Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind die Flüsse tropischer Torfsümpfe wirklich CO²-Schleudern?

17.12.2015

Tropische Torfsümpfe gehören zu den wichtigsten terrestrischen Kohlenstoffspeichern der Erde. Südostasien galt wegen der weit verbreiteten Torfsümpfe bislang als „Hotspot“ der CO²-Emissionen von Flüssen. Wissenschaftler des ZMT und ihre Partner haben die CO²-Emissionen aus südostasiatischen Torfsumpfflüssen nun erstmals gemessen.

Tropische Torfsümpfe gehören zu den wichtigsten terrestrischen Kohlenstoffspeichern der Erde. Einen Großteil dieser Ökosysteme findet man in Indonesien und Malaysia. Allein dort sind mehr als 66 Gigatonnen Kohlenstoff im Torf gespeichert – eine Menge, die etwa dem Achtfachen der jährlichen globalen Emission an Kohlenstoffdioxid (CO²) durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entspricht.


Ein Torfsumpfgebiet auf Sumatra

Tim Rixen, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie


Entnahme von Sedimentproben im Siak-Fluß, Sumatra

Francisca Wit, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie

Die zunehmende Rodung der Torfwälder Südostasiens setzt diese empfindlichen Ökosysteme jedoch starkem Druck aus: Immer mehr Kohlenstoff geht an die Umgebung verloren.

Ein Teil davon gelangt in Flüsse, wo Mikroorganismen den Kohlenstoff aus seinen organischen Verbindungen lösen und teilweise zu CO² umwandeln. Dieses CO² gelangt über die Wasseroberfläche in die Atmosphäre und trägt dort als Treibhausgas zur globalen Erwärmung bei.

Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) und der Universität Hamburg haben die CO²-Emissionen aus südostasiatischen Torfsumpfflüssen nun erstmals gemessen.

Die Studie, die die Forscher in Kooperation mit dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen und Partnern in Indonesien und Malaysia durchgeführt haben, ist diese Woche in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.

Wegen der weit verbreiteten Torfsümpfe galt Südostasien unter Forschern bislang immer als „Hotspot“ der CO²-Emissionen von Flüssen – eine spekulative Annahme, denn Messdaten aus dieser Region gab es nicht. Um der Rolle der südostasiatischen Flüsse im Kohlenstoffkreislauf auf den Grund zu gehen, unternahmen die ZMT-Forscher und ihre Partner mehrere Expeditionen nach Sumatra und Borneo.

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Forschungsprojekts untersuchten sie dabei erstmals die Ausgasung von CO² aus sechs verschiedenen Torfsumpfflüssen vor Ort.

Die Messungen der Wissenschaftler zeigten, dass eine relativ geringe Menge CO² aus den beprobten Flüssen freigesetzt wird. Nur etwa die Hälfte des aus den Torfsümpfen eingetragenen Kohlenstoffs wird dabei als CO² in die Atmosphäre abgegeben, der Rest gelangt in die Ozeane.

Während die untersuchten Flüsse und ihr Einzugsgebiet durchschnittlich 25 Gramm Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr emittieren, liegt dieser Wert beispielsweise im Amazonas bei 120 Gramm. Eine überraschende Erkenntnis, die bisherige Spekulationen, Südostasien sei ein Brennpunkt der CO²-Emissionen von Flüssen, widerlegt.

Der vorrangige Grund hierfür ist die kurze Zeit, die der eingetragene organische Kohlenstoff in den Flüssen verweilt. Die meisten Torfsümpfe liegen dicht an der Küste, so dass die Flüsse erst relativ kurz vor ihrer Mündung ins Meer die Fracht an organischem Material aufnehmen.

Im Schnitt befindet sich der organische Kohlenstoff nur zehn Tage in den Flüssen, bevor er ins Meer gespült wird. Daher bleibt Mikroorganismen nur wenig Zeit, den organisch gebundenen Torf-Kohlenstoff in CO² umzuwandeln.

Doch auch im Ozean kann noch CO² aus dem eingetragenen Kohlenstoff entstehen. Wieviel davon wieder in die Atmosphäre abgegeben wird oder im Ozean verbleibt, ist aber noch ungeklärt.

Publikation:
Francisca Wit, Denise Müller, Antje Baum, Thorsten Warneke, Widodo Setiyo Pranowo, Moritz Müller and Tim Rixen (2015) The impact of disturbed peatlands on river outgassing in Southeast Asia. Nature Communications 6. doi:10.1038/ncomms10155

Kontakt:
Dr. Tim Rixen
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen
Tel: 0421 / 23800-55 oder 040 / 42838 7062
Mail: tim.rixen@zmt-bremen.de

Das LEIBNIZ-ZENTRUM FÜR MARINE TROPENÖKOLOGIE - ZMT in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber menschlichen Eingriffen und natürlichen Veränderungen. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es den Aufbau von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt. Das ZMT ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Susanne Eickhoff | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie