Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnell und zuverlässig große Datenmengen sichern

23.07.2002


Informatiker der Universität Jena entwickeln neues Modell zur Datensicherung

Jena In vielen Bereichen der Wirtschaft spielen heute Datenbanken eine entscheidende Rolle, um mit sehr großen Datenmengen effizient und sicher umgehen zu können. Von den Großbanken, mit ihren Millionen von Kontobewegungen pro Tag, die in Datenbanken sicher aufgezeichnet werden müssen, bis hin zu Datenbanken in der Genforschung, wo riesige Informationsmengen erzeugt und aufbewahrt werden. Solche Daten sind Teil des Kapitals dieser Unternehmen und müssen daher sorgfältig geschützt werden. Sie dürfen unter keinen Umständen, z. B. bei einem Stromausfall oder Computerabsturz, verloren gehen. Wie sie schnell und zuverlässig gesichert und nach Störungen wiederhergestellt werden können, haben jetzt Informatiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht.

Man benutzt in der industriellen Praxis Verfahren, wie sie auch am heimischen PC üblich sind: Von wichtigen Daten werden regelmäßig Sicherungskopien angefertigt (Backup). Im Fehlerfall ist man dann in der Lage, die Datenbank von der Sicherungskopie aus wiederherzustellen (Restore). Allerdings umfassen industrielle Datenbanken mehrere Millionen oder gar Milliarden Datensätze, so dass eine Sicherung viele Stunden dauern kann. Die normale Datenbanknutzung wird dabei behindert oder es reicht der geplante Zeitraum, etwa in den Nachtstunden, gar nicht mehr aus, um die Datensicherung fertig zu stellen.

In Praxis und Wissenschaft existieren natürlich Lösungsvarianten für diese Problematik, beispielsweise indem man nur Teile der Datenbanken sichert. "Trotz allem ist die schiere Menge der zu kopierenden Daten der begrenzende Faktor", erklärt der Jenaer Informatiker Christoph Gollmick. Er setzt darauf, Parallelität bei Sicherung und Wiederherstellung auszunutzen. Dabei wird nicht nur auf einer Festplatte gespeichert, sondern gleichzeitig auf mehreren Festplatten parallel, womit ein deutlicher Zeitvorteil erzielt wird.

Wie steuert man aber in der Praxis das Kopieren einer Datenbank, die auf 50 oder mehr Festplatten gespeichert ist und deren Sicherungskopie auf 16 Festplatten verteilt werden soll? In welcher Reihenfolge geht man vor, und wie stellt man sicher, dass im Fehlerfall auch das Wiederherstellen schnell geht? Diese und weitere Fragen wurden von Jenaer Informatikern erstmalig wissenschaftlich untersucht.

Am Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme der Friedrich-Schiller-Universität haben Christoph Gollmick und Dr. Uta Störl nun verschiedene Verfahren entwickelt und getestet, um paralleles Sichern und paralleles Wiederherstellen geeignet durchzuführen. Ein Referenzsystem für die Untersuchungen war dabei das Datenbankprodukt "DB2" der Firma IBM, einem langjährigen Partner des Lehrstuhls. Mit Hilfe eines neu entwickelten Puffer-Prozess-Modells sind die Jenaer Informatiker in der Lage, alle möglichen Varianten für das parallele Sichern und Wiederherstellen zu programmieren. Diese Flexibilität erlaubt es, nicht nur schnelle Verfahren, sondern auch Robustheit gegenüber Störungen anzubieten. So kann eine lang laufende Sicherung z. B. auch dann fortgesetzt werden, wenn bei einem der parallel eingesetzten Sicherungsgeräte die Elektronik ausfällt.

Die beiden Jenaer Informatiker - Dr. Uta Störl arbeitet nach abgeschlossener Promotion mittlerweile bei der Dresdner Bank in Frankfurt - hoffen, dass ihre Verfahren bald in kommerzielle Datenbankprodukte einfließen, da diese, wie ihre Recherchen zeigten, paralleles Sichern und paralleles Wiederherstellen meist nur rudimentär beherrschen.

Kontakt:


Dipl.-Inf. Christoph Gollmick
Institut für Informatik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena

Tel. 03641/946367
Fax: 03641/946302
E-Mail: gollmick@informatik.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Datenmenge Festplatte Sicherungskopie Wiederherstellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten
22.08.2017 | Fraunhofer IPM

nachricht Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement
21.08.2017 | ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie