Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diagnose von Rechtschreibschwierigkeiten bei Erwachsenen

18.12.2007
Über 4 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Für die Betroffenen bedeutet dies nicht nur schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern eine enorme Einschränkung der Lebensqualität und Erschwernis der sozialen Integration.

Die Bundesregierung fördert seit dem vergangenen Jahr verschiedene Bildungsprojekte für Analphabeten mit insgesamt 30 Millionen Euro. Auch die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd ist daran beteiligt. In den kommenden drei Jahren wird die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Erika Brinkmann an der Pädagogischen Hochschule förderdiagnostische Verfahren und Materialien für den Einsatz in Alphabetisierungskursen für Erwachsene entwickeln. Das Projekt wird mit 50.000 € vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Primarstufe der Universität Siegen (Prof. Dr. Hans Brügelmann/Axel Backhaus) durchgeführt, deren Schwerpunkt die Lesediagnostik sein wird.

Gemeinsam soll ein Modul zur Aus- und Weiterbildung von Kursleiterinnen und Kursleiter in der Alphabetisierung entwickelt werden. Bisher gibt es keine umfassende Ausbildung für den professionellen Umgang mit den besonderen Problemen von Erwachsenen, die Lese-/ Rechtschreibschwierigkeiten haben. So streuen zum Beispiel die Fähigkeiten und Vorerfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Alphabetisierungskursen - ähnlich wie bei Schülerinnen und Schülern mit Lese-/ Rechtschreibschwierigkeiten - sehr breit.

Dies zeigt sich unter anderem in qualitativ sehr unterschiedlichen Profilen der Teilleistungen und Strategien. "Zur didaktischen Kompetenz von Alphabetisierern muss es deshalb gehören, Lernsituationen differenziert zu gestalten, um Lernern für den 'nächsten Schritt' individuell passende Lernangebote unterbreiten zu können", erläutert Prof. Dr. Brinkmann. Dies setze voraus, dass die Lehrenden den aktuellen Wissens- und Könnensstand der einzelnen Lerner umfassend einschätzen und insbesondere deren Fehler diagnostisch interpretieren können. "Dafür reicht es nicht aus, einen Rechtschreib- oder Lesetest durchzuführen und den Lernstand auf eine Zahl zu reduzieren. Ein Testergebnis ist nur ein Hinweis unter vielen und muss unter Berücksichtigung weiterer Merkmale wie zum Beispiel der Lernbiografie interpretiert werden, am besten im Gespräch mit dem Lerner oder der Lernerin selbst", so Rüdiger-Philipp Rackwitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gmünder Projekt.

In der Entwicklung einer solchen dialogischen Förderdiagnostik mit dem Schwerpunkt Schreiben-/ Rechtschreibenlernen hat die Schwäbisch Gmünder Arbeitsgruppe bereits in früheren Projekten für den Schulbereich vielfältige Erfahrungen sammeln können, zuletzt in einer Studie zur Förderung von Kindern mit besonderen Schwierigkeiten beim Schreibenlernen, die in Kooperation mit dem ZNL der Universität Ulm durchgeführt wurde. Die Arbeit der Gmünder Forschungsgruppe ist Teil eines Gesamtprojekts zur Entwicklung eines Master- bzw. Fort- und Weiterbildungsstudiums: "Alphabetisierungs- und Grundbildungs-Pädagogin/-Pädagoge", das vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. in Münster koordiniert wird und an dem weitere Hochschulen und Bildungseinrichtungen beteiligt sind.

Kontakt:
Prof. Dr. Erika Brinkmann erika.brinkmann@ph-gmuend.de
Rüdiger-Philipp Rackwitz kontakt@philipp-rackwitz.de

Dr. Monika Becker | idw
Weitere Informationen:
http://www.ph-gmuend.de

Weitere Berichte zu: Alphabetisierung Rechtschreibschwierigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Daseinsvorsorge in Stadt und Land sichern
08.11.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

nachricht 3, 2, 1, meins: Kaufentscheidungen im Labor erforscht
28.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics