Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Speer mit Bordelektronik

28.08.2003


Auswertung von Videoaufzeichnungen, exakte Analyse des Bewegungsablaufs - im Hochleistungssport hält immer mehr Technik Einzug. Nun haben auch die Speerwerfer ein neues Werkzeug, das sie beim Training unterstützt. Der digitale Speer misst Beschleunigung und Geschwindigkeit während der Anlauf- und Abwurfphase.




Mit einer Mischung aus tänzelnden, springenden Schritten nehmen Speerwerfer Anlauf. Sie drehen den Oberkörper nach hinten, holen weit aus und reißen innerhalb von Sekundenbruchteilen Arm und Wurfgerät nach vorn. Erstaunliche Kräfte werden bei diesem komplexen Bewegungsablauf frei. Bis zu 800 Gramm wiegt ein moderner Wettkampfspeer. Profis schleudern ihn 98 Meter weit.



Obwohl die Bewegungen rasend schnell ablaufen, können erfahrene Trainer einen Wurf interpretieren und erkennen, wie sich die Technik verbessern lässt. Um die Leistung aber objektiv bewerten zu können, greifen auch sie auf Messgeräte zurück. Bisher wurden dazu Tensospeere in die Luft geschleudert, die über Drähte mit einer Auswerte-Elektronik verbunden sind. Zwar ließ sich damit die Abwurfgeschwindigkeit messen. Die Verkabelung aber störte den Bewegungsablauf, was die Messergebnisse verfälschte. Darüber hinaus ließen sich die Geräte nur unter Laborbedingungen testen. Sie landeten nach kurzem Flug in einem Netz.

Ingenieure vom Magdeburger Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF um den Forscher Ralf Warnemünde haben jetzt gemeinsam mit Experten vom Olympiastützpunkt Magdeburg einen »Digitalen Wurfspeer « entwickelt, der sich rein äußerlich kaum vom gewöhnlichen Sportgerät unterscheidet und unter normalen Trainingsbedingungen getestet werden kann. Der Clou: Die Beschleunigungssensoren und Mikro-Prozessoren sind ausgesprochen klein. Das ganze Hightech-Paket wiegt nur etwa 75 Gramm. Der Speer ist damit nur etwa knapp zehn Prozent schwerer als die üblichen Wettkampfgeräte.

Während der Anlauf- und Abwurfphase misst die Bordelektronik 500 Mal pro Sekunde die Beschleunigung und speichert die Daten auf einem Computerchip. Über einen eigens entwickelten Magnetadapter kann die Information direkt nach dem Wurf auf einen Laptop überspielt werden. Anhand einer grafischen Beschleunigungs- und Geschwindigkeitskurve erkennen Trainer und Sportler sofort, wie gut der Abwurf war.

»Wichtig ist dabei der Punkt der größten Beschleunigung und die Abwurfgeschwindigkeit «, sagt Maria Ritschel, die als Speerwurf-Bundestrainerin für Frauen am Wurfzentrum Halle mit dem IFF zusammenarbeitet. Ideal sei ein extrem steiler, fast nadelförmiger Beschleunigungsverlauf - die Beschleunigungsexplosion - eine Frage des Talents.

In Halle wird der Speer inzwischen zu Beginn bestimmter Trainingsphasen eingesetzt, um den Leistungsstand der Sportler einzuschätzen. Stehen Wettkämpfe an, wird das Gerät für letzte Optimierungen der Wurftechnik genutzt. Auch zur Bewertung von Nachwuchsathleten greifen die Trainer zum neuen Messgerät. Um Talente mit perfektem Abwurf zu erkennen, sei es eine ideale Entscheidungshilfe. Der Verdienst der Forscher liegt vor allem in der pfiffigen Kombination der Komponenten. Der mikromechanische Sensor, der Prozessor und ein Akku, der das System zwei Stunden lang mit Strom versorgt, sind auf engstem Raum verpackt. Zudem musste die Bordelektronik stoßfest und robust im Speer fixiert werden; angesichts der starken Kräfte die beim Abwurf und der Landung auf den Speer wirken keine leichte Aufgabe.

Ralf Warnemünde | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iff.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Beschleunigung Bewegungsablauf Bordelektronik Messgerät

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics