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Zeit für den Schichtwechsel

21.03.2012
Am 1. März 2012 fand die Abschlusstagung des SCHICHT-Projektes, das vom BMBF und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert wird, statt.

Der Abschluss war zugleich Auftakt für die Verstetigung der Ergebnisse für Work-Life-Balance-Maßnahmen an den Chemiestandorten Bitterfeld-Wolfen und Leuna. Es trafen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Halle (Saale), um über Bedingungen und Maßnahmen von Flexibilität und Stabilität bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben zu diskutieren.

Unter dem Titel „Schichtwechsel – Lösungsansätze für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit“ hatten das Zentrum für Sozialforschung Halle (ZSH), das Qualifizierungsförderwerk Chemie (QFC), das Servicebüro Bitterfeld-Wolfen und die InfraLeuna GmbH zur Tagung eingeladen. Nach der Eröffnung durch die Oberbürgermeisterin von Bitterfeld-Wolfen, Petra Wust, folgten Vorträge, die verschiedene Aspekte von „Vereinbarkeit“ beleuchteten und dabei explizit den Praxisbezug in den Vordergrund rückten.

In ihrem Auftaktvortrag betonte Frau Ursula Günster-Schöning von der Emsländer Stiftung „Beruf und Familie“ die Notwendigkeit für Betriebe, bei Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie von einer „Entweder – Oder“ zu einer „Sowohl – als – auch“ Logik überzugehen. Diesem Apell folgte – vor allem auch an Hand ökonomischer Faktoren – die Darstellung von in der Praxis bereits umgesetzten und bewährten Maßnahmen, die zeigten wie ein solcher Wechsel realisiert werden kann.

Im darauffolgenden Beitrag wurde von Dr. Brigitt Koschel (IHK Bildungszentrum) das audit berufundfamilie präsentiert und der Ansatz in einer neuen Umsetzung auch für kleine und mittelständische Unternehmen vorgestellt.

Große Aufmerksamkeit bekam der Beitrag von Frau Dr. Hiltraud Paridon, Leiterin des Bereichs „Psychische Belastungen und Gesundheit“ am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Sie gab einen Einblick in die konkreten gesundheitlichen und sozialen Folgen von Schichtarbeit. So verwies sie darauf, dass kontinuierliche Schichtarbeit z.B. das Risiko für Schlafstörungen erhöht oder auch das Kurzzeitgedächtnis verschlechtert. Im Anschluss daran ergab sich eine angeregte Diskussion über das Für und Wider von 12-Stunden-Schichten, die von Frau Dr. Paridon eher kritisch gesehen werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung kamen in Podiumsdiskussionen Praktiker zu Wort, die ihre eigenen, ganz unterschiedlichen Lösungen für Vereinbarkeitsprobleme vorstellten: Beispielhaft seien an dieser Stelle Ansätze für eine Übernachtbetreuung von Kindern im häuslichen Umfeld wie auch bei privaten Trägern genannt. Ein wichtiges Stichwort war das „Servicebüro“, das, in Leuna entwickelt, erfolgreich in Bitterfeld-Wolfen und weiteren Orten etabliert werden konnte. Mit der Idee des Servicebüros soll allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an einem Standort schneller und gezielter Zugang zu professioneller Hilfe in bestimmten Lebenslagen (Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Suche nach Wohnungen oder Sportvereinen) angeboten werden.

Die Tagung, die Sabine Böttcher, Bettina Wiener (beide ZSH) und Jana Csongár (QFC) vorbereitet hatten, bildete den Höhepunkt im dritten Projektjahr von „SCHICHT – Schichtarbeit zwischen Anforderungen von Arbeitswelt und Lebenswelt“.

Ingo Wiekert | idw
Weitere Informationen:
http://www.familieplusunternehmen.de/
http://www.youtube.com/user/zshonline

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