Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtueller Flug durch die Boeing 777

03.03.2006


Saarbrücker Computergraphiker präsentieren interaktive Visualisierungstechnik auf der CeBIT 2006 - Erster Graphikchip für Ray-Tracing kann jetzt dynamische Szenen darstellen



Wirkt die Flugzeugkabine freundlicher mit gelber oder blauer Beleuchtung? Passen alle Navigationsgeräte ins Cockpit? Diese Fragen können Flugzeugentwickler heute mit einem Knopfdruck beantworten. Die kompletten CAD-Datensätze einer Boeing 777 werden in Sekundenschnelle auf den Bildschirm geladen und können dort dreidimensional bearbeitet werden. Die dafür notwendige, interaktive Visualisierungstechnik, das so genannte Echtzeit-Ray-Tracing, wurde am Lehrstuhl für Computergraphik der Universität des Saarlandes entwickelt. Sie kann jetzt auf der CeBIT 2006 live erlebt werden. Das neue Verfahren wird in der deutschen Automobilindustrie bereits eingesetzt und von der europäischen und US-Flugzeugindustrie derzeit getestet, um komplette Modelle von Flugzeugen zu visualisieren. Auf der CeBIT 2006 wird außerdem der erste Graphikchip für Ray-Tracing präsentiert, der jetzt auch dynamische Szenen darstellen kann. Diese Entwicklung macht das Verfahren künftig für die Spiele-Industrie interessant.



Das Echtzeit-Ray-Tracing wurde von Philipp Slusallek, Professor für Computergraphik an der Universität des Saarlandes, und seinem Team in den vergangenen Jahren bis zur Marktreife gebracht. Die Automobilindustrie nutzt das Verfahren bereits, um Planungsfehler frühzeitig sichtbar zu machen und zu beseitigen, bevor ein Fahrzeug überhaupt gebaut wird. Hierdurch lässt sich der Kosten- und Zeitaufwand in der Entwicklung um bis zu 30 Prozent senken. Im Gegensatz zu aktuellen High-End-Graphikkarten ist es mit diesem Verfahren möglich, komplexe optische Beleuchtungssimulationen in Echtzeit durchzuführen, zum Beispiel korrekte Spiegelung und Brechungen, aber auch aufwendigere Effekte wie indirekte Beleuchtung oder die korrekte Simulation von vermessenen Oberflächen etwa von Autolacken. Die Ray-Tracing-Software, die die Firma inTrace GmbH (http://www.inTrace.com) seit Mitte 2003 vermarktet, wird bei BMW, DaimlerChrysler, Audi und Volkswagen eingesetzt. Vor zwei Jahren hat Volkswagen rund 20 Millionen Euro in zwei Visualisierungszentren investiert, die mit der neuen Ray-Tracing-Technologie arbeiten. Derzeit testen der europäische Flugzeughersteller Airbus und das US-Unternehmen Boeing den Einsatz von Ray-Tracing in ihren Entwicklungsabteilungen

Auf der CeBIT 2006 präsentiert der Saarbrücker Lehrstuhl für Computergraphik am Bildschirm, wie komplette Flugzeuge mit dem Echtzeit-Ray-Tracing dreidimensional dargestellt werden können. Für das originale CAD-Modell einer "Boeing 777" müssen dafür die Daten von mehr als 350 Millionen Dreiecken (zusammen über 30 Gigabyte oder mehr als 40 CD-ROMs) interaktiv verarbeitet werden. Den Konstrukteuren ermöglicht diese neue Technik, sich jederzeit am Bildschirm interaktiv durch das virtuelle Flugzeug zu bewegen und dabei jedes Detail bis hin zur kleinsten Schraube und Niete unter die Lupe zu nehmen. Neue Flugzeugmodelle können so in ihrer Gesamtheit getestet und mögliche Probleme schon vor dem Bau erkannt werden.

Bald könnte das neue Verfahren auch für die Spieleindustrie interessant werden, für die die bisher benötigte hohe Rechenleistung von Ray-Tracing ein Hindernis war. Auf der CeBIT 2006 wird Professor Slusallek den weltweit ersten Echtzeit-Ray-Tracing-Chip zeigen, der interaktiv und photorealistisch dreidimensionale Graphik erzeugen kann. Schon der erste, vollständig funktionsfähige, aber noch langsame Prototyp dieses Chips liefert eine größere 3D-Graphikleistung als mehrere PCs zusammen.

Erstmals kann Echtzeit-Ray-Tracing jetzt auch zur Darstellung von dynamischen Szenen verwendet werden. Dies lässt für die Zukunft viel realistischere Computerspiele erwarten. In Live-Demos zeigen die Computergraphiker auf der CeBIT die Vorteile von Ray Tracing gegenüber heutigen Graphikkarten,etwa bei der Berechnung von physikalisch-korrekten Schatten, Lichtbrechungen und Reflektionen. Weitere Informationen gibt es unter http://www.saarcor.de.

Das Ray-Tracing-Verfahren wird während der CeBIT in Hannover vom 9. bis 15. März 2006 auf dem großen saarländischen Forschungsstand (Halle 9, Stand B 43) präsentiert. Im Rahmen des "future talk forum" der CeBIT (Halle 9, Stand A 40) hält Prof. Dr. Philipp Slusallek am Freitag, 10. März um 14 Uhr 40 einen Vortrag zum Thema "3D-Graphik neu definiert: RPU - Ein Graphik-Chip für Echtzeit-Ray-Tracing. Der erste, voll-funktionsfähige Prototyp einer programmierbaren und hoch-skalierbaren Chip-Architektur für interaktive und photorealistische 3D-Graphik".

Fragen beantworten Ihnen:

Prof. Dr. Philipp Slusallek
Lehrstuhl für Computergraphik, Universität des Saarlandes
Tel.: 0681/302-3830
Email: slusallek@cs.uni-sb.de

Michael Scherbaum
inTrace GmbH
Tel.: 0681/ 394 672 0
Email: scherbaum@intrace.com

Friederike Meyer zu Tittingdorf
Kompetenzzentrum Informatik an der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-58099
Email: presse@cs.uni-sb.de

Während der CeBIT wenden Sie sich für Terminabsprachen bitte an: Tel. 0511/89 49 71 80 oder Fax 0511/89 69 71 84

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de
http://www.informatik-saarland.de

Weitere Berichte zu: Boeing CeBIT Computergraphik Echtzeit-Ray-Tracing Ray-Tracing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Das Start-up inveox will Krebsdiagnosen durch Automatisierung im Labor zuverlässiger machen
15.06.2018 | Technische Universität München

nachricht Fußball durch die Augen des Computers
14.06.2018 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics