Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angriff der Sprachcomputer

23.07.2008
Darmstädter Forscher warnen vor automatisierter Telefonwerbung und präsentieren Software für VoIP-Sicherheitstests

4 Uhr nachts, das Telefon klingelt, müde heben Sie den Hörer ab. Am anderen Ende meldet sich aber kein Mensch, sondern eine Computerstimme mit einer Werbebotschaft.

Solche Anrufe funktionieren wie Email-Spam und heißen deshalb SPIT (Spam over Internet Telephony). Möglich macht es die neuartige VoIP-Telefonie, bei der Sprachsignale mittels Internettechnologie übertragen werden. "Dadurch sinken die Kosten für einen Anrufer enorm, und das können auch unseriöse Geschäftemacher oder Saboteure nutzen, um mit Hilfe von Computern massenhaft automatisierte Anrufe zu tätigen", sagt Nicolai Kuntze vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie.

Er und seine Kollegen haben eine Simulationssoftware entwickelt, mit der sich die Verwundbarkeit von VoIP-Anlagen testen lässt. Erste Versuche zeigen: Alle Typen von VoIP-Anlagen sind betroffen, und es gibt noch keinen wirksamen Schutz. Weitere Details enthält die Studie "SPAM over Internet Telephony and how to deal with it" von Dr. Andreas U. Schmidt, Nicolai Kuntze (beide Fraunhofer SIT) und Rachid El Khayari von der Technischen Universität Darmstadt, die über die Homepage des Fraunhofer-Instituts SIT unter www.sit.fraunhofer.de zugänglich ist.

Die Bekämpfung von SPIT ist viel schwieriger als die von E-Mail-SPAM, weil Inhalte erst während des Gesprächs überprüft werden können. SPAM-E-Mails hingegen können Anti-Spam-Programme schon unterwegs auf einem Server erkennen und abfangen. Dass die SPIT-Versender (SPITTER) die Details der VoIP-Accounts - sprich die Telefonnummern - in den seltensten Fällen kennen, ist kein Hinderungsgrund. Die Darmstädter Wissenschaftler zeigen, dass es mit relativ einfachen Mitteln machbar ist, Adressräume von VoIP-Anbietern zu ermitteln und dann einfach alle möglichen Zahlenkombinationen in diesem Bereich ausprobieren. Da das auch parallel oder minimal zeitversetzt geschehen kann, können die SPITTER problemlos tausende von Anrufen in kürzester Zeit tätigen.

Gegenmaßnahmen aus der Spam-Bekämpfung (Geräte-Fingerabdruck, Blacklisting, Turing-Tests, Honigtöpfe, etc.) bieten bislang keine wirkliche Abhilfe, weil sie für die Anwendung im Telefonbereich technisch nicht geeignet sind. Um passende Kombinationen von Abwehrmaßnahmen testen zu können, haben die Fraunhofer-Forscher auf Basis des frei verfügbaren Testtools SIPp den SIP XML Scenario Maker (SXSM) entwickelt.

SXSM simuliert einen SPIT-Anrufer und produziert SPIT-Testanrufe nach definierbaren Kriterien, versendet sie und speichert die entstehenden Rückmeldungen auf Empfängerseite in Tabellen, die dann ausgewertet werden können. Das Werkzeug arbeitet also wie ein Angreifer und zeigt dem Verteidiger hinterher seine Erfolgsbilanz. Die Software ist für Interessenten aus dem Provider-Bereich auf Anfrage beim Co-Autor der Studie, Nicolai Kuntze, erhältlich (nicolai.kuntze@sit.fraunhofer.de). Den Quellcode des SXSM-Werkzeugs kann man bei Google unter http://code.google.com/p/sxsm herunterladen.

Oliver Küch | idw
Weitere Informationen:
http://www.sit.fraunhofer.de/
http://code.google.com/p/sxsm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Modellfabrik Industrie 4.0: Forschungs- und Trainingsplattform für Wissenschaft und Wirtschaft
28.03.2017 | Hochschule Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit