Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel könnte indischen Monsun aus dem Gleichgewicht bringen

20.06.2013
Der indische Monsun könnte sich durch den Klimawandel stärker ändern als bisher gedacht – mit weit reichenden möglichen Folgen für Millionen Bauern und die landwirtschaftliche Produktivität des Landes.

Computer-Simulationen der neuesten Generation von 20 Klima-Modellen zeigen jetzt übereinstimmend, dass die täglichen Schwankungen des indischen Monsuns sich wahrscheinlich verstärken. Das ist Ergebnis einer von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung veröffentlichten Studie.

„Verstärkte Variabilität – das klingt erstmal technisch, hat aber ernste Folgen für jene Menschen, die zusätzliche Verluste einfach nicht verkraften können“, sagt Anders Levermann, einer der Autoren der Studie und Ko-Leiter des Forschungsbereichs Nachhaltige Lösungsstrategien des PIK.

„Dass all diese verschiedenen Modelle hier übereinstimmen, macht klar, dass Anpassungsmaßnahmen nötig werden.“ Sogar wenn die mittleren Niederschläge in der Regenzeit unverändert blieben, wären die Folgen beträchtlich, erklärt Levermann. „Nur auf den Mittelwert zu schauen, ist nicht immer sinnvoll. Wenn der Regen erst als Sturzbach kommt, und danach herrscht Trockenheit, kann das fatal sein, auch wenn im Durchschnitt die Regenmenge gleich bliebe. Anpassungsmaßnahmen, wie zum Beispiel intelligente Versicherungssysteme, müssen vor allem diese verstärkten Schwankungen auffangen.“

Die stärkste Veränderung würde den Projektionen zufolge eintreten, wenn wir weiter unvermindert Treibhausgase ausstoßen – die täglichen Schwankungen würden laut der Studie dann um 13 bis 50 Prozent zunehmen. Bei Einhaltung der von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als zwei Grad wäre die Veränderung mit 8 bis 24 Prozent wesentlich geringer. „Die Anpassung kann also nicht die Reduktion der CO2-Emissionen ersetzen“, so Levermann, „Sie ist eine notwendige Ergänzung, die umso stärker sein muss, je mehr wir emittieren.“

Die Forscher haben sich auf die zehn Modelle konzentriert, die den Monsun am realistischsten abbilden. Das ist ein konservativer Ansatz, weil diese zehn Modelle generell geringere Veränderungen zeigen als die übrigen zehn Modelle. „Es geht hier nicht um die einzelnen Prozentzahlen – sondern um den klaren Trend und seine klare Botschaft“, sagt Arathy Menon, Erstautorin der Studie. Die Wissenschaftler haben die neuesten Klimamodelle benutzt, die für den 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC zur Verfügung gestellt wurden. Sie alle zeigen verstärkte Schwankungen der täglichen Regenfälle in Indien.

Die Analyse aller zwanzig Modelle zeigt, dass die Unterschiede zwischen ihren Ergebnissen schrumpfen, wenn die Wissenschaftler sich unabhängig vom genauen zeitlichen Ablauf des Klimawandels die Veränderungen der Regenfälle pro Grad globaler Erwärmung anschauen. Das übereinstimmende Ergebnis ist, dass der indische Monsun von Tag zu Tag pro Grad Celsius globaler Erwärmung um 4 bis 12 Prozent mehr schwankt als vor der Industrialisierung. „Das ist ein belastbarer Indikator“, sagt Menon.

Rund 80 Prozent der jährlichen Regenfälle in Indien finden während der Monsun-Zeit zwischen Juni und September statt. Eine Reihe von Faktoren kann hier zu Unregelmäßigkeiten führen. So kann wärmere Luft schlicht mehr Wasser halten. Hinzu kommen komplexere Phänomene wie das Abkühlen sehr hoher Schichten in der Atmosphäre, was die gegenwärtigen Muster von Drucksystemen verändert – und dadurch auch den Regen.

Artikel: Menon, A., Levermann, A., Schewe, J. (2013): Enhanced future variability during India's rainy season. Geophysical Research Letters (online) [DOI: 10.1002/grl.50583]

Weblink zum Artikel: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/grl.50583/abstract

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Jonas Viering | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten