Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Überschwemmungen während warmen Sommern

26.09.2013
Während den letzten 2500 Jahre traten Überschwemmungen in den Alpen seltener in warmen als in kühlen Sommern auf.

Dies geht aus einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Studie hervor, die von Forschenden der Eawag, der Universität Bern und der ETH Zürich durchgeführt wurde. Der Blick in die Vergangenheit legt den Schluss nahe, dass die Häufigkeit von Überschwemmungen in den Zentralalpen künftig abnehmen könnte.

Überschwemmungen stellen für die Bevölkerung und die Infrastruktur des Alpenbogens die grösste Naturgefahr dar. In welcher Häufigkeit werden diese extremen Wetterereignisse in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich auftreten, wenn den Klimaszenarien gemäss mit wärmeren Sommern und einem Rückgang des Gesamtniederschlags zu rechnen ist? Die Untersuchung von geologischen Archiven (Seesedimenten) sowie der Vergleich mit Perioden, in denen höhere Temperaturen herrschten, können Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Frage liefern. Doch instrumentelle Direktmessungen und historische Dokumente lassen lediglich Rückschlüsse auf die letzten Jahrhunderte zu.

Regionale Zeitreihen
Ein Team aus Forschenden der Eawag, der Universität Bern und der ETH Zürich unter der Leitung von Flavio Anselmetti und Adrian Gilli hat nun erstmals das Auftreten von Überschwemmungen im nördlichen Alpenraum über die letzten 2500 Jahre lückenlos zurückverfolgt (*). Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler zehn Seen im nördlichen Alpenraum Sediment-Bohrkerne entnommen, diese analysiert und die für Überschwemmungsphasen charakteristischen Ablagerungen datiert. "Die Seen liegen über ein grosses Gebiet verteilt und auf unterschiedlichen Höhenstufen. Dadurch können wir den Einfluss von lokalen Besonderheiten und Ereignissen verringern und erhalten ein klimatisches Gesamtbild der Zentralalpen", erklärt Lukas Glur, der Erstautor der Studie. "Wir haben auf diese Weise dreizehn Zeiträume mit häufigen Überschwemmungen ermittelt, zu deren Intensität wir allerdings nichts aussagen können."

Einfluss eines ausgeprägteren subtropischen Hochdruckgürtels

Die Zusammenführung dieser Daten mit einer Rekonstruktion der Sommertemperatur in Mitteleuropa über die letzten 2500 Jahre – von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) - zeigt, dass zwischen kühleren Sommern und Zeiträumen mit häufigeren Überschwemmungen eine positive Korrelation besteht. Die Forschenden führen diese auf Änderungen der atmosphärischen Zirkulation über dem Nordatlantik zurück. Charakteristisch für warme und trockene Sommer im nördlichen Alpenraum ist demnach eine Nordverlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels, wodurch die feuchten Luftmassen nach Nordeuropa gelenkt werden. Wenn im umgekehrten Fall diese Hochdruckzone weniger stark ausgedehnt ist, schlagen die Tiefdruckstörungen eine südlichere Zugbahn ein und treffen auf den Alpennordhang, wo sie erhebliche Niederschläge hervorrufen.

Nach aktuellem Wissensstand dürfte der Klimawandel die Ausdehnung dieser Hochdruckzone begünstigen. Daher rechnen die Forschenden mit generell weniger Überschwemmungsereignissen in den Zentralalpen, jedoch ohne über die Intensität einzelner Hochwassser Aussagen machen zu können.

(*) Lukas Glur, Stefanie B. Wirth, Ulf Büntgen, Adrian Gilli, Gerald H. Haug, Christoph Schär, Jürg Beer and Flavio S. Anselmetti (2013). Frequent flood in the European Alps coincide with cooler periods of the past 2500 years Scientific Reports: doi:10.1038/srep02770
(für Medienvertreter als PDF-Datei unter folgender E-Mail-Adresse beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Nach Ablauf der Sperrfrist ist die Publikation kostenlos hier verfügbar: http://dx.doi.org/10.1038/srep02770

Zum gleichen Thema
Video-Interview mit Lukas Glur: http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20130926/index
Kontakt
Lukas Glur
Eawag
CH-8600 Dübendorf
Tel.: +41 31 631 45 67
E-Mail: lukas.glur@eawag.ch
Prof. Flavio S. Anselmetti
Institut für Geologie
Universität Bern
Baltzerstrasse 1+3
CH-3012 Bern
Tel.: +41 31 631 87 06/ +41 79 483 17 86
E-Mail: flavio.anselmetti@geo.unibe.ch

Medien - Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch/D/Medien/Medienmitteilungen/Seiten/2013.aspx
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20130926/index

Weitere Berichte zu: Alpenraum ETH Hochdruckzone SNF Zentralalpen Überschwemmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise