Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Suche nach vermisstem Air France Airbus

22.03.2011
Wissenschaftler aus Kiel sind wieder mit dem AUV ABYSS im Atlantik im Einsatz

Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte der Air France und es ist bis heute nicht aufklärt: der Absturz des Fluges AF447 in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2009 vor der Nordostküste Brasiliens.


Das AUV ABYSS kurz vor dem Abtauchen in die Tiefsee. Foto: AUV-Team, IFM-GEOMAR

Tage nach dem Unglück wurden zwar einzelne Wrackteile und auch einige Opfer geborgen, die Hauptteile des Wracks inklusive der Flugschreiber liegen jedoch noch immer unentdeckt auf dem Grund des Atlantiks, der im Unglücksgebiet bis zu 5000 Meter tief ist. Jetzt startet die französische Untersuchungsbehörde für Flugunfälle BEA (Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’Aviation civile) zusammen mit Air France und Airbus vom brasilianischen Hafen Suape aus die vierte Suchaktion nach dem Wrack von AF447. Mit dabei: Das autonome Unterwasserfahrzeug AUV ABYSS des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Das AUV ABYSS ist eines von weltweit drei zivilen autonomen Unterwasserfahrzeugen des Typs REMUS 6000. Die anderen beiden werden vom Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts (USA) betrieben. Alle drei bilden das technische Rückgrat der neuen Suchaktion. Die rund vier Meter langen und knapp eine Tonne schweren, zigarrenförmigen Geräte können bis zu 6000 Meter tief tauchen und dabei bis zu 24 Stunden lang selbständig Kurse abfahren. Währenddessen vermessen sie aus kurzer Distanz (weniger als 50 Meter) den Meeresboden mit hoch auflösenden Sonarsensoren. „Wir können mit dem Gerät Gegenstände von der Größe eines Schuhkartons erkennen – kein anderes System ist in diesen Tiefen genauer“, erklärt der Kieler Meeresgeologe Dr. Klas Lackschewitz, Leiter des AUV-Teams am IFM-GEOMAR. Außerdem können die REMUS 6000 Geräte zusätzlich mit Foto-Kameras ausgestattet werden, um mögliche Fundobjekte noch genauer in Augenschein nehmen zu können.

Basis für die drei AUVs und ihre Einsatzteams aus Kiel und Woods Hole ist in den kommenden Monaten das 54 Meter lange Forschungsschiff ALUCIA. In drei Fahrtabschnitten á 36 Tagen sollen die drei Geräte systematisch den Meeresboden 40 Seemeilen (ca. 74 Kilometer) rund um die letzte bekannte Position des Fluges AF447 absuchen. „Das Gebiet gilt als wahrscheinlichstes Absturzgebiet“, erklärt Dr. Lackschewitz. Bei der Suchoperation im Jahr 2010, bei der das Kieler AUV erstmals zum Einsatz kam, wurde bereits ein Gebiet von ca. 2000 Quadratkilometer innerhalb des 40-Seemeilen-Kreises untersucht.

„Natürlich wünschen wir uns, dass wir zur Aufklärung dieses Flugunfalls beitragen können, damit die Angehörigen mehr Klarheit über das Schicksal der Opfer erhalten und damit in Zukunft hoffentlich ähnliche Unfälle vermieden werden können“, betont IFM-GEOMAR-Direktor Professor Peter Herzig. Gleichzeitig dient der Einsatz des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten AUV ABYSS auch der Wissenschaft. „Spätestens nach Abschluss der Ermittlungen stehen uns die gemessenen Daten vom Meeresboden des Atlantiks für die wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung. Dann existiert von diesem Gebiet mit interessanten geologischen Formationen die größte hochaufgelöste Karte des Meeresbodens weltweit“, ergänzt Professor Herzig.

Hintergrundinformationen:
Das AUV ABYSS (Autonomous Underwater Vehicle) ist ein für die Meeresforschung konzipiertes autonomes Unterwasserfahrzeug. Sein Name bezieht sich auf das sogenannte Abyssal, ein Begriff der den Meeresboden zwischen 2000 und 6000 Meter des Meeresbodens umfasst. Dieser Bereich der Tiefsee ist auch das Haupt-Einsatzgebiet für das AUV. Mit der Hilfe von verschiedenen Echoloten kann es den Meeresboden kartieren und mittels Sensoren die physikalischen Parameter aus der Wassersäule sammeln. Dieses AUV-System wurde in Pocasset/Massachussets von der Firma Hydroid, LLC gebaut, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und ist seit 2008 am IFM-GEOMAR im Einsatz.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/go/auv
http://www.bea.aero/en/enquetes/flight.af.447/sea.search.ops.phase.4.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie