Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gut zu Fuß dank des virtuellen Schuhs

22.05.2006


Schuhe in der 3D-Welt: Prof. Dr. Guido Brunnett hält eine Schuhattrappe in der Hand, deren Sensoren Bewegungen auf das virtuelle Schuhmodell übertragen. Farben, Materialien, Absätze oder Schmuckelemente können mit einem Auswahlstift festgelegt werden. Foto: TU Chemnitz


Chemnitzer Forscher entwickeln eine virtuelle Schuhpräsentation, die Industrie und Handel zukünftig Zeit und Geld bei der Musterproduktion einsparen lässt


Von "der letzte Schrei" über klassisch elegant bis sportlich oder fußfreundlich - die internationalen Trends bestimmen auch das Repertoire in der Schuhwelt. Doch bisher ist die Musterproduktion für ein Schuhmodell ein kostspieliges Unterfangen. Das Forscherteam um Prof. Dr. Brunnett, der die Professur für Graphische Datenverarbeitung und Visualisierung an der TU Chemnitz inne hat, arbeitet seit August 2005 daran, das Schuhdesign über eine virtuelle Präsentation zu perfektionieren. Durch das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit über die AIF geförderte Projekt sollen Industrie und Handel in naher Zukunft enorme Kosten und Zeit bei der Musterproduktion von Schuhen einsparen.

"Ist eine Schuhkollektion einmal entworfen, reihen sich daran zahlreiche Arbeitsschritte bis das erste Muster auf Messen oder dem Handel vorgestellt werden kann. Leisten, Modelle, Sohlen und Absätze müssen entwickelt, Materialien geordert werden. Dann werden die einzelnen Komponenten zu Modellen zusammengestellt und verschiedene Ausführungen angefertigt", erläutert der Diplom-Mathematiker Horst Wagner. Die große Zahl der zu entwickelnden Modelle macht allerdings einen hohen Kostenfaktor aus, und auch Änderungen zögern den Produktionsprozess heraus. "Heutzutage benötigen die Hersteller etwa fünf Monate für die Entwicklung einer Kollektion. Enorme Zeit könnte eingespart werden, wenn die Entwicklung der einzelnen Komponenten parallel verlaufen würde", so Wagner. Schon jetzt arbeiten Unternehmen mit modernen rechnergestützten Konstruktionssystemen (CAD-Systeme), die zwar eine 3D-Darstellung von einem Schuhmodell ermöglichen, aber keinesfalls eine komplette stereoskopisch-fotorealistische Darstellung mit allen Komponenten im Zusammenspiel. Zudem ziehen es Designer und Modelleure immer noch vor, den Musterschuh in der eigenen Hand zu prüfen.


Das Forscherteam um Prof. Dr. Brunnett, das auch von dem Prüf- und Forschungsinstitut für die Schuhherstellung e.V. Pirmasens und der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V. Berlin Unterstützung erhält, hat nun den Grundstein für ein Virtuelles Prototyping im Bereich der Schuhproduktion gelegt, um möglichst früh Fehlentwicklungen bei der Modellherstellung zu vermeiden und damit Zeit und Geld zu sparen. Die Forscher haben ein System entwickelt, dass die 3D-Daten der einzelnen Schuhkomponenten zu einem virtuellen Schuhmodell zusammenführt, gegebenenfalls um VR-spezifische Informationen ergänzt, und räumlich z.B. über einen 3D-Bildschirm, einen Datenhelm oder ein großflächiges Projektionssystem darstellt. Die Ergebnisse vorgelagerter Produktionsprozesse, die von der Idee und dem Entwurf bis zur Fertigungsvorbereitung eines Schuhmodells reichen, können über diese visuelle Präsentation dargestellt werden. "Zudem ermöglicht das System, dass der Betrachter seinen Standpunkt, seine Blickrichtung als auch die Position des virtuellen Schuhs beliebig verändern kann", erklärt Diplom-Informatiker Stephan Rusdorf. Die Interaktion zwischen dem Betrachter und der virtuellen Präsentation wird unter anderem über eine Schuhattrappe realisiert, die der Benutzer in der Hand hält. Bewegungssensoren an der Attrappe übertragen ihre Bewegungen auf das virtuelle Schuhmodell, ohne dass bei der Visualisierung Verzögerungen oder ruckartige Bildsequenzen entstehen. Farben, Materialien, Absätze oder Schmuckelemente können so ausgewählt, kombiniert und anhand der virtuellen Repräsentation des Schuhs sofort beurteilt werden.

"Natürlich wird es nicht soweit kommen, dass Musterstücke in Zukunft gar nicht mehr gefertigt werden, doch die Vorteile, die das virtuelle Prototyping bietet, werden mit Sicherheit zum Tragen kommen. Die Modelleure und Designer können sich virtuell austoben, die Modelle anhand der Repräsentation beurteilen und dann entscheiden, was wirklich in die Musterfertigung gehen sollen. Das ist ein klarer Zeit- und Kostenvorteil für die Hersteller", betont Prof. Brunnett. Die Forschungsergebnisse, die das Team bis 2007 sammelt, sollen außerdem in ein Folgeprojekt fließen, in dem man sich unter anderem mit der Zusammenstellung von Schuhmodellen aus maßlich nicht konformen Schuhbestandteilen beschäftigen will. Aber schon jetzt haben die Forscher in der Schuhindustrie Interesse geweckt, und das auch bei den Herstellern orthopädischer Schuhe.

(Autorin: Janine Mahler)

Weitere Informationen erteilt Dipl.-Math. Horst Wagner, Telefon (03 71) 5 31 - 12 67, E-Mail horst.wagner@informatik.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie