Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jüngster Dinosaurier von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und Yale entdeckt

14.07.2011
Neuer Beleg für den Meteoriten als Dino-Killer –
Schildkröten verschlafen das Aussterben

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Tyler Lyson von der Yale University und Walter Joyce von der Universität Tübingen hat das weltweit jüngste Fossil eines großen Dinosauriers entdeckt. Der Fund stützt die gängige These, dass die Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag am Ende der Kreidezeit vor 65 Million Jahres ausgelöscht worden sind.

Kritiker dieser These hatten angeführt, dass Dinosaurier in den obersten drei Metern der Ablagerungen der Kreidezeit fehlen und deshalb die Gegenthese aufgestellt, dass diese Tiere bereits vor dem gut dokumentierten Einschlag ausgestorben waren, vielleicht im Zuge von Klimaänderungen durch Vulkanausbrüche. Generell ist es statistisch unwahrscheinlich, Überreste der letzten Dinosaurier zu finden, da Sedimente vom Ende der Kreidezeit weltweit selten sind und meist fossilarme Sumpfablagerung darstellen.

Der neue, spektakuläre Fund eines Horndinosauriers (Ceratopsier) wurde letztes Jahr in der Hell Creek Formation im US Bundesstaat Montana gemacht. Es handelt sich um ein ca. 40cm langes Horn, das wahrscheinlich von dem acht Tonnen schweren Dinosaurier Triceratops horridus stammt. Die detaillierte Analyse der in den in Sumpfsedimenten enthaltenen Pollen ergab, dass das Fossil nur 13 Zentimeter unter der Kreidegrenze eingebettet war und somit das weltweit jüngste Dinosaurierfossil darstellt. Dank des neuen Fossils können die Forscher um Lyson und Joyce nunmehr widerlegen, dass alle Gruppen großer Dinosaurier bereits vor dem Ende der Kreidezeit ausgestorben waren. Der Fund stützt die These, daß erst der Meteorit das Aussterben der über mehr als 160 Millionen Jahre erfolgreichen Dinosaurier verursacht hat. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Biology Letters veröffentlicht.

Die genauen Abläufe der Aussterbewelle nach dem auf der mexikanischen Yukatan-Halbinsel dokumentierten Meteoriteneinschlag sind bis heute weitgehend ungeklärt. Offensichtlich ist aber, dass nicht alle Tier- und Pflanzengruppen dabei gleich beeinträchtigt worden sind. Sogar kleine, befiederte Dinosaurier haben überlebt, haben sich zu Vögeln weiterentwickelt und stellen heute mit mehr als 10.000 Arten eine der erfolgreichsten Wirbeltiergruppen dar. Weitere Ergebnisse der selben Forschergruppe wurden ebenfalls in dieser Woche in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht und zeigen, dass Süßwasserschildkröten in der selben Region wie der neue Dinosaurierfund den Meteoriteneinschlag fast unbeschadet überstanden haben. Möglicherweise war die spezielle Physiologie der Süßwasserschildkröten ihre Rettung: Wenn es zu kalt wird, gehen diese Tiere in Winterschlaf, wenn es zu heiß wird, gehen sie in Sommerschlaf. Diese Mechanismen halfen Süßwasserschildkröten bereits in den 180 Millionen Jahre ihrer Entstehungsgeschichte normale Klimaschwankungen zu überstehen. Laut Lyson und Joyce halfen dieselben Mechanismen dieser Tiergruppe möglicherweise aber auch, globale Katastrophen einfach zu durchschlafen.

Kontakt:
Dr. Walter Joyce
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Geowissenschaften
Sigwartstr. 10
72070 Tübingen
Telefon +49 7071 29-78930
walter.joyce[at]uni-tuebingen.de
Weitere Links:
Offizielle Pressemitteilung Journal of Vertebrate Paleontology:
http://www.vertpaleo.org/source/blog/post.cfm/press-release-tough-turtles-survive-cretaceous-meteorite-impact
Mitteilung in Nature News:
http://www.nature.com/news/2011/110713/full/news.2011.411.html

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics