Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Algorithmus erkennt Online-Sarkasmus

20.05.2010
Forscher demonstrieren Ansatz am Beispiel von Amazon-Rezensionen

Informatiker an der Hebrew University of Jerusalem haben einen Algorithmus entwickelt, der Sarkasmus in Online-Postings erkennen kann. Mithilfe eines derartigen Sarkasmus-Detektors könnten den Forschern zufolge Zusammenfassungen von Kundenrezensionen oder deren Reihung auf Webseiten wie beispielsweise Amazon verbessert werden.

Dass SASI (Semi-supervised Algorithm for Sarcasm Identification) tatsächlich funktioniert, hat das Team rund um den Informatikprofessor Ari Rappoport am Beispiel des Onlinehändlers gezeigt. Die Software konnte in einem Experiment mit 77-prozentiger Genauigkeit erkennen, ob sie es in Amazon-Rezensionen mit sarkastischen Sätzen zu tun hat. Angesichts der oft subtilen Natur des Sarkasmus ist das ein beachtlicher Wert.

Sarkasmus auf Amazon

Im Experiment wurden alle Sätze aus insgesamt 66.000 englischsprachigen Amazon-Kundenrezensionen zu 120 Produkten von SASI bewertet. Um das zu ermöglichen, haben die israelischen Forscher auf eine fünfteilige Skala für zunehmenden Sarkasmus gesetzt, wobei die Werte eins und zwei für normale Formulierungen stehen. Zunächst wurden ausgewählte Beispielsätze von Menschen auf dieser Skala eingestuft.

So entstand ein Trainingsset für den Algorithmus, aus dem Wortabfolge-Muster extrahiert wurden, die als Sarkasmus-Hinweis dienen. Damit hat SASI dann die 66.000 Rezensionen auf sarkastische Formulierungen untersucht. Um abzuschätzen, wie treffsicher die damit erfolgte Erkennung ist, haben dann 15 menschliche Probanden eine Auswahl aus je 90 Sätzen beurteilt, die SASI als sarkastisch beziehungsweise normal eingestuft hat. Mit dieser Vergleichsbasis kamen die Informatiker zum Schluss, dass ihr Algorithmus in mehr als drei Vierteln der Fälle richtig liegt.

Personalisierungs-Vorteil

Eine Sarkasmus-Erkennung könnte Rappoport und seinen Mitarbeitern zufolge gerade auf Seiten wie Amazon auch praktischen Nutzen haben. Denn viele Nutzer würden sarkastische Rezensionen wenig hilfreich finden. Andererseits gäbe es auch User, die diesen Stil schätzen. Daher könne eine Sarkasmus-Erkennung gerade für eine personalisierte Darstellung der Kundenrezensionen von Vorteil sein. Dazu, wie leicht sich die Methode auch auf andere Sprachen als Englisch umlegen ließe, haben die Informatiker allerdings keine Angaben gemacht.

Die Arbeit mit dem Titel "ICWSM - A Great Catchy Name: Semi-Supervised Recognition of Sarcastic Sentences in Product Reviews" wird kommende Woche im Rahmen der 4th International AAAI Conference on Weblogs and Social Media http://www.icwsm.org/2010 genauer vorgestellt. Seit dem Amazon-Experiment haben die Forscher ihre Sarkasmus-Erkennung auch bei Twitter getestet.

"ICWSM - A Great Catchy Name: Semi-Supervised Recognition of Sarcastic Sentences in Product Reviews" (PDF): http://www.cs.huji.ac.il/~arir/10-sarcasmAmazonICWSM10.pdf

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cs.huji.ac.il

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie