Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungen zum Verhalten von Nanopartikeln in Gewässern

12.12.2011
Nanotechnologie rückt in das Blickfeld der Öffentlichkeit, nicht nur wegen der mit den Potenzialen verknüpften Chancen, sondern auch wegen möglicher Risiken für die Umwelt.

So weiß man über den Transport und die Verteilung von Nanopartikeln in Gewässern noch relativ wenig. Um aber Vorteile einer neuen Technologie nutzen zu können, ist es gleichzeitig unabdingbar, Nachteile zu erforschen.


Titandioxid-Nanopartikel unter dem Elektronenmikroskop. Foto: Universität Wien

Thilo Hofmann, Leiter des Departments für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien, und sein Team publizieren in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology", wie man mit Tests das Verhalten von Nanopartikeln in Gewässern experimentell vorhersagen kann.

Am Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte zu Anwendung und Risiken von Nanotechnologie in der Umwelt. Die Wissenschafter untersuchen das Umweltverhalten von technischen Nanopartikeln, entwickeln Messmethoden, um diese Partikel im Wasser, Boden und auch in Nahrungsmitteln nachweisen zu können und erproben die Anwendbarkeit von reaktiven Nanopartikeln für die Grundwassersanierung. "Derzeit gibt es praktisch keine Technik, um künstliche Nanopartikel in Böden oder in Gewässern zu messen. Daher wissen wir auch nicht, wie sie sich genau verhalten. Wir wollen dies mit unseren Arbeiten ändern", sagt Dr. Frank von der Kammer, stellvertretender Leiter des Departments für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien.

Große Mengen unerforschter Partikel in Farben, Lacken und Kosmetika´

Bei der aktuell publizierten Arbeit zum Umweltverhalten von technischen Nanopartikeln stehen Materialien im Vordergrund, die bereits in großen Mengen produziert und in alltäglichen Produkten eingesetzt werden. Dazu gehören neben den antibakteriell wirksamen Silbernanopartikeln auch Titandioxidpartikel, die als Weißpigmente und UV-Filter in Wandfarben, Lacken und Kosmetika eingesetzt werden.

Nanopartikel können sich im Sediment von Flüssen anreichern

Nanopartikel sind so klein, dass sie im Wasser nicht mehr zu Boden sinken, also nicht sedimentieren. Solange sie so klein bleiben, können sie über weite Strecken transportiert werden. Aggregieren sie aber, d.h. bilden sie große Flocken, sinken sie ab und können sich im Sediment von Flüssen und Seen anreichern. "Was von diesen beiden Möglichkeiten passiert, hängt nicht nur von den Partikeln ab, sondern auch von der chemischen Zusammensetzung und dem pH-Wert des Wassers", erklärt Thilo Hofmann, Leiter des Departments für Umweltgeowissenschaften und Vizedekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie der Universität Wien.

Verhalten von Nanopartikeln in verschiedenen Gewässern simuliert

Von der Kammer und Hofmann simulierten für die Publikation in einer Vielzahl von Experimenten die Bandbreite der chemischen Zusammensetzung natürlicher Gewässer. Sie variierten kontrolliert den pH Wert, die Natrium- und Kalziumkonzentrationen sowie die Konzentration natürlicher organischer Substanzen. Dabei analysierten sie, wie sich dies auf die Nanopartikel auswirkt. Die große Vielfalt der simulierten hydrochemischen Bedingungen ergibt ein Bild, das auf die meisten natürlichen Gewässer übertragen werden kann. Die Umweltgeologen können also durch ihre Experimente im Labor in gewisser Weise vorhersehen, wie sich Partikel verhalten werden: in der Donau, dem Rhein oder dem Amazonas.

Das ist für zweierlei Dinge wichtig: Zum einen kann man dann vorhersagen, wie weit die Nanopartikel transportiert werden und ob eher pelagische – im uferfernen Freiwasserbereich befindliche – oder benthische – auf und im Boden der Gewässer vorhandene – Organismen den Partikeln ausgesetzt sein werden. Man kann also Aussagen zur Exposition von bestimmten Organismen machen. Zum anderen kann man mithilfe der Tests Produkte vergleichen und die Modifikation wählen, die später das gewünschte Verhalten in der Anwendung, aber auch in der Natur, an den Tag legt.

Bundesministerien unterstützen praxisrelevante Forschung

Wegen der Praxisrelevanz wurden die Arbeiten sowohl vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie als auch vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft gefördert. Darüber hinaus profitieren die WissenschafterInnen des Departments für Umweltgeowissenschaften von "BIG Nano", einer ausgezeichneten Labor-Infrastruktur, die biogeochemische, isotopengeochemische und nanogeowissenschaftliche Versuche ermöglicht und vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung zur Verfügung gestellt wurde. Die Forschungen sind ein österreichischer Beitrag zu den Aktivitäten der OECD bei der Entwicklung von neuen und der Adaption von vorhandenen Testverfahren für das Verhalten und die Risiken von Nanopartikeln.

Publikation
Commercial Titanium Dioxide Nanoparticles in Both Natural and Synthetic Water: Comprehensive Multidimensional Testing and Prediction of Aggregation Behavior: Stephanie Ottofuelling, Frank von der Kammer und Thilo Hofmann. In: Environmental Science & Technology.
Wissenschaftliche Kontakte
Univ.-Prof. Dr. Thilo Hofmann
Department für Umweltgeowissenschaften
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-533 20
thilo.hofmann@univie.ac.at
Dr. Frank von der Kammer
Department für Umweltgeowissenschaften
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-533 80
M +43-664-735 356 35
frank.kammer@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at
http://umweltgeologie.univie.ac.at/environmental-geosciences-group/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie