Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

edacentrum: Neues Chipdesign-Zentrum an der Universität Hannover

06.09.2001


Ministerin weiht "edacentrum" an der Uni Hannover ein

Bulmahn: "Für den Standort Deutschland müssen Forschungsministerium, Forschungsinstitute und Industrie alle Kräfte zur Automatisierung des Chip-Entwurfs bündeln"


Am heutigen Montag weihte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, das Deutsche Zentrum für Electronic Design Automation (edacentrum) an der Universität Hannover ein. Das edacentrum ist eine gemein-same Aktion von Industrie, Hochschulforschung und dem BMBF zum Aufbau eines EDA-Netzwerkes, mit dem die Automatisierung des Chip-Entwurfs beschleunigt werden soll. Mikrochips finden sich heute in fast allen Geräten des Alltags, egal ob Handy oder Waschmaschine.

"Mikroelektronik ist heute die Schlüsseltechnologie für die Informations- und Kommunikationsgesellschaft. Mit dem hannoverschen edacentrum wird im High-tech-Land Deutschland ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Fähigkeit, hochkomplexe Chips entwerfen zu können, erreicht", unterstrich Bulmahn. "Kein industrieller Anbieter war und ist für sich alleine in der Lage, die für den Chipentwurf erforderlichen Methoden und Werkzeuge selbst zu entwickeln. Mit der heutigen Einweihung wird dem Thema EDA in Gesellschaft, Politik und Industrie ein wichtiger Platz eingeräumt." Vom BMBF für die nächsten drei Jahre mit jeweils einer Millionen Mark ausgestattet werde das edacentrum bundesweit Forschungsprojekte für 80 Millionen Mark koordinieren.


Der Fortschritt in der Mikroelektronik mit ihren zunehmend komplexeren Schaltkreisen werde zukünftig sehr stark durch die Entwurfsgeschwindigkeit bestimmt. Der Aufwand für das Design zukünftiger Superchips werde aber enorm. Bulmahn: "Wer Superchips entwerfen und herstellen kann, wird die Marktführerschaft in einem Bereich übernehmen, der das Fundament der zukünftigen Informations- und Kommunikationsgesellschaft darstellt."

Auch in Deutschland setze sich mehr und mehr bei der Halbleiterindustrie die Erkenntnis durch, zur Sicherstellung der Designfähigkeit größere eigene Anstrengungen unternehmen zu müssen. Mit dem edacentrum habe die deutsche Industrie - unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - einen entscheidenden Schritt getan. Das edacentrum werde die Schwerpunkte für die Zukunft herausarbeiten, Kompetenzen bündeln sowie Forschungsprojekte anregen und koordinieren.

Für die Universität Hannover bedeutet das neue Chipdesign-Zentrum einen Kompetenz- und Imagegewinn. "Die mikroelektronische Branche schaut nach Hannover: Mit der Gründung des edacentrums wird Hannover zum EDA-Standort", erläuterte Universitätspräsident Professor Ludwig Schätzl die Bedeutung des Zentrums für die Universität und die Region. "Diese Ansiedlung an der Universität Hannover kommt nicht von ungefähr: Sie zeigt, dass das Institut für Mikro-elektronische Schaltungen und Systeme der Universität Hannover in der Vergangenheit einen wesentlichen Anteil an der EDA-Forschung in Deutschland hatte."


EDA und edacentrum

EDA, "Electronic Design Automation", zu deutsch "Entwurfsautomatisierung" ist heute die Basis für die Schlüsseltechnologie Mikroelektronik, die den Alltag in der Informations- und Kommunikationsgesellschaft bestimmt. Nur wer hier ganz vorne ist, kann im internationalen Wettbewerb mithalten.

Mikroelektronische Chips werden immer kleiner, die Prozessoren immer schneller, die Computer immer billiger. Sie werden immer komplexer, zugleich verkürzen sich die Produktlebenszyklen, das heißt, der Zeitraum für die Entwicklung eines neuen Chips wird immer kürzer. Die Komplexität der neuen Chips ist ohne massive Rechnerunterstützung nicht mehr beherrschbar.

Die Herausforderung liegt aber nicht nur in der Fertigung dieser hochkomplexen Chips, sondern ebenso im Entwurf. Das Innenleben von Halbleiterchips wird mit Hilfe von Simulationsprogrammen am Computer entworfen. So kann auch vor der eigentlichen Fertigung bereits am Computer überprüft werden, ob der Chip funktioniert. Das Problem: Die Fertigungstechnik entwickelt sich deutlich schneller als die Entwurfstechnik. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, dann kann die Halbleiterindustrie in Zukunft gar nicht so komplexe Chips entwerfen, wie sie sie bauen könnte - der Entwurf könnte zum entscheidenden Engpass werden.

Für den Entwurf solcher komplexer Chips werden schon heute Teams von mehr als hundert Ingenieuren eingesetzt. Diese Gruppen zu vergrößern wäre wegen des hohen Aufwands für Koordination und Projektmanagement nicht nur weniger effizient, sondern auch zu teuer: Bei der jetzt vorhandenen Steigerung der Entwurfsproduktivität würde die Entwicklung eines Chips im Jahre 2010 etwa fünf bis sieben Milliarden Mark kosten - so viel wie die Entwicklung des Airbus A380.

Die Automatisierung des Entwurfs ist deshalb der Schlüssel zur Beherrschung der Komplexität und damit zu den Systemen der Zukunft. Doch weder Industrie noch Forschung werden allein in der Lage sein, die erforderlichen Methoden und Werkzeuge zu entwickeln. Nur in konzertierter Aktion - wie es das edacentrum bietet - kann die Entwurfskompetenz weiterentwickelt werden.


edacentrum

Das edacentrum versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Fragen der Entwurfsautomatisierung. Hier sind alle, d. h. Forschungseinrichtungen, Chipentwickler und Halbleiterindustrie, aufgerufen, zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Lösungswege aufzuzeigen. Mit der Gründung des edacentrums wird man der zukünftigen Bedeutung der Entwurfsautomatisierung als Schlüssel zur Mikroelektronik und zu den Systemen der Zukunft gerecht. Die Lösung des Problems ist wichtiger denn je, um das enorme Wertschöpfungspotenzial der Mikroelektronik ausnutzen zu können.

Im deutschen edacentrum sind alle Kompetenzträger vertreten. Mit der Gründung des edacentrums haben EDA-Anbieter, Halbleiterindustrie und Forschung eine gemeinsame Plattform geschaffen, um Forschungsergebnisse und deren wirtschaftlichen Nutzen zu fördern und zu vermitteln. Die Liste der Aufsichtsratsmitglieder liest sich wie das Who`s who der internationalen Mikroelektronik-Industrie: Infineon, Philips, Bosch, Nokia und Atmel. Weiterhin wirken IBM, AMD, Cadence, Melexis, die Universitäten Hannover und Tübingen sowie das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Dresden mit.

Monika Wegener | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie