Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Bergwerk der Informationen

25.01.2008
Datenbanken, Textarchive, Unternehmensnetze und das Web enthalten unzählige Informationen. Doch aus diesen Massen die wichtigen Daten oder gar neue Erkenntnisse herauszufiltern, ist schwierig. Semantische Techniken und Visuelle Analysen helfen, die Übersicht im Datendschungel zu behalten.

Auf der CeBIT in Hannover (4.-9. März) stellen Fraunhofer-Forscher neue Verfahren vor.

Man muss nicht alles wissen - man muss nur wissen, wo es steht. So lautet ein gern zitierter Spruch. Doch das wird im Zeitalter der digitalen Information immer schwieriger. Das Wissen ist weltweit verteilt - wie soll man da die gesuchten Informationen finden? Eine Recherche im Internet oder Firmennetz hilft oft nicht weiter. Entweder man erhält tausende oder gar keinen Treffer.

Das Problem: Suchprogramme verstehen nur einzelne Begriffe. Zusammenhänge zwischen Worten oder gar die Bedeutung eines ganzen Satzes - die Semantik - bleiben ihnen verborgen. Für Google, Yahoo oder MSN macht es keinen Unterschied, ob der Rechercheur mit der Eingabe "Netz" ein Spinnennetz, das Internet oder das Schienennetz der Bahn meint.

Wikinger - schneller und gezielter recherchieren

In dem Verbundprojekt "Wikinger" unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin arbeiten Informatiker, Ingenieurs- und Geschichtswissenschaftler zusammen, um Suchanwendungen ein höheres Maß an Textverständnis beizubringen. Dazu setzen sie Methoden ein, mit denen Wissen über Beziehungen in den Dokumenten erschlossen werden kann - etwa dass der Begriff Netz sowohl mit "Neuen Medien", "Natur" oder "Verkehr" in Verbindung gebracht werden kann. So kann die Wissensplattform dann halbautomatisch selbst semantische Netze entwickeln, die dem Nutzer das gezielte Recherchieren erleichtern. "Diese Technologie ist beispielsweise für die Erschließung von Textarchiven geeignet, etwa in Zeitungsverlagen", erklärt Projektleiter Lars Bröcker vom IAIS, "aber auch überall dort, wo große Datenbanken durchsucht oder multimediale Daten verknüpft werden müssen, um zusätzliches, neues Wissen zu erhalten."

ConWeaver - Orientierung in den Firmen-Datenbanken

Auf Probleme mittelständischer oder großer Firmen ist die Suchmaschine ConWeaver zugeschnitten, die eine Arbeitsgruppe des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt unter Leitung von Dr. Thomas Kamps entwickelt hat. In vielen Unternehmen verschwenden Mitarbeiter wertvolle Arbeitszeit mit dem Durchforsten von Kunden-, Lieferanten- und Expertendatenbanken oder von Textdokumenten, um bestimmte Informationen herauszufiltern. Die Suchmaschine ConWeaver (www.conweaver.de) ermöglicht es, heterogenes Firmen Know-how automatisch zu vernetzen und für Geschäftsprozesse nutzbar zu machen. Eine einzige Eingabe genügt, und die Software durchsucht alle verschiedenen Datenquellen eines Unternehmens. Dabei bezieht ConWeaver nicht nur den vom Nutzer eingegebenen Begriff in die Suche ein, sondern auch dessen Übersetzung in andere Sprachen sowie thematische Zusammenhänge. Sie erzeugt aus den Unternehmensdaten automatisch ein semantisches Wissensnetz. So erkennt ConWeaver etwa, dass das Wort "Kunde" in der Vertriebsdatenbank gleichbedeutend ist mit "customer" im E-Mail-Archiv und "Auftraggeber" in der Projektdokumentation. "Im Gegensatz zu herkömmlichen Suchmaschinen erzeugt ConWeaver einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichsten Datenformaten", erläutert Thomas Kamps. "Dadurch kann die Software sowohl unstrukturierte als auch strukturierte Informationsquellen effizient durchsuchen."

Visual Analytics - Blüten der Erkenntnis

Die richtigen Informationen in großen Datenmengen erfolgreich zu finden ist eine Sache. Sie so darzustellen, dass der Nutzer sie auch optimal verwerten kann, ist eine zusätzliche Herausforderung. Denn je umfassender Informationen sind, desto schwerer behält man den Überblick. Ein Team um Dr. Jörn Kohlhammer am IGD verbindet die automatische Datenanalyse mit neuartigen Techniken zur Visualisierung. Die Forscher nutzen dabei die unterschiedlichen Fähigkeiten von Computer und Mensch: Der Rechner ist zuständig für die sequentielle Abarbeitung großer Datenmengen und deren Verwandlung in eine für den Menschen erfassbare optische Darstellung. Dieser kann sich auf die Erkennung von Mustern, die Bewertung und Auswertung der betrachteten Daten konzentrieren. "Es handelt sich hier um eine sehr enge Arbeitsteilung zwischen Mensch und Computer", sagt Jörn Kohlhammer, "wobei der Mensch im Vordergrund steht. Nicht das System entscheidet, sondern immer der Nutzer."

Derartige Visualisierungen sind etwa für Finanzdienstleister interessant. Hier sind die Daten meist so umfangreich und vielfältig, dass eine aussagekräftige Bewertung auf die Schnelle unmöglich ist. Visuelle Darstellungen erleichtern den Überblick: Werden dem Analysten auf dem Bildschirm die Auswertung der Beteiligungsstrukturen von Unternehmen nicht mehr als nüchterne Zahlentabellen, sondern in Form intuitiv erfassbarer Strukturen dargestellt, kann er daraus schnell und gezielt Schlüsse ziehen. Andere Visualisierungstechniken erlauben es, die Aktienkurse vieler Unternehmen gleichzeitig zu beobachten und Schlüsse aus der vergangenen Entwicklung zu ziehen. So kommen oft Korrelationen optisch zum Vorschein, die sonst im Zahlenwust untergehen würden.

Die neuen Data-Mining- und Visual Analytics-Verfahren stellen Wissenschafter auf dem Fraunhofer-Stand in Halle 9, Stand B36, vor.

Ansprechpartner:
Dipl.-Inf. Lars Bröcker
Telefon 02241 14-1993
lars.broecker@iais.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS
Schloss Birlinghoven
53754 Sankt Augustin
Dr.-Ing. Thomas Kamps
Telefon 06151 155-651
thomas.kamps@igd.fraunhofer.de
Dr.-Ing. Jörn Kohlhammer
Telefon 06151 155-646
joern.kohlhammer@igd.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD
Fraunhoferstraße 5
64283 Darmstadt

Beate Koch | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iais.fraunhofer.de
http://www.igd.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: ConWeaver Graphische Datenverarbeitung IAIS Suchmaschine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik