Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozeanversauerung in der Vorzeit

02.03.2012
Eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung von Wolfgang Kiessling vom Berliner Museum für Naturkunde untersuchte die Belege für Ozeanversauerung in der geologischen Vergangenheit und nimmt den Klimawandel-Skeptikern gehörig Wind aus den Segeln.

Wahrscheinlich war der Eintrag des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre und das Meerwasser noch nie so groß wie heute. Das Wasser wird dadurch zwar nicht so sauer wie in einer Sprudelflasche, aber es reicht aus, den Organismen, die ein Skelett aus Kalk ausscheiden, das Leben schwer zu machen. Dazu gehören zum Beispiel Korallen und Muscheln, aber auch winziges Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht.

„Oft hört man von Klimaskeptikern `Das ist doch alles schon dagewesen. Klimawandel ist natürlich und das Klima hat sich immer verändert, ohne dass es dem Leben geschadet hat. Treibhausgase waren früher auch viel mehr in Atmosphäre und das Meeresleben konnte gedeihen“, so Wolfgang Kiessling vom Berliner Museum für Naturkunde und Mitautor der neuen Studie in Science. Wahrscheinlich bewirkt der heute durch den Menschen verursachte Treibhausgasaustoß Veränderungen im Erdsystem, wie sie noch nie dagewesen sind.

Die Gruppe um Bärbel Hönisch von der amerikanischen Columbia-Universität hat sich nun genauer angesehen, ob in der geologischen Vergangenheit vergleichbare Veränderungen wie heute nachweisbar sind. Geologische Zeitalter als Kandidaten gibt es viele. In den meisten Zeiten war es tatsächlich deutlich wärmer als heute, vor allem, weil die CO2-Konzentration bis zu 10-mal höher war. Aber, so ergeben die in der Arbeit vorgestellten Modellrechnungen, es ist nicht die Höhe der atmosphärischen CO2-Konzentration, die für die Sättigung des Meerwassers mit Kalzium-Karbonat - dem Rohstoff für die Skelettbildung - verantwortlich ist. Vielmehr ist die Geschwindigkeit ausschlaggebend, mit der sich die CO2-Konzentration verändert. Langsame Veränderungen schaden nicht, weil sich auf langen Zeitskalen neue Gleichgewichte einstellen. Um wirklich einen Effekt zu haben, müssen die Veränderungen `rasch` vonstatten gehen. Selbst massive Erhöhungen von CO2 haben fast keinen Effekt, wenn Sie in Zeiträumen von mehr als 100 000 Jahren stattfinden. In den letzten 300 Millionen Jahren Erdgeschichte gab es nach der neuen Analyse wahrscheinlich nur drei Ereignisse, die mit heute auch nur annähernd vergleichbar sind. Selbst diese waren vermutlich – mit absoluter Gewissheit lässt sich das für lange zurück liegende Ereignisse nicht sagen – in der Rate der Veränderungen noch eine Größenordnung unter den heutigen.

Originalveröffentlichung: Hönisch, B., Ridgwell, A., Schmidt, D. N., Thomas, E., Gibbs, S. J., Sluijs, A., Zeebe, R., Kump, L., Martindale, R. C., Greene, S. E., Kiessling, W., Ries, J., Zachos, J. C., Royer, D. L., Barker, S., Jr., T. M. M., Moyer, R., Pelejero, C., Ziveri, P., Foster, G. L. & Williams, B. in press. The Geological Record of Ocean Acidification. – Science (2. März 2012).

Fotos erhalten Sie unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Ozeanversauerung

Copyright: Museum für Naturkunde Berlin

Das Foto kann zur Berichterstattung in Zusammenhang mit der Pressemeldung kostenfrei verwenden werden. Bildunterschrift: Fossile Kalkschaler, deren heutige Verwandte unter Ozeanversauerung leiden. Im Uhrzeigersinn: Planktonische Foraminifere, Plättchen einer planktonischen Kleinalge, Steinkoralle.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling, Museum für Naturkunde Berlin, wolfgang.kiessling@mfn-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8576

Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.mfn-berlin.de
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Ozeanversauerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie