Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arm und Reich rücken immer mehr auseinander

14.07.2008
"Armutsprobleme und die Chancen sozialer Teilhabe müssen in Deutschland stärker als bisher auch in ihrer räumlichen bzw. regionalen Verteilung betrachtet werden", fordert Professorin Ute Klammer, Expertin für Soziale Arbeit und Sozialpolitik und künftige Prorektorin für Diversity Management der Universität Duisburg-Essen.

Diese These wurde kürzlich auf der UDE-Tagung "Armut und soziale Teilhabe unter räumlicher Perspektive" diskutiert, die mit 160 Teilnehmern aus Wissenschaft, Sozialverwaltung und Verbänden sehr gut besucht war.

Veranstalter war das Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen, die Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e.V. und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW. Klammer kritisierte in diesem Rahmen auch, dass diese immer wichtiger werdende Perspektive im aktuellen, 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kaum beachtet wird.

Dass die sozialräumlich differenzierte Betrachtung von Armutsphänomenen gerade auch für die Universitätsstädte Essen und Duisburg von Bedeutung ist, ist aus den Daten der Sozialberichterstattung offensichtlich. Für Duisburg weist der städtische Sozialbericht 2007 Arbeitslosenquoten zwischen niedrigen 3,9% in Baerl und deutlich über 13 Prozent in Stadtteilen wie Ruhrort, Hochfeld und Marxloh aus. Während im Bezirk Süd nur rund 8 Prozent der Bevölkerung auf SGB II-Leistungen (Hartz IV) angewiesen sind, sind es in den Bezirken Hamborn und Meiderich-Beeck fast ein Viertel der Einwohner.

... mehr zu:
»Arbeitslosenquote »Armut

In Essen, einer der Modellkommunen des kommunalen Kooperationsprojekts für den Landessozialbericht 2007, zeigt sich die räumliche Segregation z.B. darin, dass die Anteile der nichtdeutschen Bevölkerung in den 50 Stadtteilen zwischen 2,8 und 48,9 Prozent streuen, die Arbeitslosenquoten zwischen 3,8 und 23,5 Prozent sowie die Hilfedichte der Hartz IV-Empfänger zwischen 1,6 und 28 Prozent. Der Landessozialbericht 2007 stellt dementsprechend für Essen eine wachsende sozialräumliche Spaltung und Polarisierung der sozialen Lagen fest: "Arm und Reich, Alt und Jung, eingesessene und zugewanderte Bevölkerung rücken immer mehr auseinander".

Weitere Tagungsthemen waren die zukünftige räumliche Entwicklung Deutschlands und die Gefahr der territorialen Abkopplung bestimmter Räume, die gesundheitliche Dimension räumlicher Ungleichheit sowie die Bildungschancen von Kindern in unterschiedlichen Regionen. Gefragt wurde auch danach, wieweit der auf den Nobelpreisträger Amartya Sen zurückgehende "Verwirklichungschancen-Ansatz", dem neuerdings in der Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Bundes eine große Bedeutung zugemessen wird, Potenziale für regionale Ansätze der Armutsbekämpfung enthalten könnte.

Auf dem abschließenden Podium setzten sich Experten und Expertinnen aus Wissenschaft, Politik und Sozialverwaltung mit der Frage auseinander, wie die Sozialberichterstattung im Hinblick auf die sozialräumliche Erfassung und Bekämpfung von Armut weiterentwickelt werden könnte. Die Vorträge der Tagung werden in Kürze auf der Website der Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e.V. dokumentiert (www.sozialerfortschritt.de); ein Schwerpunktheft der Zeitschrift "Sozialer Fortschritt" zur Thematik der Tagung ist für das Jahresende 2008 geplant.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Ute Klammer, Tel. 0201/183-4210, ute.klammer@uni-due.de

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de/

Weitere Berichte zu: Arbeitslosenquote Armut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics