Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprunghafte Klimaänderung im Pazifik um 1900

12.06.2009
Nachlassende Winde ließen den Salzgehalt des Wassers sinken

Im nordwestlichen Pazifik vollzog sich vor hundert Jahren ein sprunghafter Klimawandel. Das berichten Forscher des Zentrums für marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen gemeinsam mit japanischen Kollegen in der Zeitschrift Geology.

Anhand von Korallenriff-Bohrungen konnten sie zeigen, dass sich der Salzgehalt des Pazifiks innerhalb weniger Jahre verändert hat. Das könnte mehrere Klimaphänomene dieser Zeit erklären und gibt auch bestehenden Klimamodellen neue Ansatzpunkte.

Korallen sind für Klimaforscher wie ein Geschichtsbuch: Ihre jährlich angelegten Wachstumsringe, die sogenannten Dichtebänder, dokumentieren viele der Veränderungen, die im Meer stattfinden. Thomas Felis untersuchte einen mannshohen Bohrkern, der 2002 aus einer Korallenkolonie in japanischen Pazifikinseln entnommen worden war. Jedes der Dichtebänder, die bis auf das Jahr 1873 zurückgingen, wurde auf Strontium, Uran, Kalzium und Sauerstoff-Isotope überprüft. Das Verhältnis dieser Elemente zueinander erlaubt Rückschlüsse auf die jährlichen Veränderungen des Meeres in Temperatur und Salzgehalt. Die Ergebnisse überraschten die Forscher. "Zwischen den Jahren 1905 und 1910 gab es in diesem Teil des Pazifiks einen abrupten Rückgang des Salzgehalts, von dem man bisher nichts wusste", so Felis im pressetext-Interview.

Der Meeresgeologe vermutet, dass das Absenken des Salzgehalts auf Änderungen des pazifischen Windsystems zurückgeht. "Luftdruck-Messungen zeigen, dass genau zu dieser Zeit die pazifischen Winde abflauten. Das kann einerseits dazu geführt haben, dass der nach Norden verlaufende Kuroshio-Meeresstrom nachließ und somit weniger salzhältiges Wasser aus den Tropen in den Norden beförderte. Andererseits nahm dadurch die Verdunstung ab." Was genau der Verursacher der Windflaute war, stellt ein weiteres Rätsel dar. Felis hält es für denkbar, dass der globale, teils bereits durch Menschen verursachte Temperaturanstieg um 1900 dazu beigetragen hat, wie auch der Gleißberg-Zyklus, der die natürliche Variabilität der Sonnentätigkeit beschreibt.

Während das Klima im nahe gelegenen Japan kaum durch das Sinken des westpazifischen Salzgehaltes beeinflusst wurde, waren in ferneren Regionen beachtliche Veränderungen zu beobachten. Im Westen der USA stieg ab 1905 die jährliche Regenmenge deutlich an. Gleichzeitig nahm im Nordatlantik auf der Meeresstraße zwischen Grönland und Spitzbergen die Menge des nach Süden transportierten Arktiseises ab. "Diese Übertragung der Pazifik- auf die Atlantikströme erfolgte möglicherweise über die Atmosphäre oder auch über die ozeanische Zirkulation", berichtet Felis.

Bedeutung hat diese Forschung nicht zuletzt für die Vorhersage des Klimas der Zukunft. Klimamodelle werden durch Großrechner erstellt, müssen jedoch anhand der Klimaentwicklung der Vergangenheit immer wieder validiert werden. Messungen des Salzgehalts der Meere wurden dabei aufgrund fehlender Daten bisher erst aus den letzten 15 Jahren berücksichtigt. Die aktuellen Ergebnisse erweitern das Spektrum über mehr als ein Jahrhundert und zeigen dabei neue Aspekte auf. "Im Oberflächenwasser sind auch abrupte Sprünge des Salzgehalts möglich. Das wurde bisher kaum berücksichtigt", so der Bremer Geologe gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops