Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflege in Zeiten des Demografischen Wandels

14.02.2008
- ein Workshop des Rostocker Zentrums sprach dringliche Fragen an

Wie wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen zukünftig entwickeln? Wer wird sie pflegen und wo werden sie gepflegt? Und wie steht es um die Lebensqualität der Pflegebedürftigen? In welchem Ausmaß sind pflegende Angehörige durch ihre Pflegetätigkeit, die sie mit Familie und häufig auch Beruf vereinbaren müssen, belastet?

Diesen und weiteren Fragen stellten sich Wissenschaftler aus Deutschland und Europa während des Workshops "Pflege und Lebensqualität im Alter", der vom 30. Januar bis zum 01. Februar 2008 vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels veranstaltet wurde.

Prof. Gabriele Doblhammer, geschäftsführende Direktorin des Rostocker Zentrums, unterstrich zu Beginn der Veranstaltung die Relevanz des Themas: "Die zunehmende Zahl und der steigende Anteil betagter Menschen in den Industriestaaten haben bedeutsame gesundheitspolitische Auswirkungen. Insbesondere der Informationsbedarf in der Öffentlichkeit und Politik zum Thema "Pflege" wächst beständig."

Zukünftiger Pflegebedarf
So stehen insbesondere Prognosen zum zukünftigen Pflegebedarf im Mittelpunkt des Interesses. Der Workshop verdeutlichte, dass der Pflegebedarf mit steigender Lebenserwartung und einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft anwachsen wird. In welchem Ausmaß dies geschieht, wird jedoch davon abhängen, inwieweit die gewonnene Lebenszeit in Gesundheit verbracht werden kann. Es zeichnet sich ab, dass die durchschnittliche Dauer, die Menschen in Pflege verbringen, ansteigen wird - die Zunahme der gesunden Lebenserwartung ist jedoch größer als die Zunahme der Pflegedauer. Die Frage, ob die steigende Anzahl Pflegebedürftiger durch zukünftige Innovationen im Gesundheitswesen kompensiert werden kann, wurde unterschiedlich beantwortet.

Auf jeden Fall wird sich das Gesundheits- und Pflegewesen auf einen Anstieg der Demenzkranken einstellen müssen.

Statistische Datengrundlagen zur Pflege
Die Wissenschaftler waren sich einig, dass die statistische Datengrundlage zum Thema Pflege verbessert werden kann, z.B. könnte der Zugang zu Daten des MDK und der Krankenkassen erleichtert werden. So sind in der Pflegestatistik nur Menschen erfasst, die in eine der drei Pflegestufen fallen. Medizinische Diagnosen werden nicht aufgenommen, da sich der Grad der Pflegebedürftigkeit insbesondere nach der Zeit bemisst, die für die Pflege aufgewendet wird.
Lebensqualität Pflegebedürftiger
Die Pflegequote steigt mit dem Alter an, ab 80 Jahren besonders stark. Da Frauen länger leben, werden sie auch öfter als Männer gepflegt. Dass Gesundheit die wichtigste Einflussgröße auf die Lebensqualität darstellt, wurde während des Workshops wieder bestätigt: Neben der Tatsache, dass der Partner stirbt, dem Alter und der Anzahl der Kinder bestimmt damit an erster Stelle das Niveau der gesundheitlichen Beeinträchtigung die Lebenszufriedenheit im Alter.
Lebensqualität Pflegender
Zwei Drittel der Pflegebedürftigen wird heute zu Hause von Angehörigen gepflegt. Der Workshop zeigte Trends auf: Die meisten Pflegenden sind Ehepartner oder Kinder sowie Schwiegerkinder. Die Solidarität innerhalb der Familien und der Wille, ältere Angehörige zu pflegen, sind hoch. Ehepartner nehmen ihre Pflegetätigkeit dann als bedrückend wahr, wenn sie den Eindruck gewinnen, die Rolle als Pflegende(r) nicht ausfüllen zu können und nicht unterstützt zu sein. Für Kinder steigt die empfundene Belastung eher mit der Anzahl der Stunden, die die Pflege in Anspruch nimmt, und der Schwere der Pflegebedürftigkeit. Für Söhne ist dabei vor allem der Zeitaufwand ein wichtiger Faktor. Töchter (und Schwiegertöchter) empfinden Pflege als sehr strapaziös, insbesondere wenn sie sich mit der klassischen Rolle als "Familien-Managerin" nicht identifizieren können.
Maßnahmen zur Entlastung Pflegender
Entlastung bringt den zu Hause Pflegenden vor allem Unterstützung von außen. Das Angebot informeller oder professioneller Hilfe ist dabei häufig vorhanden, allerdings muss der Bekanntheitsgrad gesteigert und der Zugang erleichtert werden, so dass die Betroffenen die angebotenen Dienstleistungen auch wirklich wahrnehmen. Ebenfalls die Pflegenden werden immer älter: Professionelle Pflegedienste, ehrenamtlich Tätige und beratende Menschen werden stärker nachgefragt sein, insbesondere wenn Ehepartner die Pflege übernehmen. Wichtig wird auch sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, um Pflege und Erwerbsarbeit besser zu vereinbaren. So machte der Workshop deutlich, dass Frauen, die heutzutage pflegen, ein eher familienorientiertes Leben führen und entweder Teilzeit arbeiten oder nicht erwerbstätig sind. Da die Frauenerwerbsquote aber zunimmt, wird zukünftig eine Unterstützung bei der Pflege für diese Bevölkerungsgruppe dringlich sein.
Weitere Informationen:
http://www.zdwa.de/zdwa/termine/RZ/Pflegeworkshop/Programm.php - Hier finden Sie das Programm und die Vorträge.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.zdwa.de/zdwa/termine/RZ/Pflegeworkshop/Programm.php

Weitere Berichte zu: Demografie Lebensqualität Pflegebedarf Pflegebedürftiger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften