Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie sicher ist die Situation am Arbeitsmarkt?

24.03.2014

Anne Balz vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften zeigt, wie sich die Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat, wie sie sich innerhalb der EU-Staaten unterscheidet und wie die Beschäftigungssituation von den Arbeitnehmern subjektiv wahrgenommen und bewertet wird.

Wie sicher ist der europäische Arbeitsmarkt? Diese Frage beantwortet Balz, indem sie vergleicht, wie sich die Wahrscheinlichkeit des Arbeitsplatzverlustes im Verhältnis zu den Wiederbeschäftigungschancen in den Berufen in den vergangenen Jahren in Europa entwickelt hat.

Die Bilanz: Deutschland ist neben Malta das einzige Land, in dem die Arbeitsplatzverlustrate gesunken ist. Allerdings zeigt sich auch, dass in Deutschland die Wiederbeschäftigungsrate unter den Arbeitslosen im EU-Vergleich relativ niedrig ist. Dies könnte, laut Balz, zumindest teilweise dadurch zu erklären sein, dass die Arbeitslosenrate in Deutschland insgesamt eher niedrig ist, der Anteil der Langzeitarbeitslosen jedoch vergleichsweise hoch.

Insbesondere Langzeitarbeitslose weisen eine relativ geringe Mobilität aus der Arbeitslosigkeit heraus auf. Auf einem Arbeitsmarkt wie dem deutschen, der von einer steigenden Erwerbstätigkeitsquote gekennzeichnet ist, sind demnach vor allem Erwerbspersonen von Arbeitslosigkeit betroffen, die aufgrund ihrer Ausbildung, ihres Berufs oder ihres Alters schwer vermittelbar sind, was sich dann in einer vergleichsweise niedrigen Wiederbeschäftigungsquote niederschlägt.

Für den Rest von Europa zeigt sich im Vergleich zum EU-Durchschnitt vor allem in Südeuropa eine relativ unsichere Arbeitsmarktsituation. Besonders trifft dies, wie nicht anders zu erwarten, auf Griechenland zu. In Griechenland hat sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdreifacht, in Spanien und Italien nahezu verdoppelt.

Dagegen weisen die skandinavischen Länder im Ländervergleich tendenziell günstige Arbeitsmarktbedingungen auf, mit verhältnismäßig niedrigen Eintrittsraten in die und hohen Austrittsraten aus der Arbeitslosigkeit. Auch der Arbeitsmarkt in England bietet vergleichsweise positive Bedingungen.

Wie schätzen Arbeitnehmer in Europa das Risiko eines Arbeitsplatzverlustes und ihre Chancen, in diesem Fall zügig einen neuen Arbeitsplatz zu finden, subjektiv ein? Diese Frage beantwortet Anne Balz auf der Basis einer Befragung von Erwerbstätigen in Europa.

Erfreulich ist, dass die Einschätzung der persönlichen Situation in vielen europäischen Ländern überwiegend positiv ausfällt. Allerdings unterscheidet sie sich in den einzelnen EU-Ländern dann doch erheblich. So sehen nur 4% der Schweden ihre Chancen am Arbeitsmarkt als problematisch an, bei den Griechen hingegen sind es 56%.

In Deutschland betrachten die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz überwiegend als sicher. Immer weniger deutsche Arbeitnehmer sind besorgt, im Falle von Arbeitsplatzverlust keine neue Stelle zu finden. Vergleicht man allerdings die tatsächlichen Wiederbeschäftigungsraten arbeitsloser Erwerbspersonen mit den subjektiven Wiederbeschäftigungschancen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Falle von Arbeitslosigkeit, zeigt sich, dass diese Unbekümmertheit nicht unbedingt auf Fakten beruht. Der Anteil der Erwerbstätigen in Deutschland, die geringe Schwierigkeiten erwarten, ist vergleichsweise hoch, die Wiederbeschäftigungsrate der Arbeitslosen eher niedrig.

Alle Informationen zum Thema finden Sie im:

Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI, Nr. 51

http://www.gesis.org/isi


Ansprechpartner bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften:

Anne Balz
Anne.balz@gesis.org

Dr. Sophie Zervos
Stabsstelle Kommunikation
GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Unter Sachsenhausen 6-8 50667 Köln
Sophie.zervos@gesis.org
Tel.: 0221 47694 -136

Als die größte deutsche Infrastruktureinrichtung für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscherinnen und Forschern auf allen Ebene ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit diversen Universitäten. GESIS ist an wichtigen europäischen und internationalen Studien und Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS) und der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA und dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt.

Weitere Informationen:

http://www.gesis.org/isi
http://www.gesis.org
http://www.facebook.com/gesis.org
http://www.twitter.com/gesis_org

Sophie Zervos | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik