Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit virtuellem Volldampf voraus

12.08.2005


Der Kindheitstraum vom Lokomotivführer lässt sich nun zumindest auf dem PC verwirklichen. Ein virtueller Dampflokführerstand hilft bei der Ausbildung von Ehrenlokführern und Lehrlingen. In einer abgespeckten Version können auch Laien durch den Harz dampfen.


Die Räder und Hebel im virtuellen Führerstand lassen sich interaktiv bedienen. Uhren zeigen den Betriebszustand an. So kann der Bediener die Dampflok auf Fahrt durch eine animierte Mittelgebirgslandschaft bringen.
© Fraunhofer IFF



Jeden Sommer fahren historische Dampfzüge auf Nostalgietouren durch Deutschland, etwa die Fränkische Schweiz, den Schwarzwald oder Thüringen. Das ganze Jahr über hingegen rattern sie durch den Harz. Rund 10 von insgesamt 27 Loks fahren im Regelbetrieb. Jährlich befördern die Züge auf 130 Kilometern Schmalspurstrecke rund 1,1 Millionen Fahrgäste. Mitarbeiter des Betreibers Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), der Hochschule Harz in Wernigerode und Forscher vom Virtual Development and Training Centre VDTC des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg haben nun einen virtuellen Dampflokführerstand aufgebaut. Er wird die HSB künftig bei der Ausbildung ihrer Lehrlinge und Ehrenlokführer unterstützen. In einer etwas reduzierten, käuflichen Version des Programms können sich auch Dampflokfans an ihrem heimischen Rechner als Fahrer der neu gebauten Lok mit der Nummer 99 7232 versuchen.

... mehr zu:
»Dampflokführerstand »Harz »Lok »Volldampf


"Normalerweise modellieren und planen wir mit unserer Software modernste Industrieanlagen", sagt Marco Schumann, Projektleiter am IFF. "Es war eine Herausforderung, mit dem gleichen Werkzeug eine historische Lok, von der nur noch sehr wenige technische Zeichnungen existieren, authentisch darzustellen." In Fleißarbeit sammelten die Forscher aus alten Plänen und Büchern die Daten für das 3-D-Modell zusammen. Fehlendes ergänzten sie durch Messungen am Original. Zusammen mit Experten der HSB belegten sie dann jedes Hebelchen, jeden Schalter und jedes Manometer der Lok mit den zugehörigen Funktionen. Im fertigen Programm können angehende Profis und Hobbylokführer nun eine Dampflok interaktiv vom kleinen Harzer Örtchen Schierke bis zur Endstation Brocken steuern - Aussicht und Geräuschkulisse inklusive. "Wir können auch versteckte Vorgänge sichtbar machen, etwa den Weg des Dampfs durch die Maschine", nennt Schumann einen wesentlichen Vorteil der virtuellen Darstellung. "Zudem können Lokführerlehrlinge kritische Betriebszustände und brenzlige Situationen vollkommen gefahrlos durchspielen und üben."

Der Aufwand für solche virtuellen historischen Modelle ist hoch. Aber Schumann sieht darin eine Chance, Wissen um die Funktion technischer Oldtimer, das sonst möglicherweise verloren geht, zu bewahren. "Im Architekturbereich lassen Historiker so bereits ganze Städte wieder auferstehen. Wir können mit virtueller Realität alle möglichen Meilensteine der Industriegeschichte interaktiv erfahrbar machen." So ließe sich etwa die Dampflokfahrt um einen holprigen Ausflug in einem der ersten Automobile ergänzen.

Ansprechpartner:
Dipl.-Inf. Marco Schumann
Telefon: 03 91 / 40 90-1 58
Marco.schumann@iff.fraunhofer.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.vdtc.de
http://www.hsb-wr.de

Weitere Berichte zu: Dampflokführerstand Harz Lok Volldampf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten