Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Skriptsprache für die Open-Source-Plattform "Mono"

03.04.2006


Der Augsburger Informatiker Raphael Romeikat erhält Google-Auszeichnung für die Entwicklung eines Compilers



Programmiersprachen können in der Softwareentwicklung gewöhnlich nicht einfach miteinander verknüpft werden. Wenn man nun in einer Anwendung zwei Programmiersprachen kombinieren möchte, dann müssen diese erst aufeinander abgestimmt werden. Dazu bedarf es einer Übersetzung. Nun hat sich der Informatiker Raphael Romeikat von der Universität Augsburg zum Ziel gesetzt, die Skriptsprache PHP für die die Open-Source-Plattform Mono verfügbar zu machen. Grundlage dafür ist seine von dem Suchmaschinen-Anbieter Google ausgezeichnete Diplomarbeit "Development of a PHP Compiler for Mono".



Anfang dieses Jahres schloss Raphael Romeikat an der Fakultät für Angewandte Informatik der Universität Augsburg seine Diplomarbeit ab, die von Google im Rahmen des Programms "Summer of Code" (1) ausgezeichnet wurde. Mit dieser Förderinitiative honoriert der Suchmaschinen-Anbieter ausgewählte Open-Source-Projekte aus aller Welt.

Romeikats Arbeit trägt den Titel "Development of a PHP Compiler for Mono" und wurde von Prof. Bernhard Bauer am Lehrstuhl Softwaretechnik und Programmiersprachen/Programmierung verteilter Systeme (2) in Zusammenarbeit mit der Linux Solutions Group (3) betreut. Nun entwickelt Romeikat seine Ergebnisse weiter in dem Open-Source-Projekt "PHP4Mono" (4 und 5).

PHP ist eine beliebte und weit verbreitete Skriptsprache, die besonders für Webentwicklung geeignet ist. In PHP geschriebene Skripte sind keine eigenständigen Anwendungen, sondern werden in HTML-Seiten eingebettet. Syntax und Semantik sind anderen etablierten Programmiersprachen wie "C" und "Perl" ähnlich, wodurch man PHP einsetzen kann, ohne sich lange einzuarbeiten. Seit kurzem sind auch moderne objektorientierte Konzepte Bestandteil des Sprachschatzes von PHP. Die wohl größte Stärke besteht darin, dass nicht nur PHP selbst frei und kostenlos verfügbar ist, sondern ebenso eine Flut von Bibliotheken und Erweiterungen, die den Zugriff auf Systemfunktionalität, Datenbanken und vieles mehr ermöglichen, ohne dass dafür eigene Programmierarbeit erforderlich ist. Eine aktuelle Umfrage belegt, dass PHP auf über 20 Millionen Domains weltweit eingesetzt wird und somit die beliebteste Skriptsprache im Internet darstellt.

Mono ist eine Open-Source-Implementierung des Microsoft ".NET Framework" (6). Im Gegensatz zum .NET Framework ist Mono allerdings nicht nur für das Betriebssystem Windows verfügbar, sondern auch für die anderen verbreiteten Betriebssysteme Linux, UNIX, MacOS und Solaris. Dass mit Mono entwickelte Bibliotheken somit plattformübergreifend eingesetzt werden können, ist nur ein großer Vorteil. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber Microsofts Pendant besteht darin, dass Mono nicht nur die Programmiersprache C# unterstützt, sondern auch andere wichtige Sprachen wie Java, Python und einige mehr. Ein Entwickler kann somit je nach Problemstellung diejenige Sprache verwenden, die ihm am geeignetsten erscheint, und diese mit anderen Sprachen kombinieren. Die Möglichkeit, verschiedene Programmiersprachen zu bündeln und gemeinsam einzusetzen, macht Mono somit zu einer effektiven und effizienten Umgebung für Softwarearchitekten

In Romeikats neuem Projekt "PHP4Mono" geht es nun um die Entwicklung und Programmierung eines Compilers, eines Übersetzungsprogramms für Programmiersprachen. Ziel ist es, die beiden Welten PHP und Mono miteinander zu verbinden und die Stärken beider Seiten zu bündeln, indem PHP als weitere Sprache für Mono verfügbar gemacht wird.

Damit eine Sprache wie PHP von Mono unterstützt wird, ist ein Compiler erforderlich, der sie in eine Zwischensprache, die Common Intermediate Language (CIL) übersetzt. Dabei müssen die Sprachkonstrukte von PHP exakt mit den Möglichkeiten von CIL nachgebildet werden. CIL ist eine maschinennahe Sprache, basiert auf einer abstrakten Stackmaschine und war früher auch als Microsoft Intermediate Language (MSIL) bekannt. Auf Basis von CIL können die verschiedenen höherwertigen Sprachen kommunizieren und Informationen austauschen.

Das Übersetzungsprojekt steckt schon nicht mehr in den Kinderschuhen: Mittlerweile ist bereits die zweite Version des Compilers online verfügbar und verzeichnet zahlreiche Downloads. Das Projekt wird von SourceForge gehostet (7) und steht unter der GNU General Public License (8). Mehr Informationen, ein Tutorial und eine Auflistung der bereits realisierten und noch geplanten Features sind auf der Website von PHP4Mono (9) nachzulesen.

Mit der Sprache PHP auf der Plattform MONO ergeben sich für Anwender viele neue Möglichkeiten. Entwickler können PHP nicht mehr nur als Skriptsprache für Webseiten einsetzen, sondern ebenso als vollwertige Programmiersprache für die Entwicklung eigenständiger Anwendungen. Die wichtigen Sprachkonstrukte werden durch "PHP4Mono" bereits unterstützt und die noch bestehenden Lücken nach und nach geschlossen. Ein besonderer Vorteil besteht darin, andere mit Mono oder dem .NET Framework entwickelte Bibliotheken direkt aus PHP heraus ansprechen zu können. Auf diese Weise können beispielsweise grafische Oberflächen direkt in PHP programmiert werden.

INTERNET-VERWEISE:
(1) code.google.com/summerofcode.html
(2) www.informatik.uni-augsburg.de/lehrstuehle/swt/vs/
(3) www.lisog.org
(4) php4mono.sourceforge.net
(5) www.heise.de/newsticker/meldung/70530.
(6) msdn.microsoft.com/netframework/
(7) sourceforge.net/projects/php4mono
(8) de.wikipedia.org/wiki/GNU_General_Public_License
(9) php4mono.sourceforge.net

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Dipl.-Inf. Raphael Romeikat
Lehrstuhl Softwaretechnik und Programmiersprachen
Fakultät für Angewandte Informatik
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-3103
romeikat@informatik.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de/

Weitere Berichte zu: CiL Compiler Mono PHP Programmiersprache Skriptsprache

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Forschungsprojekt: Zukünftige Fahrzeugtechnologien im Open Region Lab – ZuFOR
30.03.2017 | Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen