Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impulse aus Bremen für nachhaltige Rohstoffförderung in Chile und für globale Ingenieurausbildung

05.02.2014
Universität Arturo Prat (Iqiuiqe/Chile) und Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen kooperieren in Forschungsprojekt / im Fokus: Logistik und Nachhaltigkeit bei der Förderung mineralischer Rohstoffe sowie Serious Gaming in der akademische Lehre

In einem zweijährigen Kooperationsprojekt forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH an der Universität Bremen sowie der Universidad Arturo Prat (UNAP) in Iquique/Chile gemeinsam zur nachhaltigen Förderung mineralischer Rohstoffe. Außerdem streben sie eine langfristige Zusammenarbeit in der Ingenieurausbildung an.

Von Kupfer bis Seltene Erde: Ressourcenschonender Abbau durch Prozessoptimierung

Über einen chilenischen Gastwissenschaftler war der Kontakt zustande gekommen. Während der Logistikforscher am BIBA an seiner Dissertation arbeitete, hatte er erkannt, dass das Bremer Know-how insbesondere zur nachhaltigen Gestaltung von Lieferketten (Supply Chains) bei der Rohstoffförderung in seiner Heimat von größtem Interesse sein könnte. Einem ersten wissenschaftlichen Austausch folgt nun das Kooperationsprojekt „Erweiterung der Green Supply Chain am Beispiel der Rohstoffindustrie für Kupfer“ (GSC4CRMI) zur Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Ressourcennutzung in Supply-Chain-Prozessen in Minen. Dabei betrachten die Wissenschaftler vorrangig die Prozesse beim Abbau von Kupfer, werfen aber auch einen Blick auf die Förderung anderer mineralischer Rohstoffe.

Über das Kooperationsprojekt wurden auch weitere Untersuchungen der UNAP zur Erkundung neuer Lagerstätten (Exploration) initiiert. So betrachten die Projektpartner mithilfe eines UNAP-Geologen nun zudem die Optionen zur Gewinnung Seltener Erden. Das sind sehr kostbare, höchst seltene Metalle. Durch die Erkenntnisse aus dem Projekt können Seltene Erden künftig möglicherweise aus dem Abraum gewonnener Erze ressourcenschonend separiert werden.

Abläufe analysieren, vergleichen und voneinander lernen

Die Kompetenz der Bremer Wissenschaftler liegt unter anderem in der Erforschung unternehmensinterner und -übergreifender Geschäfts-, Produktions- sowie Logistikprozesse. Bei den Untersuchungen in diesem Projekt legen sie das weltweit anerkannte GreenSCOR-Modell (Supply Chain Operations Reference-Modell – SCOR) zugrunde. Es dient der Entwicklung von Standard-Methoden von Supply Chains unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

Über eine Analyse und Beschreibung der Prozesse nach diesem Modell entsteht eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Abläufe in unterschiedlichen Unternehmen, anhand der sich das jeweilige Optimierungspotenzial in den Betrieben identifizieren und durch entsprechende Maßnahmen im Suppy Chain Management nutzen lässt. „Hier gilt es auch, im Sinne unserer Umwelt und der bestmöglichen Nutzung unserer Ressourcen Wissen zu verknüpfen und von den Erfahrungen anderer lernen zu können“, sagt BIBA-Projektleiter Matthias Kalverkamp.

Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium im Rahmen der Wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit (WTZ) aus dem Programm Forschung für nachhaltige Entwicklungen unterstützt. Damit will Deutschland „die Beteiligung an internationalen Forschungsprogrammen zur Lösung globaler Probleme, den Ausbau und die Verbesserung bilateraler Beziehungen und den Zugang zu interessanten Forschungsregionen“ fördern. Das Programm zielt unter anderem auf Technologieexport und Markterschließung besonders für kleine und mittlere Unternehmen. Dazu Kalverkamp: „Über diese Kooperation gewinnen wir weitere wertvolle Erkenntnisse für unsere Logistikforschung, bekommen tiefere Einblicke in zunehmend wichtige Themenfelder und können unsere internationale Zusammenarbeit ausbauen. Das kommt auch der europäischen Wissenschaft und Wirtschaft zugute.“

Auch deutsche Studierende könnten künftig von dieser Zusammenarbeit profitieren

Bei seinem Forschungsaufenthalt am BIBA setzte sich der chilenische Wissenschaftler auch mit neuen, an der Uni Bremen praktizierten Formen des Lehrens und Lernens in der Ingenieurausbildung auseinander – im Gaming Lab des BIBA. Hier entwickelt und erprobt das Institut Serious Games mit dem Schwerpunkt in Produktion und Logistik. Spielerisch konfrontiert mit realen, komplexen Situationen, die die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Fertigkeiten erfordern, lernen die Studierenden zu handeln und Entscheidungen zu treffen. Das Labor bietet Forschungseinrichtungen und Unternehmen eine Plattform für den Einsatz von Planspielen im Bildungsbereich.

Seine Begeisterung vom Serious Gaming nahm der Wissenschaftler mit nach Chile, und nun strebt die UNAP über das geförderte Vorhaben hinaus auch in der akademischen Lehre eine Zusammenarbeit an. Erste Schritte sind bereits getan: Bei seinem Besuch im November 2013 zum Auftakt des Projektes besichtigte Kalverkamp nicht nur Kupfer-, Molybdän- sowie Jod-Minen und tauschte sich mit den UNAP-Wissenschaftlern über Prozessmanagement aus, sondern ergänzend dazu bot er auch Serious-Gaming-Labore an.

„Die Resonanz der UNAP-Professoren und -Studierenden war hervorragend. Sogar die dortige Presse hat über die Veranstaltungen berichtet“, sagt Kalverkamp. Die mittelgroße Universität im Norden Chiles betrachte Serious Gaming als innovative Lehrmethode zur Ergänzung ihrer Ingenieurausbildung. Mit rund 11.000 Studierenden bietet sie ein großes Potenzial für eine Kooperation auch auf diesem Feld. Die Partner denken über eine Erweiterung der Planspiele nach, um sie künftig gleichzeitig an mehreren Standorten weltweit einsetzen zu können. So könnten zum Beispiel Studierende aus Bremen und Iquique gemeinsam arbeiten und Aspekte der globalen Zusammenarbeit unmittelbar erleben. Die Vision: internationale Lehrveranstaltungen. Hierfür seien aber noch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erforderlich, sagt Kalverkamp. Derzeit suchen BIBA und UNAP nach Mitteln zum Ausbau auch dieses Engagements.

Achtung Redaktionen:

Fotos zur Pressemitteilung finden Sie unter http://www.biba.uni-bremen.de/pressemitteilungen.html oder erhalten sie über Sabine Nollmann (Mobil: +49 170 904 11 67 oder E-Mail: mail@kontexta.de)

Ihre Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Klaus-Dieter Thoben (Institutsleiter BIBA)
Telefon: +49 421 218-500 05, E-Mail: tho@biba.uni-bremen.de
Matthias Kalverkamp, M.Sc. (Projektleiter BIBA)
Telefon: +49 421 218-50 184, E-Mail: kvp@biba.uni-bremen.de
Ing. Raúl Zúñiga Arriaza (Projektleiter Universidad Arturo Prat, Iquique/Chile)
Telefon: +56 572 52 62 94, E-Mail: razuniga@unap.cl

Sabine Nollmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biba.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie