Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steinzeit-Kreisgräben hatten Kalender-Funktion

15.06.2009
Monumentale Bauten der Jungsteinzeit zeigten Beginn des Frühlings

Das Rätsel um die Funktion der monumentalen Kreisgrabenanlagen Mitteleuropas aus der Jungsteinzeit ist ein Stück weiter gelöst. Archäologen und Astronomen der Universität Wien stellten fest, dass einige der Bauten aus der Zeit zwischen 4.800 und 4.500 v.Chr. auch als Sonnen- und Sternenkalender dienten.


Die Kreisgrabenanlagen gehören zu Europas ältesten Monumentalbauten (Bild: Universität Wien)

Das ist unter anderem ein Hinweis dafür, dass in den Kreisgräben-Regionen neben Keramik und Ackerbau auch die systematische Himmelsbeobachtung verbreitet war. In einem laufenden Projekt sollen nun alle bekannten Kreisgrabenanlagen im Hinblick auf diese "Kalenderfunktion" archäoastronomisch untersucht werden.

Mittelneolithische Kreisgrabenanlagen sind in weiten Teilen Mitteleuropas bekannt, von Ungarn bis Bayern, und von Nordrhein-Westfalen bis in die tschechische Republik. Warum diese Idee in derart unterschiedlichen neolithischen Kulturen verbreitet sei, stellt ein bisher ungeklärtes Rätsel dar. In Niederösterreich wurden bisher in 50 neolithischen Ortschaften Kreisgrabenanlagen gefunden.

"Jede Siedlung dieser Zeit besitzt eine Kreisgrabenanlage, in etwa so, wie heute jedes niederösterreichische Dorf eine Kirche oder ein Vereinshaus besitzt", erklärt Projektleiter Wolfgang Neubauer.

Die monumentalen Anlagen sind 2.000 Jahre älter als das berühmte englische Megalith-Bauwerk Stonehenge. Im Unterschied zu diesem wurden sie jedoch nicht mit Stein, sondern aus Holzpfählen errichtet. Dementsprechend schwierig gestaltet sich heute die Auffindung der Anlagen. "Das geschieht in erster Linie durch Luftbilder, in denen Ringe oder Teile davon sichtbar wurden. Denn obwohl Witterung und Ackerbau die Spuren in der Landschaft im Lauf der Jahrtausende verwischt haben, ist die Feuchtigkeit der Erde über den heute mit Humus aufgefüllten Gräben höher.

Das führt zu unterschiedlicher Bodenfärbung und geändertem Bodenbewuchs", so der Astronom Georg Zotti im pressetext-Interview. Die präzise Verortung der Kreisgräben erledigen Magnetfeld-Sensoren, die auch minimale Veränderungen im Erdmagnetfeld aufzeigen. Der Durchmesser der Gräben, die man auf diese Weise fand, variiert zwischen 50 und 200 Meter.

Die Wiener Forscher erstellten eine Computersimulation http://astrosim.univie.ac.at, die die Monumentalbauten virtuell wieder erstehen ließen und dabei auch das Sternenbild zur Zeit ihrer Errichtung berücksichtigten. Dabei bestätigte sich die These, dass die Kreisgrabenanlagen unter anderem eine Kalenderfunktion besaßen. "Es ist bemerkenswert, dass bei etwa einem Drittel der Anlagen ein Tor zur Aufgangsrichtung der Plejaden zeigt", betont Zotti.

Die Plejaden, zu deutsch Siebengestirn, besitzen hohe Bedeutung in vielen alten Kulturen, unter anderem bei den Sumerern, Assyrern, Griechen und Arabern. "Selbst bei australischen Aborigines gibt es mythologische Geschichten um diese Sterngruppe." Der erste Tag im Jahr, an dem das Siebengestirn in der Jungsteinzeit zu sehen war, kann heute rückberechnet werden. "Er lag wenige Tage nach Frühlingsbeginn. Es scheint schlüssig, dass dies der Beginn der Aussaat war, für den man vielleicht die ‚Zustimmung’ des Himmels abwartete", so der Wiener Astronom gegenüber pressetext. Details der Arbeiten werden am kommenden Donnerstag im Rahmen des Astronomiejahres 2009 http://www.astronomie2009.at im Stift Melk präsentiert.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/Idea

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise