Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moorwiedervernässung ist kostengünstige Möglichkeit für Natur- und Klimaschutz

23.10.2013
Einen neuen Weg für einen effektiven Klimaschutz empfiehlt der „Kleine Moorgipfel“: Kohlenstoffzertifikate, sogenannte „MoorFutures“, sollen helfen, entsprechende Naturschutzmaßnahmen zu finanzieren und zugleich attraktive Investitionsmöglichkeiten bieten.

Solche innovativen Möglichkeiten für einen effektiven Moor- und Klimaschutz beleuchtet die heutige Gemeinschaftsveranstaltung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).


Beestlander Moor bei Warrenzin, einer Gemeinde im Norden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte und westlich von Demmin.

Foto: Dominik Zak

„Die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz wird häufig unterschätzt. So bedecken Moore zwar nur vier Prozent der Fläche Deutschlands, diese sind jedoch nahezu alle entwässert. Dadurch stoßen sie jährlich etwa 45 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente aus – dies sind ca. 2,5 bis 5 Prozent der CO2-Äquivalente der jährlichen Gesamtemissionen Deutschlands“, sagte Prof. Beate Jessel, BfN-Präsidentin. „In den moorreichen norddeutschen Flächenländern gehören entwässerte Moore zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen. Naturschutzmaßnahmen wie eine gezielte Wiedervernässung können diese Emissionen vermindern, im Idealfall sogar stoppen“, ergänzte Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Intakte und wiedervernässte Moore verfügen außerdem über eine hohe biologische Vielfalt und erbringen wichtige Ökosystemdienstleistungen wie die Verbesserung von Wasserqualität und Wasserdargebot, Hochwasserschutz und Ausgleich des Lokalklimas.

Als erstes Land überhaupt bietet Mecklenburg-Vorpommern bereits seit etwa zwei Jahren unter dem Namen „MoorFutures“ ein Kohlenstoffzertifikat an, welches durch die Moorwiedervernässung generiert wird und das beispielsweise von umweltbewussten Unternehmen erworben werden kann, die ihre Klimabilanz verbessern wollen. In Brandenburg werden seit Mai 2012 MoorFutures angeboten.

Um auch die zahlreichen weiteren Leistungen der wiedervernässten Moore in den MoorFutures berücksichtigen zu können, fördert das BfN seit Ende 2011 ein Forschungsprojekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, der Universität Greifswald und der Universität Kiel.

„In dem Vorhaben ist es gelungen, die mit einer Wiedervernässung von Mooren einher gehenden ökologischen Effekte abzuschätzen. Sie wurden in den Standard der MoorFutures mit eingebunden, so dass dieser nunmehr neben dem Klimaschutz ein breites Spektrum ökologischer Leistungen mit abbildet, die von intakten Mooren erbracht werden“, so BfN-Präsidentin Jessel.

Auf dem ‚Kleinen Moorgipfel‘ wird heute die Weiterentwicklung der MoorFutures vorgestellt. Die Beweggründe von Unternehmen, MoorFutures zur Kompensation unvermeidlicher Emissionen einzusetzen, werden erörtert und es wird darüber diskutiert, ob und wie Kohlenstoffzertifikate eine Option für Moorwiedervernässung in ganz Deutschland sein könnten. „Die weiterentwickelten MoorFutures zeigen eindrucksvoll, dass es Möglichkeiten gibt, Synergien von Klimaschutz und Naturschutz zu nutzen und zum Wohlergehen der Gesellschaft gemeinsam zu verwirklichen“, so Beate Jessel.

„Der Synergieaspekt ist auch für Unternehmen von Bedeutung. Sie können jetzt durch eine Emissionskompensation mittels MoorFutures zugleich einen Beitrag für ihre „Biodiversitätsperformance“ leisten. Zudem basieren MoorFutures-Zertifikate auf einem transparenten Standard mit klaren Kriterien und Regelungen. Dies ist für Unternehmen von besonderer Bedeutung, da auch ihre Kunden Vertrauen in Standards und Zertifizierungen legen“, erläuterte Minister Till Backhaus. „Die Wiedervernässung gehört volkswirtschaftlich gesehen zu den kostengünstigsten Strategien der Emissionseinsparung. Außerdem ist es nun gelungen, in den MoorFutures weitere Ökosystemleistungen abzubilden und so für private Investitionen zu erschließen. Derartige Kohlenstoffzertifikate mit klaren Standards können eine Option sein und Anstöße vermitteln, dass in ganz Deutschland Moore verstärkt revitalisiert werden. Es wäre daher sehr wichtig, wenn auch andere Bundesländer dem Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs folgen und die MoorFutures einführen und damit unterstützen würden“, so das gemeinsame Plädoyer von Umweltminister Till Backhaus und BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Es stellt sich die Frage, ob sich daraus ein Paradigmenwechsel für Naturschutzfinanzierung ergibt. Nach Ansicht von Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Studienleiter von „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), ist dies nicht der Fall. „Deutschland braucht keine Privatisierung sämtlicher Umweltleistungen und Umweltgüter. Worauf es allerdings ankommt, ist das bessere Aufzeigen und Kommunizieren der umweltrelevanten Konsequenzen unserer Entscheidungen.“ Die Weiterentwicklung der MoorFutures sei ein hervorragendes Beispiel dafür, so Hansjürgens. Über 200 Jahre wurden große Anstrengungen unternommen, um Moore landwirtschaftlich nutzbar zu machen. „Seit kurzem jedoch können wir genauer einschätzen, welche Klimafolgen und Verluste weiterer Ökosystemleistungen damit einhergehen. Nun gilt es, die Nutzung von Mooren über geänderte Anreize - auch finanzieller Art - an die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen“ meint der Ökonom.

Hintergrund
Moorwiedervernässung führt zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Diese betragen zwischen 5 und 35 Tonnen pro Hektar und Jahr. Die durch Wiedervernässung erzielten Reduktionen lassen sich auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt verkaufen. Hierzu hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern und die Universität Greifswald die Marke MoorFutures entwickelt. Ein MoorFutures steht für die Vermeidung von einer Tonne Kohlendioxidäquivalent. MoorFutures werden seit 2011 auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt angeboten. Das Land Brandenburg hat im Jahre 2012 die Markenrechte erworben und vertreibt nun auch MoorFutures. Durch das BfN-geförderte Forschungsvorhaben „Integrierter Moorstandard“ ist es nun möglich, weitere Ökosystemleistungen wiedervernässter Moore zu quantifizieren. In dessen Rahmen ist auch das BfN-Skript 350 zur Darstellung des MoorFutures-Standards entstanden, der das unter www.bfn.de zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.
Weitere Informationen unter http://www.moorfutures.de
Die Pressemitteilung samt Foto finden Sie unter http://www.ufz.de/index.php?de=32123
Weitere Informationen am UFZ:
Dr. Augustin Berghöfer
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Department Ökonomie
via Telefon: 0341-235-1479
http://www.ufz.de/index.php?de=13686
oder über
Urs Moesenfechtel (Pressereferent im Projekt Naturkapital Deutschland)
Telefon: 0171-8490355 & 0341-235-1680
http://www.ufz.de/index.php?de=30710
http://www.naturkapital-teeb.de/aktuelles.html
http://www.naturkapital-teeb.de/presse/aktuelle-meldungen/meldung/article//Kleiner-Moorgipfel-2013.html
und
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Tilo Arnhold | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.moorfutures.de
http://www.ufz.de/index.php?de=32123

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau