Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum zerbrach Gondwana? - Geophysiker aus Kiel starten Expedition zur einsamsten Insel der Welt

12.01.2012
Bis heute sind viele Fragen zur Entstehung der Inselgruppe Tristan da Cunha offen. Dabei ist sie ein Schlüssel zum Verständnis grundlegender Prozesse der Plattentektonik. Kieler Meeresforscher wollen mit dem Forschungsschiff MARIA S. MERIAN jetzt im Südatlantik Antworten finden.

Ein einzelner Vulkankegel, knapp 12 Kilometer im Durchmesser, auf dem 300 Menschen 2500 Kilometer entfernt vom nächsten besiedelten Land leben: Das ist die Insel Tristan da Cunha. Sie liegt mitten im Südatlantik und gilt als abgelegenste bewohnte Insel der Erde. Doch nicht nur deshalb übt sie mit ihren noch kleineren, unbewohnten Nachbarinseln eine große Faszination aus.


Tristan da Cunha liegt mitten im Südatlantik, 2500 Kilometer vom nächsten bewohnten Land entfernt. Kartengrundlage: GEBCO world map, http://www.gebco.net/

Die Entstehung des Archipels steht in engem Zusammenhang mit dem Aufbrechen des Superkontinents Gondwana vor 120 Millionen Jahren und der darauf folgenden Entwicklung des Südatlantiks. Doch welche Prozesse damals genau abliefen, ist in der Forschung umstritten. „Obwohl die Region wichtig für das Verständnis der Plattentektonik insgesamt ist, gibt es bisher viel zu wenige geophysikalische Daten von dort“, sagt Dr. Marion Jegen vom GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Sie leitet von Mitte Januar bis Mitte Februar 2012 eine Expedition des deutschen Forschungsschiffs MARIA S. MERIAN im Südatlantik, deren Ziel es ist, neue Daten zu erheben und so einige Fragen zur Entstehung von Tristan da Cunha zu beantworten.

Aktuell beherrschen zwei Theorien die wissenschaftliche Diskussion. Nach der klassischen Plume-Theorie handelt es sich bei Tristan da Cunha um einen vulkanischen Hotspot. Dieser Hotspot gehöre mit zu den Auslösern für das Aufbrechen von Gondwana, so die Theorie. Die beiden Bruchstücke Südamerika und Afrika drifteten in den folgenden Jahrmillionen immer weiter auseinander, zwischen ihnen bildete sich der Südatlantik. Auf den neu entstandenen Ozeanböden hinterließ der Hotspot eine Spur vulkanischen Materials. Diese Spur zieht sich heute als Unterwassergebirge namens Walfisch-Rücken von der Inselgruppe bis zur Küste Namibias. „Das Problem an dieser Theorie ist, dass die Inselgruppe Tristan da Cunha bis heute nicht zweifelsfrei als Hotspot identifiziert werden konnte“, erklärt Dr. Jegen. Eine zweite Theorie geht deshalb davon aus, dass es sich bei Tristan da Cunha eher um eine flachere Anomalie handelt, die nicht Ursache, sondern Folge des Aufbruchs von Gondwana war.

Um die Theorien zu überprüfen, werden die Wissenschaftler an Bord der MARIA S. MERIAN umfangreiches geophysikalisches Datenmaterial in der Region erheben. Dazu gehört, den Meeresbodens mit Fächerecholoten genau zu kartieren. Außerdem nutzen die Forscher tiefseetaugliche Messgeräte, die feinste Veränderungen von elektromagnetischen Feldern beziehungsweise der Schwerkraft sowie Erschütterungen im Meeresboden präzise messen können. „Diese Daten lassen Rückschlüsse auf Art und Aufbau des Meeresbodens und der Lithosphäre, also der Erdaußenhaut der Erde, zu“, erklärt Dr. Jegen.

Nebenbei leistet das deutsche Forschungsschiff auch logistische Unterstützung für die sonst recht isolierten Einwohner von Tristan da Cunha. Die MARIA S. MERIAN bringt Post sowie drei von der britischen Regierung entsandte Ingenieure, die die von Winterstürmen beschädigten Hafenanlagen reparieren sollen, zur Inselsiedlung „Edinburgh of the Seven Seas“. „Tristan wird nur etwa alle zwei Monate, meistens von einem Fischerboot, angelaufen. Das offizielle Postschiff kommt nur zweimal im Jahr. Deshalb ist die britische Inselverwaltung froh über jedes weitere Schiff, das die Insel anläuft“, erklärt Dr. Jegen, „und wir helfen natürlich gerne.“

Expedition auf einen Blick:
FS MARIA S. MERIAN Reise: MSM 20/2
Fahrtleiterin: Dr. Marion Jegen (GEOMAR)
Fahrtdauer: 17.01.2012-15.02.2012
Starthafen: Walvis Bay (Namibia)
Arbeitsgebiet: Tristan da Cunha
Zielhafen: Recife (Brasilien)
Aktuelle Berichte von der Expedition finden Sie im Internet auf der GEOMAR-Expeditionsseite http://www.geomar.de/go/expeditionen und auf der Projektseite http://www.geomar.de/go/isolde

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/
http://www.sample-spp.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie