pisa-Studie hin oder her - Schüler sollten geistig wie körperlich im Unterricht präsent sein. Im Normalfall zumindest, denn es geht auch anders, wie ein Projekt des Münchener Schulreferats gezeigt hat: Kinder, die für längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden, konnten über sehr schnelle Datenverbindungen direkt und interaktiv am Schulunterricht teilnehmen. Das »digitale Klassenzimmer am Krankenbett« hilft, die jungen Patienten weiterhin in ihre vertraute Klassengemeinschaft einzubinden. Über die Fürsorge der Eltern hinaus durchbricht dies deren krankheitsbedingte Isolation und unterstützt die Genesung.

Per Videokonferenz schalten sich die Patienten in ihre Schulstunde ein und nehmen über den PC aktiv am Unterricht teil. Sie können zusehen, sich elektronisch melden oder vom Lehrer aufgerufen werden. Selbst mit Klassenkameraden zu schwätzen, ist möglich. Tafelanschriften, Arbeitsunterlagen oder Versuchsaufbauten werden als Bild übertragen - Hausaufgaben als E-Mail versandt und korrigiert.

Was im Schwabinger Krankenhaus und zwei Münchener Schulen erfolgreich getestet wurde, verlangt nach neuesten Techniken der schnellen Datenübertragung: xDSL. Dabei steht x vor Digital Subscriber Line für verschiedene Übertragungsstandards, die variabel eingesetzt werden. Je nach technischer Ausstattung der Endgeräte, Leitungslänge sowie Art, Anzahl und Aktivität von Kanälen für Ton und Bild sind dies: H wie hochbitratig, S wie symmetrisch oder A für asymmetrisch. SDSL verwendeten die Techniker von Siemens, dem lokalen Netzbetreiber Mnet und der Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK im beschriebenen Projekt. Damit werden Daten in beiden Richtungen bis zu 35-mal schneller übertragen als mit einem herkömmlichen Modem bei 57 Kilobit pro Sekunde. Die alten Kupferleitungen mussten dazu nicht einmal schnelleren Glasfasern weichen.

»Dies ist ein entscheidender Punkt«, weiß der ESK-Ingenieur Andreas Bittlinger. »Da das Netz aus Kupferdoppeladern über Jahrzehnte gewachsen und derart engmaschig ist, versuchen wir, auf ihm die höchstmögliche Datenrate laufen zu lassen. Denn im Gegensatz zu unserem ist schon manches Projekt an den hohen Kosten für neue Glasfaserleitungen gescheitert.«

Dipl.-Ing. (FH) Andr. Bittlinger | Mediendienst

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